Lokales

Engagement für die Integration gewürdigt

Anerkennung zollen, Engagement würdigen und ganz einfach "Danke" sagen das war das Ziel einer Feierstunde, zu der die Stadt Kirchheim gestern anlässlich des Internationalen Tags des Ehrenamtes eingeladen hatte. Passend zur aktuellen Veranstaltungsreihe "50 Jahre Gastarbeiter" stand das Engagement Freiwilliger aus der Integrationsarbeit im Mittelpunkt.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM "Dieses Jahr rückt eine scheinbar unscheinbare Gruppe in den Fokus", charakterisierte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Hauptadressaten der Feierstunde: Bürgerinnen und Bürger unterschiedlicher Herkunft, die sich in der Integrationsarbeit engagieren. Die vermeintliche Unscheinbarkeit beziehe sich jedoch lediglich auf das wenig lautstarke Auftreten der Ehrenamtlichen. "Ihr Wirken ist dafür umso wichtiger", betonte Matt-Heidecker bei der Feierstunde im Alten Gemeindehaus in Kirchheim.

Seit rund zehn Jahren nimmt die Stadt Kirchheim den "Internationalen Tag des freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements" am 5. Dezember zum Anlass, das vielfältige ehrenamtliche Schaffen in der Teckstadt zu würdigen. Wollte die Stadt alle engagierten Bürger auf einen Schlag einladen, stünden über 1000 Gäste auf der Liste, wie Heike Kunz von der Fachstelle Bürgerengagement informiert. Deshalb richtet sich der Tag des Ehrenamts in Kirchheim jedes Jahr an eine bestimmte Gruppierung, die stellvertretend für alle engagierten Bürger ein offizielles "Dankeschön" erhält.

Unter der Überschrift "Wir feiern miteinander" standen dieses Jahr Menschen im Mittelpunkt, die sich in ihrer Freizeit für die Integration ausländischer Mitbürger stark machen: Sie helfen ihnen dabei, deutsch zu lernen, stehen ihnen bei Behördengängen zur Seite oder vermitteln schlicht das Gefühl von Geborgenheit in einer anfangs fremden Umgebung. "Wir wollen die Leute honorieren, die in der Integrationsarbeit aktiv sind", fasste Roland Böhringer, Leiter des Amts für Familie und Soziales, zusammen. Gleichzeitig runde der Tag des Ehrenamts damit auch die Ausstellung und die Veranstaltungsreihe zum Thema "50 Jahre Gastarbeiter in Kirchheim" ab, die noch bis Freitag im Rathaus zu sehen ist.

Angelika Matt-Heidecker lobte die Vielfalt der Menschen, die sich "zum Nutzen unserer Stadt einbringen" und reflektierte über den Begriff "zivile Bürgergesellschaft", den der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zum gesellschaftspolitischen Programm erklärt habe. Allerdings sei eine solche Bürgergesellschaft nicht unumstritten: "Es gibt die These, dass das frei gewählte Engagement der Bürger nicht ohne Grund im Zentrum des allgemeinen Interesses steht", sagte Angelika Matt-Heidecker und zitierte skeptische Stimmen: "In einer Zeit, in der der soziale Kitt weich wird, soll offenbar der engagierte Bürger einspringen." Es werde sogar von der Instrumentalisierung von Bürgern für staatliche Zwecke gesprochen. Zudem gebe es die Befürchtung, dass ein Strukturwandel von Engagement und Partizipation bestimmte Bevölkerungsgruppen von sozialer und politischer Beteiligung ausschließen könne mit der Folge einer "gespaltenen Bürgergesellschaft".

"Diese Ansicht teile ich so nicht, wenn ich den großen Bogen derer sehe, die sich in Kirchheim engagieren", stellte die Oberbürgermeisterin klar. Es sei zwar sicher, dass die Stärkung der Bürgergesellschaft kein "Zaubermittel zur Lösung aller Probleme" ist. "Ich bin aber davon überzeugt, dass viele Probleme ohne die Stärkung der Bürgergesellschaft unlösbar sind." Aus dieser Erkenntnis heraus habe die Stadt unter anderem durch den Tag des Ehrenamts eine Kultur des "Dankesagens" etabliert.

Zu der Veranstaltung unter der Überschrift "Wir feiern miteinander" waren gestern rund 130 Menschen gekommen, die sich in Kirchheim und Umgebung für Integration engagieren. Freiwillige der Sprachhilfe im Kindergarten und der Hausaufgabenhilfe standen neben vielen anderen ebenso auf der Gästeliste wie Vertreter der Aussiedlerintegration, des Arbeitskreises Asyl und des Jugendtreffs. Eingeladen waren auch engagierte Mitbürger aus den Migrantenvereinen, wie etwa dem Türkischen Volkshaus, dem Tamilischen Elternverein, dem Griechischen Beschützerverein und der Alevitischen Gemeinde.

Welch wichtige Rolle diese Vereine spielen, aber auch welche große Verantwortung sie tragen, verdeutlichte Angelika-Matt-Heidecker in ihrer Ansprache: "Den Migrantenvereinen kommt eine wichtige soziale Rolle als Tor zur deutschen Gesellschaft zu." Gleichzeitig jedoch müssten sich die Vereine bewusst sein, welche Verantwortung sie tragen: Sie sollen Menschen aus der Fremde zwar eine "Heimat" bieten, aber gleichzeitig auch die nötige Offenheit für die Gesellschaft mitbringen, in der sie sich befinden, um die Integration nicht zu hemmen.

Für musikalische Umrahmung an dem Nachmittag sorgten Anna Szambek und Cornelia Hahn, die an Querflöte und Flügel das Konzert von Joachim Quantz interpretieren. Mit einer bunten musikalischen Mischung unterhielt anschließend der Gitarrist Sevan Boyacian, Sohn armenischer Eltern und in Kirchheim aufgewachsen.