Lokales

Erinnerungen an die alte Heimat wachhalten

Am Samstag, 8. Oktober, und Sonntag, 9. Oktober, feiert die Heimatgruppe Kirchheim unter Teck des Deutschen Böhmerwaldbundes stolz ihr 50-jähriges Bestehen.

KIRCHHEIM Nach der Potsdamer Konferenz im Jahre 1945 wurden fast alle im Böhmerwald lebenden Sudentendeutsche nach Rest-Deutschland ausgewiesen. Das Schicksal der Vertreibung, bei der nicht nur Hab und Gut geraubt, sondern auch die gewachsenen menschlichen und gesellschaftlichen Bindungen zerrissen wurden, und der Neubeginn in der Fremde erforderten enorme Kräfte von den Menschen. Die gemeinsame Not und das starke Gefühl der Zusammengehörigkeit sowie die Liebe zur alten Heimat waren ausschlaggebend, die Heimatgruppe Kirchheim des Deutschen Böhmerwaldbundes zu gründen. Im Lager der Firma Faber & Becker in Kirchheim lernten sich viele Familien kennen. So konnten sich später Jugendgruppen bilden, die Kultur und Brauchtum der Heimat wach hielten.

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Anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums hat die Heimatgruppe Kirchheim eine Festschrift herausgegeben, in der die Geschichte des Deutschen Böhmerwaldbundes und der Heimatgruppe zusammengefasst ist.

Am 1. September 1947 entstand in Baden-Württemberg der Hilfsverband der Neubürger. Das erste Treffen wurde am 5. September 1948 auf dem Hohenneuffen abgehalten. Noch heute gibt es immer wieder Zusammenkünfte der Vertriebenen. "Hoam" war der Begriff damals, und er ist es auch heute noch.

Die Böhmerwäldler hatten ihr erstes Treffen schon im Jahre 1947 zu "Jakobi" auf dem Dreisessel und jedes Jahr wurden es mehr, die zu diesen Treffen kamen. In jeder größeren Stadt Baden-Württembergs entstanden Vereinigungen von Vertriebenen aus dem Sudetenland, so auch in Kirchheim unter Teck. Hier wurde die Landsmannschaft Böhmerwald gegründet. Versammlungen und Treffen fanden regelmäßig statt.

Die Böhmerwald-Jugendgruppe, die sich 1952 gebildet hatte, war baldzu einer festen Institution in Kirchheim geworden. Durch vielerlei Aktivitäten wie gesellige Veranstaltungen und Theateraufführungen sowie Maiwanderungen und Fußballspiele entstand ein fester Zusammenhalt. Verheiratungen, berufliche Veränderungen und viele andere Gründe führten jedoch im Jahr 1964 zur Auflösung der Jugendgruppe.

1961 wurde eine Kindergruppe gegründet, welche die Heimatabende der Landsleute, die Weihnachts- und Muttertagsfeiern mit ihren Auftritten bereicherte und an verschiedenen Wettkämpfen teilnahm. Die Gruppe bestand bis 1982.

Nach einem Beschluss der Böhmerwäldler Frauen und Männer aus Kirchheim und Umgebung wurde am 1. Oktober 1955 die Heimatgruppe Kirchheim unter Teck im Deutschen Böhmerwaldbund e.V. gegründet. Bereits 1956 fanden viele Veranstaltungen der neu gegründeten Heimatgruppe statt.

Der Frauenarbeitskreis war darum bemüht, die Bräuche und Traditionen der alten Heimat weiterzuführen. So wurden die traditionellen Böhmerwäldler Kratz-Eier "Scheckel" gekratzt und zu unzähligen Gerichten, wie Böhmischen Knödeln mit Schwammerln-Soße, Rezepte gesammelt und ausprobiert, um sie an die Nachkommen weiterzugeben.

1961 übernahm die Stadt Passau die Patenschaft für die Böhmerwäldler. Der Kirchheimer Heimatverband und über 20 000 Landsleute kamen zu diesem Treffen, um die Feierlichkeiten der Patenschaftsübernahme mitzuerleben. Auch heute noch ist die Heimatgruppe Kirchheim bei den Bundestreffen dabei.

JubiläumsprogrammBereits seit 50 Jahren treffen sich die Mitglieder des Heimatverbandes zu zahlreichen Versammlungen, Veranstaltungen und Ausflügen. Auch das Jubiläum bietet Anlass zum Feiern, und zwar am morgigen Samstag, 8. Oktober, ab 17 Uhr im Bohnauhaus, gestaltet von der Böhmerwald-Sing- und Spielschar Nürtingen. Einen besonderen Platz nimmt bei dem Festakt die Rückbesinnung auf den Schriftsteller Adalbert Stifter und dessen 200. Geburtstag ein. Zudem bereichert eine Ausstellung über bekannte Wallfahrtsorte im Böhmerwald die Veranstaltung.

Am Sonntag, 9. Oktober, beginnen die Festlichkeiten um 10.30 Uhr mit einem feierlichen Gemeindegottesdienst in Maria Königin in der Tannenbergstraße. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernimmt der bekannte Organist und Komponist Professor Jürgen Essl aus Stuttgart. Ab 12 Uhr wird den Gästen im Bohnauhaus ein Mittagessen angeboten. Anschließend folgt ein bunter Nachmittag mit Kaffee und Kuchen. Zur Unterhaltung der Besucher spielt ab 15 Uhr die Kapelle "Herbstwind" unter der Leitung von Harry Diener.

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