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Engagiert, charmant und voll jugendlichem Elan

KIRCHHEIM Im Kreis seiner Familie und gemeinsam mit Freunden und Weggefährten konnte Diplom-Ingenieur Otto Georg Prem bei bester Gesundheit gestern seinen 90. Geburtstag feiern. Auch heute wird er sicher noch manche Gratulation entgegen nehmen dürfen. Schließlich haben ihn viele Kirchheimer

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nicht nur als verantwortungsvollen Unternehmer und Arbeitgeber in guter Erinnerung. Viele werden auch gerne an ihre ersten Skifreizeiten zurückdenken, die Otto Prem als langjähriger rster Vorsitzender des einst als "Schneelaufverein" firmierenden Skivereins Lenninger Tal (SVL) sportbegeisterten Jugendlichen nach dem Krieg möglich gemacht hatte.

Dass er seinerzeit eher gegen seinen Willen in dieses Amt "fast gedrängt" wurde, wie er rückblickend feststellt, war keine schlechte Idee derer, die Otto Prem offensichtlich gut kannten und daher wussten, dass er sich entweder gar nicht oder aber mit vollem Engagement für diese Aufgabe einsetzen würde. Auch wenn er eher auf seine organisatorischen Qualitäten verweist und betont, dass er selbst eigentlich kein großer Sportler sei, war Otto Prem bis zu seinem 80. Lebensjahr noch gerne auf den Skipisten unterwegs.

Erst nach einer sehr schmerzhaften Begegnung ausgerechnet mit einem Spross der neuen "wilden" Wintersport-Generation der Snowboarder zog sich Otto Prem endgültig aus dem alpinen Skilauf zurück und verlagerte seine wintersportlichen Ambitionen lieber in die Langlaufloipe.

Eindrucksvolle 31 Jahre war Otto Prem als Vorsitzender des Vereins tätig, der für ihn über lange Jahrzehnte hinweg ein ebenfalls sehr arbeitsreiches Gegengewicht zu seiner Verantwortung als Unternehmer bildete. Für den einst "ewigen" Junggesellen war sein Verein und vor allem auch die zu fördernde Vereinsjugend wie eine eigene große Familie. Auch dem Reitsport war Otto Prem lange Jahre verbunden, begeisterte sich für das Tennisspielen und Kegeln und schob also auch auf sportlichem Sektor alles andere als eine ruhige Kugel.

Als Sohn des Ehepaars Ludwig und Hermine Prem geborene Grüninger in der Paradiesstraße zur Welt gekommen und in der Steingaustraße groß geworden, war Otto Prems beruflicher Werdegang eigentlich schon klar vorgezeichnet. Der Kaufmann Ludwig Prem war schließlich zugleich auch Inhaber der bekannten und höchst angesehenen Eisengießerei "Grüninger & Prem".

Nach dem Besuch der Grund- und der Oberrealschule legte Otto Prem 1934 in Kirchheim das Abitur ab und absolvierte ein Gießereipraxisjahr in der Maschinenfabrik Esslingen, bevor er als zwingende Voraussetzung dafür, überhaupt studieren zu können sich auch noch zum "freiwilligen" Reichsarbeitsdienst verpflichten musste, der ihn von April bis September 1935 nach Waggernheim am Rhein brachte. Zum Wintersemester 1935 nahm er dann an der Technischen Hochschule Stuttgart sein Studium auf, das er nach dem Vorexamen und seinem Eintritt in die "Akademische Gesellschaft Sonderbund" eine nicht schlagende und keine Farben und Wappen tragende Verbindung zum Wintersemester 1937 an der RWTH Aachen fortsetzte. Dort war es dem ambitionierten Studenten Otto Prem möglich, sein Maschinenbaustudium zugleich auch mit der Sonderfachrichtung Gießereiwesen zu verbinden. Nach seinem Abschluss als "Diplomingenieur Maschinenbau der Sonderfachrichtung Gießereiwesen" war Otto Prem dann in Berlin als Assistent des Gießereiinstituts der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg tätig.

Ende 1940 als Gefreiter zu einem Pionierbataillon eingezogen, wurde Otto Prem bei einem Angriff russischer Fallschirmspringer schwer verletzt und Ende März mit einer "JU 52" zunächst aus dem Kessel von Demjansk nach Riga ausgeflogen. Vom Lazarett in Berlin musste er im Oktober 1942 wieder zu seiner Einheit nach Russland zurückkehren, wurde aber bald in die Heimat versetzt. Ohne Gefangenschaft kam er im August 1944 zunächst nach Berlin und war am 20. April 1945 wieder in Kirchheim, um seinen inzwischen 70-jährigen Vater dabei zu unterstützen, die Gießerei wieder in Schwung zu bringen.

Gemeinsam mit den ebenfalls nach und nach zurückkehrenden Mitarbeitern wurde zunächst mit Aluguss begonnen. Dank eines von Otto Prem organisierten Wagons mit Koks konnte der Neuanfang der von der allmählich wieder auf die Beine kommenden Industrie so dringend vermissten Eisengussproduktion eingeleitet werden.

Über 40 Jahre war Otto Prem in der Eisengießerei tätig. Dass das Unternehmen, dessen Geschäftsführung er im Alter von 75 Jahren abgegeben hatte, aufgrund des Strukturwandels 1994 nach 123 Jahren in Familienbesitz geschlossen werden musste, markiert einen besonders schmerzhaften Einschnitt seines Lebens. Auch wenn die Weichen für eine sozialverträgliche Auflösung des Unternehmens rechtzeitig gestellt wurden, stellt Otto Prem fest, er würde "lieber drei neue Unternehmen gründen" als unter dem Druck fremder Märkte eines zumachen zu müssen.

Wie schon seine Jugendjahre in seiner "Ersatzfamilie" Skiverein verbringt Otto Prem auch seinen Lebensabend vorwiegend mit jüngeren Menschen. Seine Frau Suse geborene Kreyscher gehört da vorrangig genannt. Im Oktober 1964 holte Otto Prem die Kirchheimerin von der New Yorker Weltausstellung in die Teckstadt zurück.

Tochter Karin und Sohn Christoph, die beide in München leben, sorgten dafür, dass Otto Prem sich im Alter von 80 Jahren noch mit der ihm nachgesagten "Eselsgeduld" den neuen Medien verschrieb und seine Gäste aus nah und fern nun zum 90. Geburtstag per E-Mail vom Computer aus zur Geburtstagsfeier einladen konnte. Und Otto Prems lebhaftes Enkelkind Leo ist mit seinen eineinhalb Jahren ganz besonders intensiv darum bemüht, den rüstig gebliebenen "Neunziger" weiterhin beweglich, fit und jugendlich zu erhalten.