Lokales

Erfreut über positive Entwicklung der Naturoase

Fabian (7) schleppt eifrig einen Armvoll Geäst zum Hänger. "Hier wohnen Eisvögel und normale Vögel, außerdem viele Frösche und Kröten", weiß der Tierfreund über das Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen Bescheid. Beim alljährlichen Pflegeeinsatz in der ökologisch wertvollen Naturoase legten sich diesmal rund 40 Erwachsene und Kinder ins Zeug. Organisiert wird die Pflege seit vielen Jahren vom NABU, der einen Betreuungsvertrag mit dem Regierungspräsidium abgeschlossen hat.

IRIS KOCH

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WERNAU Das Schutzgebiet habe sich toll entwickelt, sagt Roland Appl vom NABU Nürtingen und lässt den Blick über Seen, Schilfrohr und die Graureiherkolonie im kleinen Wäldchen schweifen. Erst kürzlich wurde die alte Bundesstraße entsiegelt, die bisher quer durchs Schilf führte: Immerhin 200 Lkw-Ladungen Asphalt habe man abtransportiert. Damit bald auch das nun freiliegende Schotterbett ausgebaggert werden kann, entfernen die Helferinnen und Helfer den Bewuchs an den Rändern. Die ehemalige Straße wird sich mit Wasser füllen, "das Gebiet wird für die Tiere viel attraktiver werden", freut sich Appl.

Stillgelegt und "plattgemacht" wurde mittlerweile auch der Lagerplatz einer Baufirma; der Motorsportclub Köngen habe ebenfalls ein neues Gelände bekommen. Einziger Störfaktor im Naturschutzgebiet ist nunmehr das Daimler-Testgelände. Dennoch ist das Verhältnis zu dem Autokonzern derzeit entspannt. Mitglieder des Arbeitskreises Umwelt bei Daimler helfen wie schon seit einigen Jahren bei der Pflege. Überdies habe das Unternehmen "glaubhaft signalisiert", dass nach einem Ersatz-standort derzeit gesucht werde, erklärt der Naturschützer. "Wenn das Testgelände wegkommt, wäre das ein Quantensprung für unser Schutzgebiet."

Profitieren würden von dem Umzug die rund 200 Vogelarten, die sich übers Jahr an den Seen aufhalten. Viele machen als "Durchzügler" oder Wintergäste hier Station. Ein Drittel von ihnen brütet im Schutzgebiet darunter sind etwa so seltene Spezies wie die Zwergrohrdommel, die europaweit vom Aussterben bedroht ist. Auch Flussregenpfeifer, Wasserrallen oder Graugänse fühlen sich an den Seen wohl. Damit das so bleibt, müsse das Mosaik aus Schilf, Wiese, Freiflächen und Büschen erhalten bleiben, betont Roland Appl.

Aufgrund der Vielfalt an Lebensräumen habe der Artenreichtum im Schutzgebiet zugenommen: "Viele Arten, die hier schon verschwunden waren, sind wieder aufgetaucht."

Bei der Pflege wird unter anderem darauf geachtet, dass sich im Schilf keine zu hohen Bäume entwickeln. Dickere Stämme sägen die Helfer mit der Motorsäge ab. Ein Teil des Holzes bleibt als Unterschlupf für Tiere liegen; der Rest wird aufgeladen und verhäckselt. Spaziergänger sollen künftig nur vom Dammweg aus das Schutzgebiet beobachten. Deshalb sorge man hier für genügend Ausblicke auf das Wasser, so Roland Appl: "Sonst verlassen die Leute den Weg und stören dabei die Tiere." Allerdings habe die Akzeptanz des Schutzgebiets in der Bevölkerung mittlerweile deutlich zugenommen. So wie beim kleinen Fabian: "Ich mag Tiere, die in der Wildnis leben", erklärt der Tierfreund mit Überzeugung.