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Enttäuscht und unzufrieden

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Zum Artikel "Auch Stuttgarter Regierungschef rügt Ostdeutsche" im Teckboten vom 13. August:Ganz offenkundig hat der bayerische Ministerpräsident während einer "Bierzeltlaune" die Kontrolle über sich selbst verloren und seinen eigenen Frust offenbart. Ähnliche Gedanken aber scheinen Ministerpräsident Oettinger zu beschäftigen. Sicher ist, dass sowohl sehr viele Bürger Ostdeutschlands wie auch des Westens über die Leistungen von Politik und Wirtschaft zutiefst enttäuscht und unzufrieden sind. Viele Probleme und Herausforderungen, vor denen Deutschland heute steht, haben sich spätestens Anfang der 70er-Jahre abgezeichnet. Im jetzigen Ausmaß nicht alleinige Schuld von Rot-Grün scheinen diese schier unlösbar. Auch CDU/CSU in Koalition mit der FDP hätten also ausreichend Zeit gehabt, diese zu lösen.

Altbundeskanzler Kohl mag seine Verdienste im unmittelbaren Fall der Mauer haben, nicht aber in der eigentlichen Wiedervereinigung, sprich Annäherung und das Zusammenfinden von Ost und West. Einer Käseglocke gleich wurden den neuen Ländern die westlichen Lebens- und Wirtschaftsbedingungen (Vollkasko für einen Trabbi) übergestülpt. Nachahmenswerte Errungenschaften Ostdeutschlands, die es sicher auch gab, wurden einfach ignoriert. Mit der Treuhand und deren Gebaren, beispielsweise Betriebe symbolisch für nur eine Mark zu verhökern wurden erste Grundlagen für Frust, Wut und Enttäuschung gesetzt.

Vergessen wir nicht, dass die (westlichen) Siegermächte Westdeutschland zum so genannten "Wirtschaftswunder" verholfen haben, während Ostdeutschland noch 45 Nachkriegsjahre abzubüßen hatte. Scheinbar noch von Schlaraffenland ähnlichen Zuständen im Westen beeindruckt, fanden sie sich plötzlich einem die Existenz bedrohenden Wettbewerb gegenüber. Politik und Wirtschaft haben es in 35 Jahren nicht geschafft, die positiven Wirtschaftsansätze zu halten oder gar wieder herzustellen. Sie sind gemeinsam gefordert, das Arbeitslosenproblem in Ost und West zu lösen, statt parteipolitisch zu taktieren und zu agieren. Dann hätten auch Linksparteien in Ost und West keine Chance mehr. Herbert Woyna Bissingen, Breitensteinstraße

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