Lokales

Erfolg versprechender Gelenkersatz

Krankenhausausschuss gibt grünes Licht für 24 zusätzliche Betten in der Klinik Kirchheim

Für den Klinikstandort Kirchheim bedeutet die Entscheidung eine Stärkung: Der Krankenhausausschuss hat in seiner gestrigen Sitzung grünes Licht für 24 zusätzliche Betten im Rahmen der Schwerpunktbildung für planbare Gelenk­ersatzoperationen im neuen Bettenbau beschlossen.

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richard umstadt

Esslingen/Kirchheim. Der Geschäftsführer der Kreiskliniken, Franz Winkler, verwies auf die Konzeption, nach der auf die Basisversorgung aufbauend Schwerpunkte an den vier Krankenhäusern des Landkreises Esslingen gebildet werden. Sowohl in Nürtingen als auch in Kirchheim gehört die Endoprothetik zur Grundversorgung. Nachdem 2003 nur eine Kurzzeitchirurgie für den Standort Kirchheim vorgesehen war, ist die jetzige Schwerpunktbildung im Bereich der Gelenkersatzoperationen eine Aufwertung der Klinik Kirchheim, ohne die Nürtinger Klinik zu schwächen. Waren vormals am Standort Kirchheim 89 Betten für den operativen Bereich ausgewiesen, so sah das Gutachten 2003 nur noch 32 vor. Franz Winkler nannte einen Bedarf von 58 Betten. Durch die Aufstockung um 24 Betten wird diesem Bedarf kostengünstig Rechnung getragen.

Das Sozialministerium, das bisher die Gesamtbettenzahl pro Fachbereich vorgab, überlässt dies inzwischen den Krankenhausträgern und gibt nur noch die Gesamtbettenzahl an. Das heißt, der Landkreis als Träger der Kreiskliniken kann damit autonom entscheiden, mit wie viel Betten er welche Fachabteilungen belegt. Freilich tut er dies nur, wenn es sich rechnet. Und dies sei bei einer 70-prozentigen Auslastung der 24 Betten der Fall, wobei Winkler von einer deutlich höheren Auslastung ausging. „Bei den Gelenkersatzpatienten sind weit höhere Fallzahlen zu erwarten.“ Auch sah der Geschäftsführer die qualitative Sicherheit gegeben. Die Endoprothetik in Kirchheim und Nürtingen bilde zusammen eine Großabteilung mit der notwendigen Spezialisierung.

Freie Wähler-Chef Alfred Bachofer begrüßte „alles was geeignet ist, die einzelnen Standorte zu stärken.“ Seine Zweifel hatte er jedoch an der Wirtschaftlichkeit der Abteilung in Kirchheim: „Wir dürfen keine Strukturen schaffen, die langfristig entweder nicht wirtschaftlich sind oder dem harten Wettbewerb nicht standhalten.“ Außerdem hatte er die Folgekosten im Blick und wollte zunächst derart weitreichende Entscheidungen nicht unter Zeitdruck treffen, denn der Baubeschluss des Ausschusses wurde gestern fällig.

„Die qualitative Versorgung ist gegeben“, versicherte Franz Winkler dem Gremium und verwies auf zent­rale Ärzteteams, die unter einem Chefarzt sowohl in Nürtingen als auch in Kirchheim arbeiten. Was die Wirtschaftlichkeit anbelangt, die der Fraktionschef der Liberalen, Wolfgang Haug infrage stellte, so warf Winkler einen Blick auf die Statistik. Demnach ergab sich von 2007 auf 2008 ein Steigerung der Fallzahlen in der Klinik Kirchheim von 20 264 auf 20 858. Aufgrund der demografischen Entwicklung sei besonders in den Bereichen mit ansteigenden Fallzahlen zu rechnen, die als Schwerpunkte in Kirchheim vorgesehen sind wie Schlaganfall, Kardiologie, Neurologie, Unfallchirurgie. „Ich sehe das Problem nicht so sehr in mangelnden Patientenzahlen, sondern vielmehr in Kapazitätsengpässen“, sagte Franz Winkler. „Wir haben Aufnahmeprobleme an fast allen Standorten.“ Außerdem würden sich aus den 24 zusätzlichen Betten keine großen Folgekosten für die Klinik ergeben, da eine Mindestbesetzung ohnehin vorgesehen ist. Er geht daher insgesamt von einer wirtschaftlichen Verbesserung aus.

