Lokales

Entzugs-Therapie empfohlen

Der 50-jährige Elektriker aus Wernau, der sich wegen versuchten Totschlags an seiner Ex-Ehefrau, Sachbeschädigung und Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten muss, handelte teilweise im Zustand nur bedingter Einsichts- und Schuldfähigkeit. Dies stellte gestern am dritten Verhandlungstag der psychiatrische Gutachter in dem Prozess fest.

BERND WINCKLER

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WERNAU/STUTTGART In dem Verfahren haben die Richter gestern die letzten Zeugen vernommen. Es geht darum, in welchem psychischen Zustand sich der Angeklagte im April, Mai und Juni letzten Jahres befand, als er gegen seine getrennt von ihm lebende Ehefrau brachial vorging, ihr einmal vor dem Wendlinger Bahnhof auflauerte und sich dann blitzschnell auf den Beifahrersitz ihres Autos setzte und am Hals würgte. Dies jedenfalls wertet die Anklage als Tötungsversuch. Und als er am 15. April in der Köngener Wohnung der Frau auf sie losging, sie erneut bis zur Atemnot würgte und danach an eine Wand gedrückt habe. Sowie seine Art Amokfahrt mit dem Fahrzeug seiner Schwiegermutter am 25. Mai, wobei er dort zwei Garagen regelrecht zertrümmerte.

Die Fragen zum psychischen Zustand beantwortete der Gutachter, der den Angeklagten sechs Stunden lang untersucht hatte, deutlich: Infolge des immensen Alkoholmissbrauchs seit vielen Jahren und auch teilweise zur jeweiligen Tatzeit, habe der Mann zumindest im Fall des versuchten Totschlags keine volle Einsichtsfähigkeit besessen. Dies gelte allerdings nur, falls er die Tat an der Frau nicht geplant habe, sondern sie am Wendlinger Bahnhof zufällig traf und auch ganz zufällig sich zu ihr ins Auto setzte, um mit ihr zu reden. So jedenfalls schilderte es der Angeklagte selbst. Sollte er aber genau vorgehabt haben, die Frau zu verletzen, dann, so der Gutachter, falle der Strafmilderungsgrund der eingeschränkten Einsichtsfähigkeit weg. Was das Alkoholproblem des Mannes beträfe, so der Sachverständige, sollten ihn die Richter neben einer Strafe unbedingt in eine Entzugs-Therapie einweisen, da sonst die Gefahr bestehe, dass er nach Haftentlassung ähnliche Straftaten verübe. Der Angeklagte selbst hat einen Großteil der Vorwürfe bestritten.

Die Richter der Stuttgarter Schwurgerichtskammer wollen am morgigen Donnerstag ihr Urteil verkünden.