Lokales

Erdrückende Indizien

Prozess wegen Einbruchsdiebstählen

Der Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen drei 18- bis 32-jährige Männer aus Kirchheim, Esslingen und Mettingen wegen zahlreicher Einbruchsdiebstähle wird die Richter noch viele Wochen beschäftigen. Das Trio soll hauptsächlich Wohnungseinbrüche in Kirchheim begangen haben.

Bernd Winckler

Stuttgart. Geständig ist nur einer der drei Männer. Die beiden anderen sollen jetzt durch Zeugen und das Abspielen von Überwachungsfilmen überführt werden.

Opfer hatten Pin-Nummern auf EC-Karten geschrieben

Seit einer Woche müssen sich die drei Männer vor der dritten Großen Strafkammer wegen 32 teils schwerer Einbruchsdiebstähle verantworten. Während einer von ihnen Schmiere stand, wollten die zwei anderen über Terrassentüren oder gekippte Fenster eingedrungen sein und hauptsächlich Geldbörsen mit EC-Karten erbeutet haben, mit denen man dann an Geldautomaten die Konten der Opfer räumte. Dass dies möglich war, basiert auf einer Angewohnheit vieler Bankkunden, ihre Pin-Nummern auf die Rückseite der EC-Karten oder per Zettel in der Geldbörse zu notieren.

Nur in wenigen Fällen hatten die Diebe beim Geldabheben kein Glück, da sie die Pin-Nummern nicht wussten. Einer der drei Angeklagten ist beim jeweiligen Geldabheben, meist an Automaten in Kirchheim, von den Überwachungskameras gefilmt worden. Obwohl er jetzt zu den Vorwürfen schweigt, will das Gericht diese Aufzeichnungen nun genau sichten. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten dies bereits getan und den 32-jährigen gebürtigen Pole dabei als Täter identifizieren können.

Zudem hat der 18-jährige Mitangeklagte, der aus Esslingen stammt, bereits seine Tatbeteiligung vor Gericht zugegeben. Was jedoch die Aufklärung erschwert, ist die Tatsache, dass der Geständige nur seine Taten beschreibt und zur Rolle seiner Mittäter eisern schweigt.

So wird die dritte Große Strafkammer in den nächsten Prozesstagen nicht nur Polizeibeamte und unter Umständen auch den ermittelnden Staatsanwalt in den Zeugenstand rufen müssen. Auch die Aufzeichnungen der Überwachungskameras in den verschiedenen Bankfilialen in Kirchheim, Esslingen und Reichenbach müssen im Gerichtssaal abgespielt werden, falls die beiden schweigsamen Angeklagten es aufgrund der erdrückenden Indizien nicht doch noch vorziehen, ein Geständnis abzulegen. Dann würde ihnen auch – wie es die Richter bereits angekündigt hatten – ein Strafrabatt zugebilligt.

Vorerst jedoch haben die Richter Verhandlungstage bis weit in den August dieses Jahres angesetzt.

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