Für den Kirchheimer Kreisrat Walter Aeugle, SPD, war die Sache klar: „Das ist eine Chance, die genutzt werden muss. Sie stützt den Standort Kirchheim und schadet der Klinik Nürtingen nicht, und dass die chirurgischen Kapazitäten, die in Kirchheim vorhanden sind, genutzt werden, ist absolut sinnvoll.“ Auch Martin Fritz, CDU, meinte: „Wenn wir die Maßnahme umsetzen wollen, dann jetzt, sonst verteuert sich das Ganze.“ Die Gesamtkosten der Baumaßnahme für die 24 zusätzlichen Betten im Zuge des zurzeit laufenden Baus des neuen Bettenhauses in Kirchheim bezifferte die Verwaltung auf 919 365 Euro. Müssten die Zimmer nachträglich gebaut werden, so müssten die Kreiskliniken etwa das Dreifache dafür bezahlen.

Für Grünen-Sprecher Andreas Schwarz aus Kirchheim waren alle wesentlichen Punkte, an denen er seine Entscheidung festzurrte, erfüllt: hohe Qualität und Wirtschaftlichkeit. „Die Maßnahme dient dazu, die unfallchirurgische Abteilung auszubauen. Wir stimmen deshalb zu.“ Der Plochinger Kreisrat Gerhard Remppis, SPD, konnte dem nur beipflichten. „Die Entscheidung ist richtig. Wir sollten uns über jedes Bett, das geschaffen wird, freuen“, meinte er und erinnerte an das Thema Nachsorge. Nicht nur abnicken wollte der Vorsitzende der Freien Wähler im Kreistag, Nürtingens OB a. D. Alfred ­Bachofer, die Verwaltungsvorlage, die nach seiner Auffassung viel zu kurzfristig auf den Tisch kam. „Millionenbeträge müssen immer relativ schnell entschieden werden“, richtete er seine Kritik an die Adresse des Geschäftsführers der Kreiskliniken. Dennoch stimmten er und seine Fraktion zu, da „die Chance höher ist als das Risiko“.

Zum Hintergrund: Im März 2003 entschied der Kreistag in der Kirchheimer Klinik ein stationäres „kurzzeitchirurgisches Angebot“ mit einer Kapazität von zehn Betten vorzuhalten. Mit dieser Bettenzahl sollten alle chirurgischen Disziplinen wie die Hand- und Plastische Chirurgie, die Unfall- und Orthopädische Chirurgie sowie die Allgemein- und Viszeralchirurgie auskommen. Des Weiteren sind acht Betten für Gynäkologie, vier Betten für Augenheilkunde und zehn Betten für den Bereich HNO geplant. Für alle operativen Disziplinen waren somit 32 Betten in Kirchheim vorgesehen. Die schlugen im Herbst 2008 für das Klinikum Kirchheim-Nürtingen eine Neustrukturierung der Unfall- und Orthopädischen Chirurgie vor. Dabei sollen in Kirchheim schwerpunktmäßig Eingriffe im Bereich der geplanten Endoprothetik vorgenommen werden, wozu der Kreistag in seiner Dezembersitzung grünes Licht gab. Die Klinikverwaltung kam sehr schnell zu dem Schluss, dass dazu 32 Betten nicht ausreichen. Des Rätsels Lösung liegt in der Planung des derzeit in Bau befindlichen Bettenhauses. Auf Etage drei und vier sind bisher große Balkonflächen zum Lichthof hin vorgesehen. Wird nun die Fensterfassade an die Balkonaußenkante versetzt, was statisch kein Problem ist, so gewinnen die Planer genügend Fläche für zusätzliche 20 Patientenzimmer. Erforderlich ist jetzt nur noch der Einbau von Sanitärzellen sowie das Herstellen der Wände zwischen den Patientenzimmern und zum Flur in Trockenbauweise. Außerdem wird ebenfalls im neuen Bettenbau auf Ebene drei und vier ein als Patientenaufenthaltsraum vorgesehenes Zimmer durch den Einbau einer Nasszelle zum Zweibettzimmer für Patienten ausgebaut.