Lokales

"Engagierte Kommunalpolitik erfordert großen Einsatz"

KIRCHHEIM Sie gehört zu den politischen Urgesteinen Kirchheims: Marianne Gmelin. Die Sozialdemokratin war die erste Frau im Jesinger Ortschaftsrat und zog 1989 in den Kirchheimer Gemeinderat ein. Dort

Anzeige

IRENE STRIFLER

wurde sie schnell zur kompetenten Ansprechpartnerin vor allem in Finanzfragen und Steuerangelegenheiten. Drei Jahre später rückte sie für Fritz-Uli Bankwitz in den Kreistag nach und hat sich dort längst als Sprecherin im Ausschuss für Technik und Umwelt einen Namen gemacht. Jetzt zieht sich die SPD-Frau aus dem Kirchheimer Ratsgremium zurück. Im Gespräch mit dem Teckboten lässt die 57-Jährige die vergangenen Jahre Revue passieren.

Ihr Abschied aus dem Gemeinderat erfolgt mitten in der Legislaturperiode. Warum ziehen Sie sich zurück?

Das hat viele Gründe, die durchweg im persönlichen Bereich liegen. Ich muss einfach jetzt meine politischen Aufgaben reduzieren. Engagierte Kommunalpolitik bedeutet weitaus mehr als nur in Gremien rumzusitzen. Die Interessen der Bevölkerung müssen mit Nachdruck und Fachkenntnis vertreten werden. Das erfordert großen Einsatz. Die Entscheidung, den Kirchheimer Gemeinderat aufzugeben, ist mir wirklich sehr schwer gefallen.

Und wie sieht's aus mit ihren weiteren politischen Aktivitäten?

Ich werde weiter im Ortschaftsrat Jesingen aktiv bleiben und habe auch vor, erneut für den Kreistag zu kandidieren, dem ich seit 1992 angehöre . . .

...den größten Teil der Zeit als ATU-Sprecherin.

Ja. Eine Zeit lang stellte die SPD im ATU des Kreistags eine reine Frauenriege. Heute bin ich als Sprecherin die einzige Frau in diesem Ausschuss.

Die erste oder einzige Frau waren Sie immer wieder und haben damit Pionierarbeit geleistet in der Kommunalpolitik. Finden Frauen und Frauenthemen heute leichter Gehör als früher?

Klares Ja. Vieles, was früher als frauenspezifisch galt, ist längst eine Selbstverständlichkeit. Es gibt heute keinen Kampf mehr um angebliche Frauenthemen im Kirchheimer Gemeinderat. Das mag vielleicht auch ein Stück weit daran liegen, dass wir eine Frau an der Spitze der Stadt haben. Aber um auf die Pionierzeit zurückzukommen: Ich persönlich habe mich immer ernst genommen gefühlt in politischen Gremien.

1989 zogen Sie mit Ihrer Freundin Angelika Matt-Heidecker gemeinsam erstmals in den Kirchheimer Gemeinderat ein. Was war das für eine Zeit?

Eine Zeit des Umbruchs, was das Kirchheimer Ratsgremium betraf. Mit der 89er-Wahl hat sich viel verändert. Allein für die SPD zogen außer Angelika Matt-Heidecker und mir noch Gerwin Harand und Andreas Kenner neu ins Gremium ein, also vier Neulinge auf einen Schlag. Auch in den anderen Fraktionen hatte es einen Generationswechsel gegeben, da denke ich beispielsweise an Helmut Kapp, Christoph Tangl oder Brigitte Gerstenberger. Anglika Matt-Heidecker und ich haben stets ganz eng zusammengearbeit, es hat kein Blatt Papier zwischen uns gepasst. Wir hatten immer einen kurzen Draht zueinander, wodurch wir auch Themen in der Fraktion leichter durchsetzen konnten, hin und wieder durchaus auch gegen die Männer.

Gibt es ein Ereignis, an das Sie sich besonders gern erinnern?

(schmunzelnd) Naja, unser erster politischer "Erfolg", wenn man so will, war das Benennen der Straßennamen im Kruichling nach bekannten Frauen. Bis dahin war das im Ratsrund undenkbar, wir hatten lediglich die Isolde-Kurz-Straße in Kirchheim. Und dann auch noch Frauennamen ausgerechnet in einem Gewerbegebiet! Aber die Zeiten ändern sich, heute denkt keiner mehr über so etwas nach.

Als Angelika Matt-Heidecker zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde . . .

. . . war das für mich eine große Umstellung, was die Arbeit in der Fraktion betraf. Aber natürlich haben wir immer noch einen heißen Draht.

Hat sich der Politikstil im Ratsrund in der Ära Matt-Heidecker verändert gegenüber der Ära Jakob?

Zweifellos. Die Sitzungen sind offener, es geht heute weniger ums "Durchboxen". Allerdings ist das Ratsgremium heute gegenüber früher von mehr Interessenpolitik gekennzeichnet, das ist schade.

Welchen Rat würden Sie dem Kirchheimer Gemeinderat für die Zukunft mitgeben?

Dass er ganz bewusst zum Wohle der gesamten Stadt und aller ihrer Bürger agieren möge.

Viel Freizeit haben Sie als Sachgebietsleiterin beim Finanzamt Göppingen nicht, auch wenn jetzt ein politisches Amt wegfällt. Wenn Sie doch mal frei haben, was machen Sie dann?

Ich singe seit dem Jahr 1966 im Jesinger Kirchenchor. Außerdem spiele ich Klavier aber das wirklich nur für den Hausgebrauch.