Lokales

Erinnerung an den Sommer

In Notzingen gibt es zwei Dorfbrunnen, einen davon in Sichtweite des Pfarrhauses: An heißen Tagen kann es sein, dass er von Kindern in Badekleidung bevölkert ist. Gartenbesitzer holen sich das Gießwasser in Kofferraum füllenden Kanistern. Einige Menschen trinken daraus, obwohl vorsorglich geschrieben steht: "Kein Trinkwasser". Eine Nachbarin pflegt den Brunnen und die Blumen im dabei stehenden Trog fürsorglich. Radler und Wandergruppen kühlen sich ab.

Der ruhig plätschernde Brunnen ist eine Oase zwischen den ihn umgebenden Häuserfronten und grauen Verkehrsflächen. Im Gegensatz zu den vorbeifahrenden Autos treibt das klare Wasser nicht zur Eile. Allerdings unterbindet der Lärm der Durchgangsstraße jeden Versuch eines ernsthaften Gespräches am Brunnen. Ich denke an diesen Brunnen, wenn ich in der Bibel lese: Christus spricht: Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7,38)

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Lebendiges Wasser, das ist fließendes Wasser wie das des Dorfbrunnens.

Sind Christenmenschen so anziehend, so erfrischend, so einladend wie dieser Brunnen? Sind sie und ihre Versammlungen Fluchtpunkte in den Unwirtlichkeiten unserer Tage? Sie sind es in dem Maße, indem sie selbst von der Quelle, dem Ursprung und Erhalter alles Lebens, schöpfen. Und sie sind es auch dann noch, wenn der Sommer und die warmen, sonnigen Tage vorüber sind. Reimar Krauß Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Notzingen