Lokales

"Erfahrung ist der Name, den jeder seinen Fehlern gibt . . ."

KIRCHHEIM Nach einer desillusionierenden Sondersitzung im August und einem in der Septemberrunde mit der Verabschiedung eines Maßnahmenkatalogs mutig in Angriff genommenen Blick nach vorn,

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WOLF-DIETER TRUPPAT

stand jetzt einmal mehr "brutalstmögliche Aufklärung" und Vergangenheitsbewältigung auf der Tagesordnung. "Tiefgarage Schweinemarkt" lautete das Thema, das dann eher vertiefend und zurückblickend als erhellend und nach vorne schauend beraten wurde. Viel Neues war zunächst nicht zu erfahren, doch wurde in der Tischvorlage noch einmal die Chronologie des Geschehens abgearbeitet und die komplexen einander beeinflussenden Ereignisse schmerzhaft in Erinnerung gerufen.

Von der Insolvenz und dem daraus resultierenden Wechsel des Investors über die Übernahme eines Durchführungsvertrages, der so eigentlich gar nicht mehr funktionieren konnte zu Planungen, die zunächst auf der Basis der "Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs" (EAR) erarbeitet wurden, dann aber für die Genehmigung die Garagenverordnung (GaVO) erfüllen und entsprechend umgearbeitet werden mussten, bis hin zu den brisantesten Punkten erhoffte Öffnung vor Weihnachten, provisorische Öffnung an den Adventssamstagen oder aber dem Höhepunkt der Szenarien: fliegende Wagenwäsche vor der Einfahrt Punkte, die inzwischen alle so nicht mehr greifen.

Auf rund 32 265 Euro belief sich die Gesamtsumme für das gemeinsam mit der Lenkungsgruppe vereinbarte Maßnahmenpaket für das Karree Schweinemarkt, 10 000 Euro lautete der Betrag, den der Investor dazu beisteuern wollte. Dass sich dieser Betrag durch Nachverhandlungen noch erhöhen könnte, lautete die Hoffnung vieler. Stadtrat Ralf Gerber wollte für die Freien Wähler damals schon genau wissen, wie sehr sich die Verhandlungsposition der Stadt durch eine von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker und dem Investor im Januar 2005 unterschriebene Ergänzung der ursprünglichen Durchführungsvereinbarung vom 22. Janujar 2004 verändert habe, die damals vom Ratsgremium abgesegnet worden war und noch die Unterschrift von Oberbürgermeister Jakob trug.

Dass nichts verschleiert, sondern konstruktiv verhandelt wurde, betonte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker, die erneut appellierte, nicht Schuldige, sondern Lösungen zu suchen. Dass sich die Position der Stadt verschlechtert habe, ohne dass das Ratsgremium Kenntnis bekam, kritisierte auch Walter Aeugle. Im Stil eines "elder Statesman" merkte er dann aber an, dass sich alle Beteiligten hier nicht "mit Ruhm bekleckert" hätten. Seine Forderung, auf eine "verzwungene Öffnung vor Weihnachten" zu verzichten, ordentlich zu arbeiten und den Investor nach Möglichkeit finanziell stärker in die Pflicht zu nehmen, schien konsensfähig. Auch Ralf Gerber musste schließlich seine Hoffnung begraben, dass durch einklagbare monatliche Strafzahlungen von 10 000 Euro Druck hätte ausgeübt werden können. Dafür, das war schon im August deutlich geworden, lasse die durch Konventionalstrafen sanktionierte "Benutzbarkeit" der Garage zu viele "Spielräume". Stadtrat Zweifel hatte damals Oscar Wilde zitiert, der einst sagte "Erfahrung ist der Name, den jeder seinen Fehlen gibt." Dass alle viel Erfahrungen gesammelt haben und hoffentlich nicht noch neue hinzukommen, lautete dann auch Walter Aeugles versöhnliches Resümee.