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"Empfehlungen sind nicht dienlich"

Auf Kritik stößt der Bericht des UN-Sonderberichterstatters Vernor Munoz beim Nürtinger Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (CDU). Hennrich: "Die Empfehlungen von Herrn Munoz sind nicht dienlich, die Bildungschancen in Deutschland zu stärken."

NÜRTINGEN Munoz habe in seinem Bericht insbesondere die fehlenden Bildungschancen von Kindern aus ärmeren Familien kritisiert. Als Grund hierfür gibt er das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland an. Dazu Michael Hennrich: "Munoz hat in lediglich acht Tagen vier der 16 Bundesländer besucht und erlaubt sich nun eine scharfe Kritik an Deutschlands Bildungspolitik." Hennrich wehrt sich dagegen, dass Deutschland zum bildungspolitischen Entwicklungsland degradiert wird.

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Natürlich könne man darüber diskutieren, ob die Trennung der Grundschüler in Haupt-, Realschule oder Gymnasium bereits ab der vierten Klasse erfolgen müsse. Tatsache sei jedoch, dass das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland durchlässig sei und auch ein Hauptschüler über weiter- und berufsbildende Schulen das Abitur erreichen könne. Über diesen zweiten Bildungsweg erreichten über ein Drittel der baden-württembergischen Abiturienten ihr Ziel. Hennrich: "Genau diese Möglichkeiten blendet Munoz aus, der lediglich die Sekundarstufe 1 untersucht hat." Er könne jedoch nicht einfach ein Urteil über ein Schulsystem abgeben, ohne alle Aspekte zu untersuchen.

Hennrich bestreitet in seiner Pressemitteilung vehement, dass die Gesamtschule die bessere Schule sei. "Tatsächlich liegen Baden-Württemberg und Bayern an der deutschen Spitze und können international mit den Besten mithalten. Die Bundesländer, die verstärkt auf die Gesamtschule gesetzt haben, werden jedoch nach hinten durchgereicht." Dies spreche doch wohl eher dafür, dass zumindest in Deutschland die Gesamtschule der falsche Weg sei.

Unbestreitbar sei es, dass in Deutschland Kinder aus bildungsschwachen Familien insbesondere Kinder aus Ausländerfamilien deutlich geringere Erfolgsaussichten hätten: "Hier macht sich bemerkbar, dass wir in Deutschland viel zu wenig darauf achten, dass die Kinder ausreichend Deutsch können, bevor sie in die Schule kommen." Verstärkte Anstrengungen seien diesbezüglich insbesondere in den Kindergärten notwendig. Doch müsse auch verstärkt in den Familien Deutsch gesprochen werden.

Darüber hinaus unterstützt Hennrich die Bestrebungen, mehr Ganztagesschulen einzurichten. Dieser Trend dürfe sich aber nicht nur auf Brennpunktschulen und Gymnasien beschränken, sondern auch verstärkt Hauptschulen mit einbeziehen.

Auf scharfen Widerspruch stößt die Anregung Munoz, das Bildungsmonopol der Schule aufzuheben. Munoz möchte die "Heimschule" ermöglichen. Hennrich: "In Deutschland gibt es das Recht auf eine Schule und die Schulpflicht. Dies ist eine große zivilisatorische Errungenschaft. Sie darf auf keinen Fall aufgeweicht werden."

Wer die Möglichkeit fördere, im Zweifel auch zu Hause zu lehren, ermögliche es ideologischen und religiösen Gruppen und Sekten, die Kinder ihrer Anhänger einer öffentlichen Schule zu entziehen. "Damit würde man die Kinder aus islamistisch orientierten Schulen überhaupt nicht mehr erreichen."

Als Beleg für die nach wie vor gute Bildungs- und Ausbildungssituation der deutschen Schulen und als Erfolg wertet Hennrich die Tatsache, dass Deutschland im internationalen Vergleich eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenraten hat. In Anbetracht der zunehmenden Probleme insbesondere bei Zuwandererfamilien weist Hennrich darauf hin, dass die Situation in Baden-Württemberg und Bayern deutlich günstiger sei als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg. Aus diesem Grund lehnt er es ab, die Bildungspolitik in Deutschland zu zentralisieren. Er befürchtet, dass die anspruchsvollen Bildungsinhalte der südlichen Bundesländer im bundesdeutschen Schnitt aufgeweicht würden. Darum fordert er die anderen Länder auf, dem erfolgreichen baden-württembergischen und bayerischen Bildungsweg zu folgen.

pm