Lokales

Ensemble mit Chancen und Risiken

Eine Art "Zentrum für Soziales" geistert durch so manchen Kopf in Kirchheim. In Ansätzen gibt es das bereits am östlichen Alleenring: Die städtische Häuserzeile vom Bürgerbüro bis zu Linde bietet alt und jung Raum für mannigfache bürgerschaftliche Aktivitäten. Doch der bauliche Zustand der Häuser lässt zu wünschen übrig.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert stammten die Grundrisse, anhand derer Hochbauamtschef Wolfgang Zimmer die Mitglieder des Technischen Ausschusses des Kirchheimer Gemeinderates kürzlich durchs Jugendhaus führte. So alt ist nämlich das ehemalige Gasthaus Linde, das in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts zum Jugendhaus umgebaut wurde. Doch auch die sanierte Linde ist längst in die Jahre gekommen.

Inhaltlich soll das Jugendhaus durch eine modernisierte Konzeption fit für die Zukunft gemacht werden. Doch auch am Gebäude selbst besteht dringend Handlungsbedarf, wie Hausleiter Matthias Altwasser beim Rundgang zeigte. Heruntergewirtschaftet ist beispielsweise längst die beliebte Gemeinschaftsküche, in schlechtem Zustand befinden sich die sanitären Anlagen, und das Herzstück des Hauses, der schmucke Konzertsaal mit hölzerner Galerie, bereitet den Verantwortlichen bei voller Nutzung Kopfschmerzen. 15 000 Euro sind im Haushalt als Planungsrate zur Aufstellung eines Sanierungsplanes eingestellt.

Weniger einladend als das gut bevölkerte Jugendhaus präsentierte sich bei der Besichtigung das Nachbargebäude, lange Zeit als Frauenhaus genutzt. Das Haus ohne Zent-ralheizung musste im rückwärtigen Bereich bereits abgestützt werden und besticht allenfalls durch seine Fassade und den eingewachsenen Garten. Heute steht es weitgehend leer, abgesehen von der Nutzung durch probende Bands. Den Bedarf auf diesem Gebiet in Kirchheim kann das Jugendhaus nämlich bei weitem nicht abdecken. 20 000 Euro sind für die Sanierung eingestellt.

Da keine Anbindung an die rückwärtige Teckstraße besteht, wäre ein Verkauf allenfalls in Kombination mit dem danebenliegenden Gebäude sinnvoll. Diesem jedoch hat das Team des Bürgerbüros erst kürzlich mit viel Liebe neues Leben eingehaucht. Nach engagierter Sanierung durch die Bürgerbüro-Mitarbeiter ist das Haus nicht nur einladend gestaltet, sondern auch von regem Leben erfüllt. Marlies Hinderer informierte die Ratsmitglieder über zahlreiche Aktivitäten, die dort regelmäßig stattfinden, und zeigte sich besonders erfreut, dass ein offener Treff für alle Bürger geschaffen werden konnte. Dort gibt's Kaffee und Kuchen und vor allem jede Menge Gelegenheit zum Plausch. "Aus baulicher Sicht ist hier nicht viel zu tun", lautete der Kommentar von Wolfgang Zimmer.

Politischer Handlungsbedarf besteht ohne Zweifel an dieser Ecke des Alleenrings. Ehe Geld in einzelne Sanierungsvorhaben gesteckt wird, setzen die Stadträte auf die Formulierung weitreichender Zukunftsperspektiven. In der Diskussion wurde deutlich, dass das Dreierensemble Chancen, aber auch viele finanzielle Risiken birgt. Der Ausschuss beauftragte jetzt die Verwaltung, konzeptionelle Überlegungen für das gesamte Gebäudeensemble zu entwickeln, aber auch Alternativen hinsichtlich der Verlagerung der dort gebündelten Aktivitäten abzuklopfen.