Lokales

Erfolgreicher Kommissar Zufall

Drogenhändler zu Freiheitsstrafen bis zu über elf Jahren verknackt

Das Stuttgarter Landgericht hat fünf Rauschgifthändler, davon ein Bestattungs-Azubi aus Kirchheim und ein bosnischer Fliesenleger aus Erkenbrechtsweiler, zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und elfeinviertel Jahren verurteilt. In dem Verfahren ging es um mehr als 300 Kilo Drogen.

Kirchheim. Ganze drei Monate lang verhandelten die Richter der 7. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht gegen die fünf Männer im Alter zwischen 25 und 47 Jahren. Und hätte nicht am 27. Dezember vergangenen Jahres eine Ehefrau in Kirchheim die Polizei alarmiert, weil ihr Mann mit einem Messer tätlich gegen sie wurde, so wäre dieser Rauschgiftfall wohl gar nicht aufgeklärt worden. Damals hatte die Kirchheimer Polizei nach dem Eintreffen in der Wohnung des 26-Jährigen im Schimmingweg zunächst zufällig kleinere Mengen Drogen und Dealergeld gefunden.

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Doch die Lawine wurde immer größer, bis schließlich noch während der Anwesenheit der Ordnungshüter zwei weitere Drogenhändler an der Türe klingelten und gleich mit großen Mengen Rauschgift festgenommen werden konnten (wir berichteten).

Im Zuge dieser Ermittlungen war es der Kirchheimer, Esslinger und Nürtinger Polizei in enger Zusammenarbeit mit den Kornwestheimer Kollegen gelungen, insgesamt rund 45 Kilo Rauschgift sicherzustellen und eine lukrative Cannabis-Farm in Erkenbrechtsweiler abzuernten. Unterm Strich waren es laut der Staatsanwaltschaft 300 Kilo der Drogen, die durch die Hände der Fünferbande an weitere Unterhändler und Konsumenten gingen, wenngleich gestern die Stuttgarter Richter diese Menge im Urteil nach juristischen Gesichtspunkten zugunsten der Beschuldigten nach unten relativierten und im Urteil nur noch von bis zu 120 Kilo ausgingen.

Dieses Rauschgift, in der Regel Marihuana guter Qualität und Haschisch sowie weitere verbotene Subs­tanzen, hatten laut dem Urteil die Angeklagten in wechselnder und organisatorisch gut aufgeteilter Arbeitsweise mit gemieteten Fahrzeugen jeweils von einem Großhändler aus Rotterdam innerhalb von drei Jahren eingekauft und in Portionen von jeweils mehr als zehn Kilo im Kofferraum zunächst in den Keller des 43-jährigen Mitangeklagten nach Kornwestheim geschafft, von wo aus es dann an die übrigen zum Weiterverkauf in Kleinportionen ausgeliefert wurde. Allein bei der Durchsuchung des Bunkers des Hauptangeklagten wurden damals bereits bzwölf Kilo des Stoffes sichergestellt.

In der Erkenbrechtsweiler Wohnung des 25-jährigen Bosniers fand die Polizei 26 Kilo Haschisch bereits verpackt und lichtete dessen Plantage fachmännisch aus. Bei ihm hieß es gestern im Urteil: Beihilfe zum Rauschgifthandel, dreieinhalb Haft, während der 26-jährige Türke aus Kirchheim wegen Handeltreibens mit Drogen für gleichfalls dreieinhalb Jahre hinter Gitter muss.

Heftiger hingegen traf es den Hauptbeschuldigten, der im Keller einer Wohnung das Drogenlager betrieb: Er muss elfeinviertel Jahre in Haft, die Anklägerin hatte für ihn zehn Jahre beantragt. Ein 47-jähriger Betriebswirt und ein 33-Jähriger, beide aus dem Kreis Böblingen, kamen aufgrund ihrer Geständnisse mit Freiheitsstrafen von jeweils dreieinhalb Jahren relativ günstig davon.