Lokales

Elsachstadt war Handwerkerzentrum

Auf Einladung des Arbeitskreises Kultur und Geschichte Grabenstetten weilte Dr. Thomas Knopf vom Institut für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Tübingen in Grabenstetten, um über die fünf Ausgrabungen seit 1994 in der Elsachstadt, die vom inneren Wall des Heidengrabens umgeben ist, in Wort und Bild zu berichten.

GRABENSTETTEN Das Interesse war riesengroß, von überall her strömten die Wissbegierigen in den Lammsaal, um aus berufenem Mund zu erfahren, zu welchen Erkenntnissen die Wissenschaftler bei der Auswertung der Funde gekommen sind. Es waren zwei Siedlungsepochen und zwar im 6. und 5. Jahrhundert vor Christus und im 2. Jahrhundert vor Christus. Werkezeuge aus Feuerstein wie Klingen und Pfeilspitzen zeigen, dass sich schon in der Steinzeit in der Elsachstadt Menschen niedergelassen haben.

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Der Wegebau durch die Flurbereinigung im Jahre 1994 machte es möglich, dass lange Wegtrassen freigelegt wurden und durch Bodenverfärbungen konnten an steinfreien Flecken Löcher für Hauspfosten ausgemacht werden. Es wurde auch he-rausgefunden, dass Abtragungen durch die Erosion bis zu einem Meter Höhe stattgefunden haben. Grubenhäuser mit einer Feuerstelle und zwei Hauspfosten in der Mitte, runde Keller oder Vorratsgruben mit etwa zwei Metern Tiefe wurden entdeckt. Noch nicht geklärt ist, welchem Zweck ein etwa vier Meter langer und ein Meter breiter Ofen diente. In einer Pfostengrube wurde eine etwa 20 Zentimeter lange Bronzenadel aufgefunden. Ein wertvolles Fundstück ist eine Spiralfußfibel aus Bronze, die zum Verschließen der Kleidung diente.

Viele Spinnwirtel zeugen von der Textilherstellung und Bruchstücke von Metallschmelztiegeln von der Erzeugung von Bronzegegenständen. Keramik aus dem Mittelmeerraum zeigt, dass diese frühkeltische Siedlung im Gewand "Strangenhecke" eine gewisse Bedeutung hatte. Amphoren, etwa 80 Zentimeter lang, gelangten aus dem Mittelmeerraum überf den Hafen Marseille und das Rhonetal in den Raum von Grabenstetten. Sie waren gefüllt mit Wein, Öl oder Fischsuppe. Ein großes Handwerkerzentrum, geschützt durch Gräben und Wälle, muss sich in spätkeltischer Zeit (etwa 130 bis 90 vor Christus) in der so genannten Elsachstadt befunden haben.

Bruchstücke von 100 Amphoren wurden ausgewertet, durch ihre Bauart können sie genau datiert werden. Keramik, die sonst nirgends gefunden wurde, beweist, dass sie also hier hergestellt wurde. Halbfabrikate von Fibeln, Eisenteile und Bruchstücke von Schwertklingen fanden sich im Boden. Also waren Schmiede vor Ort. Achim Lehmkuhl fand einen Achsnagel mit Bronzekopf, der vermutlich am Wagen einer gehobenen Person angebracht war. Armringe aus Glas, Münzen mit hohem Zinngehalt, aber nicht aus Gold, zeugen von einem regen Warenaustausch.

In der Diskussion wurde angefragt, woher die dort lebenden Menschen und Tiere ihr Trinkwasser bezogen haben und ob wohl die Versorgung aus dem Bereich der heutigen Alborte Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben, wo es genügend Wasser durch den Basaltuntergrund gibt, erfolgt ist. War die Elsachstadt ein Handwerkszentrum?

Fragen, die sicherlich bei späteren Grabungen geklärt werden können, sofern die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stehen.

Rose Gruner, die Vertreterin des Arbeitskreises, bedankte sich bei Dr. Thomas Knopf für den aufschlussreichen Vortrag und teilte mit, dass der Erlös des Abends dem Arbeitskreis zur Erweiterung des örtlichen Museums zur Verfügung gestellt wird. Sie kündigte an, dass diese Vortragsreihe forgesetzt wird.

besc