Lokales

Emotionen belasten anstehende Sachfragen

Die altgedienten Kirchheimer Ratsmitglieder hatten schon häufig Gelegenheit, sich mit der tiefgründenden und emotionsbeladenen Problematik des Bebauungsplans "Zwischen Alleen- , Dettinger- , Walkstraße und Gaisgasse" zu befassen. Für die "Neuzugänge" im Gremium war die Premiere in jüngster Sitzung sicherlich nicht erfreulich.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Sie fühle sich verunglimpft für Dinge, die sie nicht zu verantworten habe, stellte Sabine Bur am Orde-Käß von der Grünen Alternative gleich einleitend fest. Sie bedauerte, dass durch die in einem an alle Mitglieder des Gemeinderats gerichteten Schreiben von Dres. Christa und Eugen Schweitzer erhobenen massiven Vorwürfen an Verwaltung und Ratsgremium die Chance eines Neubeginns konstruktiver Gespräche mit dem neuen Gemeinderat vertan wurde.

Dass ganz am Ende des mit Polemik und Mutmaßungen gespickten Schreibens eine Einladung zum Ortstermin zu finden ist und Bereitschaft erklärt wird, "die Pläne und das Modell persönlich zu erläutern" wurde nur von Albert Kahle von der Liste FDP / KiBü aufgegriffen, der deutlich machte, dass er sich wohl ebenfalls gerne deutlich neutraler dem Thema genähert hätte.

Drei Baugesuche im Bereich Alleenstraße 52 beziehungsweise Dettinger Straße 2 nannte Planungsamtsleiter Dr. Hermann-Lambert Oediger als Anlass für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Satzungsbeschluss des Teilbebauungs-plans "Zwischen Alleen-, Dettinger, Walkstraße und Gaisgasse".

Zum einen wird entlang der Dettinger Straße eine Erweiterung im Osten und das Heranrücken des dort versetzt entstandenen eingeschossigen Flachdachbaus bis an die Straßenbegrenzungslinie der Fußgängerzone beantragt. Dieser Versatz war laut Planungsamtsleiter Dr. Oediger einst die Voraussetzung dafür gewesen, dass der eingeschossige Zwischenbau überhaupt hatte zugelassen werden können.

Beantragt wird weiter, den geplanten Bau eines modernen "Neuen Hauses" entlang der Alleenstraße in den Dachgeschossen baulich mit dem bestehenden Alten Haus zu verbinden, was im geltenden Bebauungsplan bewusst ausgeschlossen worden war. Hinzu kämen in diesem Bereich dann noch "unerwünschte Bauten zur Alleenstraße", der Abbruch östlicher Teile der Alleenstraße 52 und die Anlage von insgesamt 39 oberirdischen Parkplätzen.

Nachdem der Technische Ausschuss und Werksausschuss des Kirchheimer Gemeinderats in seiner Vorberatung zu der Überzeugung gekommen war, dass die Konflikte im Innenbereich derzeit nicht einvernehmlich lösbar sind, wurde in der jüngsten Sitzung des Ratsgremiums vorgeschlagen, diesen eigenständigen Teilbereich auszuklammern. Auch das Gesamtgremium folgte schließlich dieser Vorgehensweise und votierte mit klarer Mehrheit dafür, den Satzungsbeschluss zunächst auf den planungsreifen Bereich des Blockrandes zu begrenzen.

Dass derzeit das Thema Innenbereich noch nicht entscheidungsfähig ist, lautete auch die Einschätzung von CDU-Fraktionsführer Helmut Kapp. Der geplante Zwischenbau, der Altes und Neues Haus verbinden soll, müsse klar abgesetzt werden, zurückhaltend und deutlich untergeordnet sein, lautete seine Bewertung dieses Details. Grundsätzliches Entgegenkommen für die Gestaltungsignalisierend, machte er zugleich deutlich, dass ein Glasbau möglich, aber durchaus auch kritisch zu bewerten sei. Überzeugt zeigte er sich dagegen davon, dass das oberirdische Parken hier nicht verstärkt werden könne und regte an, der Entschlussempfehlung zum Satzungsbeschluss zu folgen.

Dem stimmte auch Stadträtin Sabine Bur am Orde-Käß für die Grüne Alternative zu, bedauerte aber, wie massiv hier "eine Chance verspielt wurde". Dass sich die neuen Gremiumsmitglieder vor Ort informieren können, war der Wunsch von Stadtrat Albert Kahle (FDP/ KiBü), der sich gut vorstellen konnte, das Thema noch einmal zu vertagen.

"Bei allem Respekt" vor den neuen Mitgliedern konterte Fraktionschef Hagen Zweifel für die Freien Wähler, dass "das Geschäft weitergehen" müsse. Für ihn ist klar, dass das "Alte Haus" nicht als zur Blockrandbebauung gehörend und sich darin einfügend angesehen werden kann, sondern als Solitär zu betrachten ist.

Dass die geplante gläserne Verbindung nicht auffalle, lobte SPD-Stadtrat Bodo Schöllkopf, bezeichnete es aber als problematisch, wenn die gesamte Fassade verglast werde. Besorgt um die Zukunft der Weide am Alten Haus äußerte sich Dr. Grüninger für die Freien Wähler. Da es am Standort der Trafostation von Leitungen nur so wimmle, fürchtete er, dass mit den erforderlich werdenden Grabarbeiten zugleich auch das Grab des das alles wohl nicht überlebenden Baumes geschaufelt werde.

Bei der sich anschließenden Abstimmung fand der Vertagungsantrag bei nur zwei Für-Stimmen und einer Enthaltung keine Mehrheit. Der Satzungsbeschluss erfolgte bei einer Gegenstimme. Bei einer Gegenstimme waren sich die Mitglieder des Ratsgremiums auch einig darüber, den Geltungsbereich des Bebauungsplanes auf das Geh- und Fahrrecht Dettinger Straße 4, 6 und 8 sowie Walkstraße 4 zu erweitern. Mehrheitlich wurde auch Bereitschaft signalisiert, in Höhe des ersten Dachgeschosses einen Übergang mit einer Breite von 2,50 Meter zu akzeptieren wie auch eine von 3,50 auf 2,30 Meter verringerte Distanz zwischen Altem und "Neuem Haus".