Lokales

Erfahrungen des Landkreises genutzt

Um die Erfahrungen in Europa zum Thema "Altlastenbearbeitung" zu hören, kam eine Gruppe von Vertretern japanischer Banken, Planungs- und Ingenieurbüros auf ihrer einwöchigen Informationsreise durch Deutschland und Holland auch ins Esslinger Landratsamt.

ESSLINGEN Organisiert wurde die Reise von dem weltweit tätigen Umweltplanungsbüro ERM mit Niederlassung in Filderstadt-Plattenhardt. Die Japanische Entwicklungsbank (DBJ) erarbeitet derzeit Strategien für den Umgang mit Altlastenflächen in Japan. Im Landratsamt erhielten die japanischen Fachleute aus erster Hand Informationen zum Umgang mit Altlasten und altlastverdächtigen Flächen.

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"Aus dem für zwei Stunden angesetzten Erfahrungsaustausch wurden fast vier Stunden, wobei mit Unterstützung einer Dolmetscherin auch angeregt diskutiert werden konnte", berichtete Dr. Bernhard Fischer, Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Esslinger Landratsamt. "Uns interessiert ganz besonders, wie die örtlich zuständigen Behörden in der Praxis mit Altlasten umgehen", so der Leiter der Frankfurter Niederlassung der japanischen Bank, Takegahara. Sabine Hennings, Leiterin des Umweltschutzamtes, und Dr. Fischer konnten hier aus reichen Erfahrungen schöpfen: Im Kreis Esslingen wurde bereits 1993 bis 1997 eine erste flächendeckende Altlastenerfassung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser ersten Erkundungsstufe werden inzwischen laufend fortgeschrieben. Altlastenuntersuchungen nach einer Dringlichkeitseinstufung werden veranlasst. Wenn Bauvorhaben auf verdächtigen Flächen geplant sind, muss möglichst im Voraus und auch baubegleitend der Standort auf Schadstoffe hin untersucht werden.

Im Zusammenhang mit der Erarbeitung von Bebauungsplänen durch die Städte und Gemeinden werden entsprechende Gutachten erstellt. Die Wiedernutzung ehemals gewerblich genutzter und kontaminierter Flächen für neue Bauvorhaben ist wichtig zur Senkung des Flächenverbrauchs, zur Weiternutzung vorhandener Verkehrs- und Erschließungsanlagen und zur Vermeidung von Gewerbebrachen. Dabei steht der Schutz der Gesundheit und der Umwelt im Mittelpunkt.

"Viele Probleme sind in Japan ähnlich gelagert wie bei uns", berichtete Dr. Fischer aus der Begegnung mit den japanischen Fachleuten. In Innenstadtlagen können Altlastensanierungen über die hohen Grundstückswerte finanziert werden. In weniger attraktiven Lagen können in Japan wie auch hier die Sanierungskosten den Grundstückswert überschreiten.

Besonderes Interesse fanden die hiesigen Erfahrungen mit dem Verkauf von belasteten Grundstücken. Neu war für die japanischen Gäste der Aspekt, dass das deutsche Bundesbodenschutzgesetz nicht nur den Umgang mit den Folgen der Vergangenheit regelt, sondern auch durch Vorsorgepflichten Schäden gar nicht erst entstehen lassen will.

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