Lokales

"Erdexil" und andere Lyrik

BOLL Eine Auswahl an Gedichten der vergangenen sieben Jahre hat Susann Pineau aus Boll nun in einem

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IRIS HÄFNER

schön gestalteten Band veröffentlicht. Passend zu ihren Gedanken entwarf Felix Dieckmann Holzschnitte.

Die gebürtige Nürnbergerin lebte einige Jahre im Perigord in Frankreich, ehe sie mit ihrer Familie vor einiger Zeit an den Fuß der Schwäbischen Alb zog. Die Landschaft ihrer neuen Heimat, insbesondere die Wacholderheiden, haben sie beeindruckt und zu folgenden Gedanken angeregt: genügsam weiden / steinerne herden / am immer gleichen ort / nur der mond scheint's / führt des nachts sie zur tränke / (daher die farbe, die weiße, milchige / hier erbarmte sich Gott der stille / und schenkte ihr raum / und daß keiner sie störe / ließ den wacholder er / zur wacht zurück / ergrauten greisen gleich / stehn sie und lauschen / dem wachsen / ihrer flechtenen bärte / an ihnen / mißt man hier / die zeit

"Die Gedichte sind ein stückweit aus einer Lebenkrise heraus entstanden", erinnert sich Susann Pineau. Über das Schreiben konnte sie das, was sie bewegte, in Worte fassen. Durch die Gedichte hat sie wieder ihre Fassung gewonnen geradeso, wie sie den Worten ein Korsett gab. Es sind knappe Gedichte, die Susann Pineau schreibt und die das Wesentliche widerspiegeln wollen. "Manchmal ist es ein stundenlanges Ringen um ein einziges, passendes Wort", erzählt die große, zurückhaltende Frau. Am Anfang stehen bei ihr oft ein paar Zeilen, entweder Bruchstücke, Anfang oder Ende. "Der Rest ist konzentrierte Arbeit", gibt die Lyrikerin Einblick in ihre Schaffenswelt. Viel Nachtarbeit steckt in ihren Werken, denn der Tag ist für die Mutter eines Sohnes oft zu hektisch, der Alltag lenkt sie von ihren lyrischen Gedanken ab.

Sprache faszinierte die 38-Jährige schon immer. Bereits als Kind saß sie am Radio. Wenn sie am Knopf drehte, ging es allerdings nicht um die Suche nach dem neuesten Hit, sondern um das Lauschen von unterschiedlichen Sprachen. "Fremde Laute haben mich immer schon fasziniert", sagt die Essayistin.

Susann Pineau schreibt nicht nur, sie malt auch. Beides sind recht einsame Tätigkeiten, weshalb sie seit längerer Zeit den Wunsch hatte, zumindest mit einem Teil ihres Werkes an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit will sie eine Brücke schlagen von sich zu den Lesern und hofft auf ein Echo, wie etwa zu "Vom Lächeln der Kinder": ach ließe / vom lächeln der kinder / sich ernten und lagern / wie guter wein / in den tiefen kellern / unserer herzen / ich stiege an dunklen tagen / hinab / den becher zu füllen / ehrfürchtig nippend / reichten wir ihn weiter / und fänden den weg / zurück zu uns

Liebevoll gestaltet ist das Bändchen mit Holzschnitten von Felix Dieckmann, geboren 1946 in Lüdenscheid. Neben seiner Lehrtätigkeit am Bruckner-Konservatorium in Linz und als Opernregisseur beschäftigt er sich seit 1982 vornehmlich mit dem Farbholzschnitt und ist mit Ausstellungen in Österreich und Deutschland vertreten.

Erschienen ist der Gedichtband "Erdexil" bei der Edition Toni Pongratz in Hauzenberg. Der Inhaber ist Kleinverleger aus Leidenschaft und hat sich der Herausgabe von Lyrik verschrieben. Seit fast einem Vierteljahrhundert erscheint dort eine Reihe Literarisch-Grafischer Blätter. "Susann Pineau legt hier ihren ersten Gedichtband vor, in dem sie ganz einfache Impressionen in eine knappe, poetische Sprache bringt. Eine zarte, leise Lyrik, die der Musiker Felix Dieckmann virtuos mit acht dafür geschaffenen Farbholzschnitten begleitet", schwärmt der Verleger.

INFODer Gedichtband "Erdexil" von Susann Pineau mit farbigen Abbildungen nach Holzschnitten von Felix Dieckmann ist bei der Edition Toni Pongratz erschienen. Das 42-seitige Büchlein, ISBN 3-931883-41-8, gibt es bei der Kichheimer Buchhandlung Schöllkopf. Susann Pineau, Telefon 0 71 64/1 24 38, bietet auch Lesungen an.