Lokales

Elektrozaun gegen gefräßige Schädlinge

Rolf Ehrig entwickelt einen Elektrozaun gegen die Schädlinge und will damit in Produktion gehen.

TOBIAS DORFER

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ESSLINGEN Rolf Ehrigs Garten ist ein kleines Idyll im lärmenden Alltag der Stadt. Auf dem Dach seines Gartenhäuschens weht eine Regenbogenflagge, das Zeichen der internationalen Friedensbewegung. Und Rolf Ehrig, so scheint es, ist tatsächlich ein friedlicher Zeitgenosse. Er pflanzt in seinem Garten Sonnenblumen an, Chillischoten, Tomaten und Dahlien. Selbst gegen Störenfriede, die ihn stören könnten, hat der friedliebende Herr ein Rezept. Nähert sich jemand seinem Gartenhaus, bellt ein Hund. Der kommt zwar nur vom Tonband, verfehlt seine Wirkung jedoch nicht. Nur gegen einen Eindringling ist selbst der Tonbandhund weitgehend machtlos. Die Arion Ater, auch große Wegschnecke genannt, kümmert sich nicht um derartige Spielereien. Sie kriecht, ihr Ziel im Visier, auf den Salat zu, den Rolf Ehrig mühevoll gepflanzt hat. Nach wenigen Tagen sind die zarten Pflänzchen Geschichte.

So wie dem Pensionär geht es vielen Hobbygärtnern. Sie schimpfen auf die Schädlinge, legen Schneckenkorn aus, legen Bierfallen oder stellen sich mit der Heckenschere in den Garten und zerteilen die Nacktschnecke in zwei Teile. Rolf Ehrig hält von derlei gewaltvollen Kampfmethoden die Friedensflagge ist auch sein Firmenlogo nichts. Die Bierfallen würden doch nur noch mehr Schnecken anlocken. An Salz würden die Tiere elend zugrunde gehen. Und Schneckenkorn würde nur unnötig den Boden belasten. "Kontaminiert", sagt Rolf Ehrig und schüttelt den Kopf. Nicht mit ihm.

Der findige Techniker hat daher seinen Verstand spielen lassen und einen Schneckenzaun entwickelt. Der besteht aus recycelten Kunststoffelementen und ist mit zwei Chrom-Nickel-Stahldrähten besetzt. 12 Volt die Spannung kommt übrigens von einer Solarzelle fließen an dem Gebilde. Kinder und größere Tiere spüren das nicht. Erwachsene erst recht nicht. Aber Schnecken, die durch ihren hohen Wasseranteil einen geringen Innenwiderstand haben, wehrt der Zaun ab. "Wenn dann die Schnecke kommt, ist es aus", sagt Rolf Ehrig zufrieden. Im günstigsten Fall drehen die Kriechtiere wieder um, wenn sie die Drähte berührt. Probiert sie es immer wieder, kann sie auch daran sterben. Einige Tausend Euro hat Rolf Ehrig in sein Produkt investiert. Und nicht nur er ist davon überzeugt. Im Garten seines Freundes Hans Rehberger steht derzeit der Prototyp des Elektro-Schneckenzauns. "Das Ding ist fantastisch", schwärmt Rehberger. Daher hat er seinem Freund Ehrig geraten, mit seiner Erfindung auch Schneckengegner jenseits der Esslinger Stadtgemarkung zu beglücken. Nur das Wie ist noch offen. Ob der Zaun über einen Investor oder eine eigene Produktion in Serie gehen soll, steht noch in den Sternen. Eines ist für Hans Rehberger trotzdem klar: "Da gehsch in Produktion, des greifsch an", sagt er in breitem Schwäbisch.

Rolf Ehrig, der den Zaun zusammen mit seinem Sohn vertreiben will, hat schon bei Gärtnereien und Baumärkten angefragt. Für Profis sei sein Produkt eher nichts. Bei großen Salatfeldern würden die ersten Meter sowieso geopfert, weiß Rolf Ehrig. Für den Privatmann jedoch sei sein Zaun, der inzwischen patentiert ist, interessant. Nur der Preis könnte dem Erfolg im Wege stehen. Für die Umzäunung von Hans Rehbergers neun Quadratmeter großem Beet waren knapp 350 Euro fällig. "Dafür ist es gleichzeitig eine Beeteinfassung", sagt Rolf Ehrig. Gegen die könnte man sogar problemlos mit dem Rasenmäher fahren: "Das hält". Demnächst will der Tüftler seinen Zaun noch weiterentwickeln, sodass auch Katzen daran gehindert werden, ihr Geschäft im Beet zu verrichten. "Mit einem akustischen Signal könnte das gehen", meint Rolf Ehrig. Oder er baut einfach den Tonbandhund in das Produkt ein. Wobei eine Katze als Schädlingsbekämpfer fast noch wirkungsvoller sei als sein Zaun, meint Rolf Ehrig: "Wenn die ins Beet macht, dann stinkt das so sehr. Da geht keine Schnecke mehr rein."