Lokales

Erfolgreiche Förderung

Berufseinstiegsjahr und Kooperationsklasse erhöhen die Chancen auf Abschluss und Job

Die Erfahrungen mit dem Berufseinstiegsjahr und der Kooperationsklasse seien gut, berichtete der geschäftsführende Schulleiter der beruflichen Schulen im Kreis, Joachim Schmid-Schippert dem Kultur- und Schulausschuss. In Kirchheim hat sich das Modell der Kooperationsklasse an der Raunerschule bewährt.

TOBIAS flegel

Kreis Esslingen. Bessere Chancen auf eine Lehrstelle oder den Hauptschulabschluss bieten die Modelle des Berufseinstiegsjahres (BEJ) und der Kooperationsklasse schwachen, aber motivierten Hauptschülern. Die Konzepte fußen auf einer Kombination aus Wissensvermittlung und Praxis: Haupt- und Berufsschulen bringen den Schülern fachliche Inhalte bei und vertiefen Kernkompetenzen in den Fächern Deutsch, Englisch und Gemeinschaftskunde. Praktika stellen zugleich den Kontakt zu möglichen Ausbildungsbetrieben her. Zurzeit bieten vier Schulen im Kreis das Berufseinstiegsjahr an, eine weitere kommt im neuen Schuljahr dazu. Kooperationsklassen gibt es in Kirchheim und Mettingen.

„Es ist der richtige Weg, den die Landesregierung eingeschlagen hat“, sagte Joachim Schmid-Schippert in der Ausschusssitzung. Nach zwei Jahren Laufzeit könne er sagen, dass BEJ und Kooperationsklasse die Ausbildungschancen der Schüler steigern. Die Einführung der beiden Modelle sah Wolfgang Haug, FDP, dagegen kritisch. Es gab ihm zu denken, dass die Hauptschule ohne additive Elemente keinen Erfolg mehr habe. „Diese Schulart scheint nicht mehr funktionsfähig zu sein – wir müssen unser Schulsystem neu aufstellen“, forderte er.

Kritische Stimmen aus dem Ausschuss wies Heinz Eininger entschieden zurück: „Ich finde, man sollte die Modelle nicht ständig schlecht reden“, sprach sich der Landrat für die schulische Förderung aus. Er sei zuversichtlich, dass die Wirtschaft aufgrund des Erfolgs von BEJ und Kooperationsklassen mit Praktika-plätzen nachhelfen werde – zumal die konjunkturelle Wende auch bei den Lehrstellen eingetreten sei: „Dieses Jahr gibt es erstmals mehr Ausbildungsplätze als Bewerber.“

In Kirchheim hat sich das Modell der Kooperationsklasse bewährt. „Ich kann sagen, dass es bei uns ein Erfolg ist“, sagt der Rektor der Raunerschule, Gerhard Klinger. Die Quote der erfolgreichen Abschlüsse liege deutlich höher als in normalen Hauptschulklassen. Die Raunerschule bietet zusammen mit der Fritz-Ruoff-Berufsschule in Nürtingen lernschwachen Jugendlichen aus dem ganzen Kreis die Möglichkeit, in zwei Jahren den Abschluss zu machen.

Die genaue Vorauswahl und intensive Betreuung führt an den Schulen zum Erfolg. Voraussetzung für eine Zulassung ist aber, dass die Jugendlichen den Willen haben, ihren Abschluss zu machen. Diese Motivation müssen ihnen die Klassenlehrer bescheinigen. Weitere Hürden sind Schnuppertage, die Klinger und seine Kollegen einen Eindruck von den Kandidaten vermitteln. Zudem führen Lehrer der Kooperationsklasse im Vorfeld Interviews mit den Eltern. Die Gespräche sollen klären, ob sie ihre Kinder unterstützen. „In die Klassen sollen nur motivierte Schüler kommen“, sagt Klinger. „Dazu muss auch das Lernumfeld daheim stimmen.“

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