Lokales

Entscheidung im Zielsprint

SANKT GALLEN "Ich bin überglücklich", strahlte die 26-jährige Speedskaterin im Ziel. "Meine Taktik ist aufgegangen. Ich wollte während des Rennens möglichst Kräfte sparen und so wenig wie möglich Führungsarbeit leisten, um im letzten Anstieg noch genügend Reserven zu haben", berichtete Annette Frik nach dem Rennen. Am Sonntag, 8. August 2004, morgens um 7 Uhr startete zum siebten Mal das Inline one-eleven in Sankt Gallen-Thurgau. Rund 1500 Skaterinnen und Skater machten sich beim "Inline one-eleven", dem härtesten Inline-Rennen Europas, in Sankt Gallen auf die 111 Kilometer lange Strecke über 1 700 Höhenmeter durch die Schweizer Kantone Sankt Gallen und Thurgau.

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Vorbei an Obstkulturen, Kuhherden und rund 25 000 Zuschauern ging es hinunter zum Bodensee und zum Wendepunkt bei Ottoberg. Das Weltcuprennen ist Teil des Swiss Inline Cups und für viele Spitzenathleten eine ideale Vorbereitungsplattform für die Weltmeisterschaften im kommenden Monat in Italien.



Annette Frik hatte sich ganz gezielt auf das Rennen vorbereitet. Als Vorbereitung fuhr sie bereits die Weltcuprennen in Sempach und Saarbrücken, um im direkten Vergleich mit der Weltspitze ihre Form zu überprüfen. In beiden Rennen konnte Sie sich in der Spitzengruppe behaupten und war nur den starken Sprinterinnen unterlegen. In Sankt Gallen wurde gleich nach dem Start ein sehr hohes Tempo angeschlagen. Das Fila-Mentos-Team mit den Favoritinnen Celine Weiss, Nadine Benz und Anja Decoster kontrollierte das Feld. Annette Frik war ohne Team angereist und hoffte auf die Unterstützung der restlichen deutschen Fahrerinnen im Elitefeld.



Nach dem ersten Anstieg bei Kilometer 30 bildeten nur noch 20 Frauen die Spitzengruppe. Alles lief nach Plan. Gemeinsam mit ihrem Trainer hatte sich Annette Frik die Taktik zurecht gelegt, möglichst kraftsparend bis zum letzten steilen Anstieg bei Muolen zu kommen und sich dort abzusetzen. Offensichtlich hatte das Fila-Mentos-Team die Kirchheimerin unterschätzt, denn das Hauptaugenmerk galt der in diesem Jahr noch ungeschlagenen Michaela Heinz-Gerten. Am gefürchteten Steilanstieg hinauf nach Muolen verschärfte Annette Frik das Tempo bevor der erwartete Angriff des Fila-Mentos-Teams kam. Die Kirchheimerin fuhr die Lücke zu den drei Weltklassefrauen jedoch souverän zu. Mit etwas Abstand konnte nur noch Michaela Heinz-Gerten folgen.



Bei der Bergankunft hatte das Quintett dann bereits mehr als 30 Sekunden Vorsprung auf die Verfolger. Das Ziel, unter die ersten zehn der Gesamtwertung zu kommen, war auf den letzten 20 Kilometern hinauf nach Sankt Gallen greifbar nah. Das Rennen wurde zum Vierkampf: Michaela Heinz-Gerten ließ bei ihrer ersten Teilnahme in Sankt Gallen schon zu früh viel Energie auf der Strecke und konnte nicht mehr folgen. Offensichtlich hatte das Schweizer Fila-Mentos-Team Annette Frik nicht auf der Rechnung.



Gegen die taktischen Spielchen mit abwechselnden "Blockmanövern" und Angriffen hatte die Kirchheimerin einen schweren Stand. Mehrmals konnte sie die Lücke schließen bis zu einem weiteren Angriff von Nadine Benz. Annette Frik versuchte, nachzusetzen, was dazu führte, dass die Belgierin Anja Decoster nicht mehr folgen konnte. Auf den letzten beiden Kilometern vor dem Ziel entschied Annette Frik den Zweikampf mit Celine Weiss für sich und sicherte sich damit zum ersten Mal bei einem Weltcuprennen einen Platz auf dem Siegertreppchen.



Teckspeed-Fahrerin Michaela Schorpp belegte bei ihrem ersten Weltcuprennen den 35. Platz in der Gesamtwertung. Einziger männlicher Starter bei den Kirchheimer Skatern war Hubert Grasser, der gleich zu Beginn stürzte und sich Schürfwunden im Gesicht zuzog. Er kämpfte sich wacker ins Ziel und war am Ende mit einer Zeit von 4.56,49 sogar noch schneller als im vorigen Jahr.