Lokales

Erinnerungen bewahren und daraus lernen

Mit Gedenkfeiern in den Stadtteilen und auf dem Alten Friedhof wurde gestern in Kirchheim der Volkstrauertag würdig begangen. Neben Vertretern der Erlebnisgeneration beteiligten sich an den Feiern auch Jugendliche, die damit der Anregung folgten, den Tag als generationsübergreifenden Friedenssonntag zu verstehen und gemeinsam zu begehen.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Die deutsche Geschichte nicht zu verdrängen und zu vergessen, sondern die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wach zu halten und Lehren aus der Geschichte zu ziehen, lautete die zentrale Botschaft der Gedenkrede von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker.

Im Kreis vieler Vertreter der Erlebnisgeneration appellierte sie dabei vor allem auch an die Jüngeren, den Volkstrauertag als Friedenssonntag zu begehen. Sie erinnerte an die mahnenden Worte Bertolt Brechts, der von dem großen Karthago erzählte, das drei Kriege führte. "Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden".

Wie wichtig es ist, aus Fehlern zu lernen, Menschlichkeit zu leben, zu lernen, neues Unheil zu vermeiden und die Aufgabe, den Frieden zu bewahren, als Menschenpflicht zu verstehen, machten Julia von Cube, Anja Matzke, Christian Franz und Katja Holder vom Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium mit ihrer Lesung auf dem Alten Friedhof deutlich. Als Vertreter der Jugend, die die vielfältigen Schrecken des Krieges nicht miterlebt haben, forderten sie für ihre Generation das Recht ein, wissen zu wollen, was geschah und warum, um zu versuchen, zu begreifen und um daraus zu lernen.

Dass es auch musikalisch durchaus möglich ist, sich bei einem solchen Anlass der Jugend stärker zu nähern, belegte die Kirchheimer Stadtkapelle unter der Leitung von Harry D. Bath. Bob Dylans "Blowing in the Wind" eröffnete die Gedenkstunde auf dem Alten Friedhof, bei der auch " Ich hatt' einen Kameraden" gespielt wurde. Den Ausklang bildete wieder ein Stück, mit dem sich die Jugend sicher stärker identifizieren kann: "Yesterday" von John Lennon und Paul McCartney.

"Memento mori et memento vivere Gedenke des Todes und gedenke des Lebens" mahnte der stellvertretende Ortsvorsteher, Hans Gregor, bei der Gedenkfeier in Jesingen, an der Schülerinnen der Klasse 10 der Werkealschule ebenfalls mit einer Lesung beteiligt waren.

Dass der Volkstrauertag nicht überholt ist, da die durch Krieg und Unrecht geschlagenen Wunden in den Seelen der Menschen weiterleben, betonte Lindorfs Ortsvorsteher Manfred Haack in seiner Ansprache. "Wir können nicht gleichgültig bleiben und vergessen, wir müssen vielmehr die Erinnerung an die bösen Erfahrungen festhalten", mahnte er und ergänzte: "Es ist immer noch Krieg in der Welt".

In Ötlingen erinnerte der stellvertretende Ortsvorsteher Klaus Moosmann an das Ende des Zweiten Weltkrieges und machte deutlich: "Durch das Opfer ihres Lebens verpflichten uns die Toten, Frieden und Menschenwürde zu verwirklichen, Freiheit und Menschenrechte wahr und haltbar zu machen". Nach der Kranzniederlegung wurde dann auch noch ein Friedensbaum gepflanzt.