Lokales

Eltern stärken

Wie man Kinder dabei unterstützt und fördert, sich zu starken und selbstsicheren Persönlichkeiten zu entwickeln war Gegenstand eines Fachnachmittages in der Familienbildungsstätte in Kirchheim. Eingeladen hatte der Pflege- und Adoptivelternverein Kreis Esslingen (PFAD). Vor zahlreichen interessierten Eltern sprach die Familientherapeutin Monika Heinzel-Junger.

KIRCHHEIM Kinder brauchen auf ihrem Weg zum Erwachsenen unzählige Anregungen und Impulse von außen, damit sie sich frei entfalten und starke Kinder werden. Die Eltern werden jedoch auch heute noch nicht auf diese wichtige Aufgabe vorbereitet. Sie beziehen ihr Wissen aus den Erfahrungen der eigenen Kindheit oder aus dem Austausch mit Dritten. Die Tübinger Familientherapeutin Monika Heinzel-Junger unterstrich, wie wichtig es für Eltern sei, sich frühzeitig mit dem Thema Erziehung auseinanderzusetzen.

Anzeige

Damit überhaupt erzogen werden könne, müssen Eltern für sich selbst einen Wertmaßstab entwickeln, der ihnen für den Erziehungsalltag zur Richtschnur werden kann. Dazu werden häufig Erfahrungen aus der eigenen Kindheit mit Anregungen und Erfahrungen befreundeter Familien vermengt. Nach und nach entwickelt sich daraus der rote Faden, wie sie Kinder erziehen wollen. Es ist ebenfalls der Maßstab für das eigene Verhalten, da Eltern bereits durch ihr Beispiel praktische Erziehungsarbeit leisten.

Trotzdem würden die Eltern bei dieser so wichtigen Zukunftsaufgabe allein gelassen, so Monika Heinzel-Junger weiter, denn häufig stehen den Eltern keinerlei Kenntnisse über praktische und wirksame Erziehungsmethoden zur Verfügung. Dabei eröffne die von Thomas Gordon entwickelte Methode der Familienkonferenz einen sehr probaten Weg, wie auch schwierige Phasen der Entwicklung erfolgreich und ohne Krach bewältigt werden können. Dabei wird das Kind in den Entscheidungsprozess mit einbezogen und gemeinsam eine Lösung gefunden, die beide Seiten zufriedenstellt und dem elterlichen Erziehungsziel gerecht wird.

Der Versuch, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, Wut, Frust oder Ungewissheit, Schuldzuweisungen der Partner oder Müdigkeit und Erschöpfung sind die häufigsten Ursachen massiver Familienkonflikte. Deshalb sei es ungemein wichtig, dass Eltern sich Inseln der Ruhe schaffen, wo sie auftanken und regenerieren könnten. Dies tue auch den Kindern gut, denn ausgeruhte Eltern sind fit und bleiben in schwierigen Situationen gelassen.

Somit lassen sich viele Konflikte schon im Ansatz vermeiden. Doch könne es keine allgemeingültige Rezeptur geben, die für alle Individuen funktioniere, so Heinzel-Junger weiter. Aber mit einer ordentlichen Portion Einfühlungsvermögen, aktivem Zuhören und dem Wissen, nicht perfekt sein zu müssen, lasse sich die Mehrheit aller Fragen lösen. Eltern brauchen nicht stets einen passenden Rat zu haben, damit Kinder lernen, für ihre Probleme selbst passende Lösungen zu entwickeln.

Begleitet wurde der Fachvortrag von zahlreichen Übungen und Rollenspielen, bei denen die Eltern die Wirksamkeit dieser Methode erfahren konnten. Praktisches Beispiel aus dem Zuhörerkreis war die Auseinandersetzung, wie lange das Kind denn Computer spielen darf oder wann auch für einen Zehnjährigen Schlafenszeit ist. Schon jetzt ist klar, dass im Jahresprogramm 2006 sicher wieder eine Veranstaltung zu diesem Thema stattfinden wird.

pm