Lokales

Erfindergeist und Kreativität bringen Vorteile

Der Förderverein der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule hatte seine Hauptversammlung wieder mit der Besichtigung einer Mitgliedsfirma verbunden. In diesem Jahr besuchten die Vereinsmitglieder die Weilheimer Firma Kächele.

KIRCHHEIM Der Vereinsvorsitzende Siegfried Russ berichtete, dass der Förderverein im vergangenen Abrechnungsjahr erneut zahlreiche außerschulische und außerunterrichtliche Aktivitäten der Schüler finanziell unterstützt hat. Mit dem Umfang der Maßnahmen zeigte er sich sehr zufrieden.

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Der geschäftsführende zweite Vorsitzende und Schulleiter der Schule, Norbert Häuser, konnte in seinem Jahresbericht ebenfalls Erfreuliches berichten. Die Einnahmen bewegten sich weiterhin auf dem Niveau der vergangenen Jahre, obwohl die Zuschüsse der Landesstiftung Baden-Württemberg für die vom Verein angebotenen PC-Kurse gestrichen worden seien. Einschränkend musste Häuser zusätzlich konstatieren, dass die Teilnehmerzahlen bei den Windows-, Word-, Excel-, Internet-Kursen allmählich rückläufig seien. Hier sei auch im Hinblick auf die vielen Konkurrenz-Anbieter im Kirchheimer Raum eine gewisse Sättigung eingetreten, die der Verein mit verstärkten Aktivitäten in dem Bereich der Prüfungsvorbereitungskurse auffangen möchte. Erfreulich sei für ihn gewesen, dass der Förderverein nach wie vor ein verlässlicher Partner bei der Unterstützung der Schülerzeitung Carpe Diem, der Schulband, den Schulpartnerschaften mit den Gymnasien in Sandviken/Schweden und Malaga/Spanien sowie den Comenius-Projekten mit Schulen aus Nordirland, Finnland, Holland, Litauen, Lettland und Polen gewesen sei.

Kassenprüfer Johann Müller, stellvertretender Schulleiter, bescheinigte der Kassierin Brigitte Holl einwandfreie Kassenführung, sein Antrag auf Entlastung des Vorstands wurde einstimmig angenommen.

Anschließend führte Geschäftsführer Bruno Kächele die Vereinsmit-glieder durch seine Firma. Das 75 Jahre alte Unternehmen, das Zweigwerke in Houston, Bilbao sowie in Warmensteinach unterhält, beschäftigt 270 Mitarbeiter in Weilheim sowie 18 bis 20 Auszubildende. Worauf sich denn die sehr gute Stellung der Kächele-Produkte am Weltmarkt gründet das wollten insbesondere die anwesenden Wirtschaftslehre-Pädagogen wissen. "Auf die Gummi-Mischung kommt es an", lautete die Antwort des Unternehmers. Mit Erfindergeist und Kreativität würden im Weilheimer Werk Mischungsrezepte für die Elastomere aus natürlichem und synthetischem Kautschuk erstellt, mit denen Kächele auf alle Kundenwünsche eingehen kann und die ihm einen hohen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verleihen.

Besonders stolz ist er auf die hohe Fertigungstiefe seines Betriebes, was ihn zum interessanten Partner für alle Branchen im produzierenden Gewerbe macht. Das Portfolio von Kächele besteht mittlerweile aus über 3 500 einzelnen Produkten. In der Technologie, Gummi mit anderen Materialien zu verbinden, ist Kächele ein absoluter Spezialist auf dem Weltmarkt. Dies verschafft ihm Wettbewerbsvorteile insbesondere in der Erdöl- und Bohrtechnik.

In eigenen Konstruktionsbüros und Labors wird das "Know-how" ständig weiterentwickelt. Angst vor Nachahmerprodukten aus dem asiatischen Bereich insbesondere China hat der Firmeninhaber nicht. Deshalb auch sein absolutes Bekenntnis zum Standort Weilheim. "Hier habe ich gute und engagierte Mitarbeiter, die den hohen Standard unserer Produkte halten können", so Bruno Kächele auf eine entsprechende Frage eines Teilnehmers.

Zu den Highlights der Betriebsbesichtigung gehörte die Vorführung einer Exzenterschneckenpumpe. Mit Hilfe von Stator und Rotor können auch dickflüssige Materialien mit Feststoffanteil durch exzentrische Drehbewegungen von Förderkammer zu Förderkammer transportiert werden, ohne dass es zu Beschädigungen der Feststoffanteile kommt. Als klassisches Beispiel nannte Kächele das Abpumpen von Fischen aus Wasserbottichen. Aufgrund der Schneckenpump-Technik wird dabei keinem durchgepumpten Fisch auch nur eine Schuppe oder eine Flosse beschädigt.

Auf die Nachfrage einer Lehrkraft nach Hemmnissen im Ausbau seines Unternehmens befragt, nannte Bruno Kächele spontan und ohne Umschweife den hohen Bürokratie-Aufwand, der in Deutschland getrieben werde. Die Genehmigung für den Betrieb seines Zweigwerkes in Houston habe er innerhalb von drei Tagen erhalten. Wenn er in Deutschland einen Erweiterungsbau für seine Firma errichten möchte, dann werde für die Baufreigabe in Jahren gerechnet. Langwierige Genehmigungsverfahren, wie sie in Deutschland üblich sind, hält er für absolute Hindernisse, die Wettbewerbsnachteile bringen für Firmen, die sich auf dem Weltmarkt etablieren möchten. Der Verwaltungsvollzug in Deutschland erfolge viel zu langsam, er entspreche nicht der dynamischen und rasanten Entwicklung in einer globalisierten Welt, kritisierte der Unternehmer.

pm