Lokales

Erhoffte Außenbewirtung bleibt ein schöner Traum



WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Der erste erfolgreiche Versuch, das Bastionsdach aus seinem denkmalgeschützten Dornröschenschlaf zu wecken, erfolgte im März 2001, als die Mitglieder des Kirchheimer Ratsgremiums beschlossen, es dem club bastion zu ermöglichen, auf dem Veranstaltungsforum über den Dächern der Stadt bis zu acht kulturelle Veranstaltungen unter dem Motto "Sommer auf der Bastion" durchzuführen. Im vergangenen Jahr wurden während des Weindorfs erstmals Erfahrungen gesammelt mit einem entsprechenden Bewirtungsangebot auf der Bastion.



Mit einem modernen Designer-Pavillon setzte das "Coco Bello"-Team einen interessanten Akzent auf denkmalgeschütztem Gemäuer und sorgte zugleich für das zum gastronomischen Angebot passende Ambiente. Dass nicht nur das Publikum sondern auch die Veranstalter selbst zufrieden waren mit dem Ausgang des Experiments, belegt ein durch das Team der Gaststätte "Cocco Bello" zu Jahresbeginn gestellter Antrag auf Außenbewirtung.



Auch wenn von Verwaltungsseite eine Außenbewirtschaftung der Dachterrasse der Bastion grundsätzlich positiv bewertet wird, muss zunächst vor allem auch die Funktion der Bastion als Gemeinbedarfseinrichtung beachtet werden, da auf Grund dieser Eigenschaft die Umbaumaßnahme der Bastion und der Einbau einer Toilettenanlage mit einem maximal möglichen Fördersatz finanziell unterstützt wurde. Die Zulassung eines Betriebes mit Gewinnerzielungsabsicht wäre aber ein Widerspruch zu einer Gemeinbedarfseinrichtung, der nach Einschätzung des Rechtsamtes dann auflösbar wäre, "wenn sich die Nutzung der Außenbewirtschaftung unterordnet". Bei einer auf zwei Monate begrenzten Zeit müsse das als vertretbar angesehen werden, zeigte sich das Rechtsamt überzeugt, wenn zugleich auch der club bastion als Gemeinnütziger Verein die Außengastronomie selbst übernehmen oder aber als Unterverpächter der gastronomischen Nutzung auftreten würde. Ein Nutzungskonflikt zwischen dem Kulturbetrieb des Clubs und dem Betrieb einer Außengastronomie wäre damit zugleich weitestgehend ausgeschlossen.



Sowohl in der Dimensionierung rund die Hälfte der Oberfläche abdeckend als auch durch das in werbefreiem Weiß gehaltene Erscheinungsbild grundsätzlich als "stadtbild- und denkmalverträglich" eingestuft wurde auch das während des letztjährigen Weinfests erstmals aufgestellte segelartige Zelt, das als so genannter "fliegender Bau" keiner Baugenehmigung bedarf.



Dass der club bastion sich nicht in der Lage sieht, die Funktion als Zwischenverpächter für einen Wirt auf dem Dach zu übernehmen, musste von den Gremiumsmitgliedern nun vor der Sommerpause genauso zur Kenntnis genommen werden wie die Befürchtung der Bastionsmitglieder vor dem Abriss der Toiletten unter dem Kiosk und der "Umwandlung der Bastionstoiletten in eine öffentliche Toilette mit all den üblichen negativen Auswirkungen".



Während von Verwaltungsseite die Auffassung vertreten wurde, dass die öffentliche Zugänglichkeit der Dachterrasse der Bastion nicht beeinträchtigt werden sollte, sondern stattdessen bauliche Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung von Vandalismus ergriffen werden sollten, zeigte sich Stadträtin Sybille Köber überzeugt davon, dass "Kunst oder Mosaik am Beton" Vandalismus nicht nachhaltig verhindern könne. Nur wenn die Dachterrasse nachts abgeschlossen und der Aufsicht eines Wach- und Schließdienstes überantwortet werde, könne Vandalismus ihrer Einschätzung nach wirkungsvoll eingedämmt werden.



Während Planungsamtsleiter Dr. Oediger die gewährten Zuschüsse durch eine solch temporäre Schließung grundsätzlich nicht gefährdet sah, gab er aber doch zu bedenken, dass es schwierig sei, eine solche Anlage baulich zu gestalten und zudem Jugendliche dadurch erst recht provozieren könnte, in den abgesperrten Bereich vorzudringen. Dass ein Tor ein Signal in die falsche Richtung sei, merkte auch CDU-Stadträtin Eva Baudouin an.



Einig waren sich die Gremiumsmitglieder dann auch darüber, dass vor der weiteren Entscheidung über eine Verkleidung der Betonwandfläche und der Mauerkrone zunächst die Wirkung der demnächst erfolgenden künstlerischen Gestaltung der Freiflächen mit Mosaik und Kieselsteinen abgewartet werden soll.

Außenbewirtung und ein elegantes schützendes Segel wird es auf der Bastion wie im Vorjahr nur während des Weindorfes geben.

Foto: Jean-Luc Jacques