Lokales

Erfolgreiche Verwandtschaften: Mutter und Sohn, Bruder und Schwester

KIRCHHEIM Zwei Augenpaare fixieren jede Bewegung von Herrchen oder Frauchen "Agent" die von Ursula Cerny, "Lass" die von Florian Cerny. Ein Handzeichen oder gar eine bestimmte Körperhaltung genügt, und

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IRIS HÄFNER

die beiden Hunde ducken sich ins Gras, um nach dem nächsten Kommando explosionsartig loszurasen. In einem irrsinnig schnellen Tempo erledigen die beiden Border Collies ihre Aufgabe, ohne dabei jedoch ihre Menschenchefs aus den Augen zu lassen jede Sekunde bereit, die nächste Aufgabe in gleichem Tempo anzugehen.

Lass und Agent sind absolute Profis in Sachen Agility. Und nicht nur das: Lass und Florian sind amtierende Weltmeister in ihrer Sportart, Ursula Cerny schaffte mit Agent den mehr als respektablen 20. Platz. Die Fahrt zu diesem hochkarätigen Wettbewerb ins spanische Valladolid gestaltete sich für die Vier als eine Art Familienausflug. Ursula Cerny trat die Reise zu der schweren Prüfung mit ihrem Sohn Florian und weiteren deutschen Teamkollegen an, doch dem nicht genug: auch die beiden Hunde sind eng verwandt: sie stammen aus demselben Wurf.

Das Training der munteren Truppe findet auf dem Platz des Vereins für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Jesingen, statt. "Der Verein bietet uns optimale Bedingungen", sagen Mutter und Sohn unisono. Obwohl Ursula Cerny mittlerweile in Böblingen wohnt und Florian in Stuttgart studiert, kommen beide regelmäßig zum Training nach Jesingen. Die Hundesportart Agility erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Die unterschiedlichsten Hindernisse sind dabei ähnlich dem Springreiten zu überwinden, allerdings mit weit mehr Varianten. Es gibt Hürden, Tunnels, Reifen, eine Wand, einen Steg sowie auch eine Wippe. Zudem müssen sich die Hunde durch Slalomstangen schlängeln, wobei es auch noch darauf ankommt, dass sie auf der richtigen Seite beginnen. Hilfsmittel haben die Hundeführer dabei keine. Ohne Halsband und Leine sind Mensch und Tier auf dem Parcours unterwegs. Mit Stimme, Körperhaltung und Handzeichen dirigieren die Sportler ihre Hunde. "Florian hat das richtig gut drauf. Er ist sehr ruhig und in seinen Bewegungen eindeutig", lobt die Mutter. Nicht zu vergessen ist dabei auch die Kondition von Herrchen oder Frauchen, die regelmäßig beim Joggen trainiert wird.

Bevor das Team in der Prüfung die zudem noch aus mehreren Läufen besteht unterwegs ist, kann der Mensch die Strecke abgehen. Dabei planen die Teilnehmer, wie sie ihre Hunde optimal über die Hindernisse führen. "Man überlegt dabei, wo welcher Wechsel stattfinden soll oder wo der Hund möglicherweise das falsche Hindernis anvisieren könnte und wie man ihn wegschicken soll. Das ist eigentlich der schwierigste, aber auch der interessanteste Teil des Wettbewerbs", sagt Florian. Beim Wettbewerb geht es darum, wie der Hund möglichst schnell und dabei ohne Fehler durch den Parcours kommt. Dafür gibt es verschiedene Techniken. "Der Hund muss alles wissen und können, zudem zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein", bringt Florian die Komplexität seiner Sportart auf den Punkt. Dabei gilt es, die Vorzüge des Hundes auszunutzen und an den Schwächen zu arbeiten. Die Stärke von Lass ist es, sehr schnell in engen Bögen zu rennen. Ihre Schwäche: ab und zu fällt eine Stange, weil sie wie ihr Bruder gerne knapp über die Hindernisse springt. "Die Körpersprache ist wichtig, die Stimme ist eigentlich nur zu unserer Sicherheit", meint Florian lachend.

Mit acht Wochen kamen die Welpen zu Familie Cerny. Da Florian schon als Kind in der Lage war, seinen gemütlichen Retriver im Parcours zu motivieren und er großen Spaß an Agility hatte, suchte die Familie den passenden Hund für diese Sportart aus. "Die Border Collies sind berühmt dafür, dass sie schnell lernen. Das heißt aber auch, was Falsches lernen sie genauso schnell", gibt Ursula Cerny zu bedenken. Dass es dann zwei Hunde geworden sind, lag an den entsprechenden Sympathien. Mutter und Sohn wussten, auf was sie sich mit diesen Hunden einließen. Um dieser Rasse gerecht zu werden, müssen sich die Besitzer im Klaren sein, dass sie ihren Hund nicht nur am besten gleich mehrere Stunden am Tag bewegen, sondern auch noch die unterschiedlichsten Aufgaben stellen. Da nicht jeder Besitzer Schafe zu hüten hat die ursprüngliche Aufgabe dieser Rasse ist Agility das passende Pendant dazu.

Das Training der Cernyschen Junghunde lief spielerisch an, wobei die Sprünge tabu waren, um die weichen Knochen zu schonen. "An den Tunnel kann man sie früh gewöhnen und auch die Führtechnik vorbereiten", erklärt Ursula Cerny. Richtig los geht es mit dem Training erst, wenn die Hunde ausgewachsen und die Knochen ausgehärtet sind.

Welch außergewöhnlichem Wurf Lass und Agent angehören macht eine weitere Tatsache deutlich: Vizeweltmeisterin in der Kategorie "Large" wurde Sylvia Vaanholt mit Gill aus Detuschland. Gill kommt ebenfalls aus dem gleichen Wurf. "Platz eins und zwei sowie die Plätze 20 und 21 sind alles Vollgeschwister. Das gab es bei einer Weltmeisterschaft noch nie", sagt Ursula Cerny. Als Florian nach dem letzten Lauf klar wurde, wie optimal er war, hat er sich mitsamt seiner Lass auf den Boden geschmissen. Dass Deutschland dann auch noch mit Hunde-Geschwisterns Doppelweltmeister war, "war eine Sensation schlechthin", resümiert der Weltmeister.