Lokales

Erinnerung soll lebendig gehalten werden

Bereits im vergangenen Jahr hat der Künstler Gunter Demnig in Kirchheim insgesamt neun sogenannte Stolpersteine verlegt, die an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern sollen. Auf Initiative der Kirchheimer Frauenliste hatte sich der Kirchheimer Gemeinderat entschlossen, wie in vielen anderen Städten Deutschlands solche Stolpersteine verlegen zu lassen.

KIRCHHEIM Finanziert wurde die Aktion von Spendern, die sich bereit erklärt hatten, die durch die Installation der "Stolpersteine" anfallenden Kosten zu übernehmen. Da der Terminkalender des für diese Maßnahme verantwortlich zeichnenden Künstlers Gunter Demnig aufgrund der großen Resonanz auf seine Aktion keinen früheren Termin zuließ, werden die vorläufig letzten fünf Stolpersteine in Kirchheim am Samstag, 16. Februar, verlegt.

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Die Steine, die sowohl an jüdische Mitbürger, wie die in der Alleenstraße 87 wohnende Familie Reutlinger, als auch an den polnischen Zwangsarbeiter Stefan Sydoriw erinnern, werden an insgesamt drei Standorten in der Stadt verlegt. Beginnen wird die Aktion, zu der die Bevölkerung sehr herzlich eingeladen ist, um 9 Uhr vor dem Gebäude Alleenstraße 87. Anschließend setzt sich die Aktion über die Herdfeldstraße 49 zur Eugenstraße 22 fort.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit dieser Aktion an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Bis Ende September vergangenen Jahres hat er schon rund 12 500 Steine in insgesamt 277 verschiedenen Ortschaften verlegt. Gunter Demnigs "Stolpersteine" liegen zwischenzeitlich auch in zwölf Orten Österreichs und in Ungarn. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor ihren ehemaligen Wohnstätten hält er die Erinnerung an Menschen lebendig, die einst in Kirchheim lebten. Auf den im Straßenbelag eingelassenen Steinen steht geschrieben: "Hier wohnte . . ." Sie erinnern mit dem jeweiligen Namen an Menschen, die in Kirchheim ihre Heimat hatten.

In Kirchheim wurden die Daten von Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden von der Initiatorin, Stadträtin Dr. Silvia Oberhauser, recherchiert. Unterstützt wurde sie dabei von Gunter Basler und Brigitte Kneher sowie von Stadtarchivar Rainer Kilian.

Zu den von den Nationalsozialisten während des Dritten Reiches verfolgten Gruppen gehörten Juden, Sinti und Roma, politisch Andersdenkende, Mitglieder von Widerstandsbewegungen, Homosexuelle und Zeugen Jehovas. Eine Recherche-Hilfe stellt die Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem dar. Wenn die Daten vorliegen, fertigt Gunter Demnig einen Betonwürfel mit zehn Zentimeter Kantenlänge an, der mit einer Messingplatte abschließt. Den Stein lässt er jeweils bündig in den Bürgersteig oder die Straße vor der Haustür zur letzten Wohnung des Opfers ein.

pm