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Endet Hängepartie mit Raum-Rochade?

In einer Art Rochade liegt die Chance: Im Schloss und im gegenüberliegenden Pädagogischen Fachseminar (PFS) könnten künftig mehrere Landeseinrichtungen gebündelt werden. Wegfallende Mieten und Gebäudeverkäufe sollen Geld in die Landeskasse spülen und die teure Sanierung des Kirchheimer Seminars erleichtern.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Karl Zimmermann ist zuversichtlich: "Die Fachleute im Finanzministerium sind bis ins Detail über die räumliche Situation in Kirchheim informiert", zeigt sich der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete nach einem aktuellen Gespräch beruhigt darüber, "dass die Sache ausgesprochen ernst genommen wird". Auch Andreas Schwarz, Stadt- und Kreisrat der Grünen Alternativen, hat vom Finanzministerium erfahren, dass sich "aus der Verwaltungsreform neue Alternativen in räumlicher Sicht ergeben haben" und schöpft Hoffnung für das Seminar, das sich derzeit auf dem Prüfstand befindet.

Wie mehrfach berichtet, müsste gehörig Geld in die Sanierung des Gebäudeensembles am Alleenring gesteckt werden. Im Gespräch sind sieben Millionen Euro. Das Schicksal, vom Zahn der Zeit gezeichnet zu sein, teilt das Seminar allerdings mit vielen anderen landeseigenen Gebäuden. Auch den Weiterbetrieb des Pädagogischen Fachseminars in Schwäbisch Gmünd gibt's nicht zum Nulltarif. Hier nennt Zimmermann eine Summe von 3,5 Millionen Euro Investitionsbedarf. Das Finanzministerium nimmt seit mehreren Monaten alle PFS-Standorte genauestens unter die Lupe.

Neben organisatorischen und fachlichen Aspekten hat Karl Zimmermann von Beginn an die räumlichen Voraussetzungen als Plus für Kirchheim ins Feld geführt und den Grundgedanken der Zusammenlegung von Dienststellen jetzt vertieft: "Im Schloss sind durch den Auszug der Gewässerdirektion fast 600 Quadratmeter frei geworden", rechnet er vor, "das benachbarte Forstamt wird zum 30. Juni frei." Der konkrete Vorschlag lautet: Das schmucke Forsthaus könnte veräußert werden, ebenso der Marstall, in dem einzelne Werkstatträume beheimatet sind. Beides bringt Geld. Sparen lässt sich zudem durch wegfallende Mieten, wenn die Beamten der Kriminalaußenstelle und die Bediensteten des Notariats ins Schloss umziehen. "Das ist doch schon mal ein beachtliches finanzielles Polster", macht Zimmermann eine Gegenrechnung zu den geschätzten Sanierungskosten im Seminar auf.

"Unser Vorteil liegt darin, dass wir die Sanierung über Jahre verteilen können", gibt sich der CDU-Mann gelassen. Politisch drückt er jedoch aufs Tempo: Im April wird sich die Ministerrunde mit der Thematik befassen. "Zuvor suche ich das Vier-Augen-Gespräch mit Ministerpräsident Erwin Teufel", kündigt Zimmermann an.

"Es geht längst nicht mehr um rein finanzielle Überlegungen, sondern um politische", sieht auch die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer Grund zu zaghaftem Optimismus. "Die Verwaltungsreform hat in Kirchheim wahrlich schon genug angerichtet", führt sie ganauer aus, dies sei auch in Stuttgart bekannt. Weiter verweist sie auf den pädagogischen Hintergrund des Seminars und führt das Argument an, dass nicht nur die Räumlichkeiten über die Qualität einer schulischen Einrichtung entscheiden, sondern besonders auch Faktoren wie die Lehrkräfte oder die Infrastruktur.

Einer "Lösung, die das Ganze im Blick hat" und sozusagen mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt, räumt auch Carla Bregenzer mehr Zukunftschancen ein als einer Detailbetrachtung. Diese Überlegungen seien jedoch ebensowenig neu wie die Erkenntnis, dass auch das Notariat ganz dringend eine Veränderung brauche. Da all dies dem Finanzministerium jedoch längst bekannt und Gegenstand der laufenden Untersuchung sei, sieht die SPD-Vertreterin derzeit keinen Grund zu großer Euphorie. Schließlich sei gemäß aktueller Auskunft des zuständigen Ministerialreferenten definitiv noch nichts entschieden: "Die Hängepartie geht weiter."