Lokales

Erlebnisreiche Jagd nach O-Tönen zwischen Boxautos und Riesenfußball

KIRCHHEIM/RUST "Toor, Toor, Toor", dröhnt es aus dem Lautsprecher, dann folgen Jubelschreie und eine Fußballhymne. Franziska Erdmann, Tamara Fuchs, Jennifer Less und Nina Prager marschieren am

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BIANCA LÜTZ

"Spielfeld" entlang und halten einem jungen Besucher das gelbe Kugelmikrofon unter die Nase: "Hat es euch gefallen?" fragt Nina, während Franziska die Lautstärke an dem Aufnahmegerät in Walkman-Format aussteuert. Ebenso wie Nina muss ihr kleiner Interviewpartner schreien, um die laute Musik und die Jubelschreie zu übertönen: "Ja, es hat sich gelohnt", versichert der Junge und verdrückt sich schnell wieder. Immerhin: Ein O-Ton ist im Kasten.

Auch wenn es so klingen mag: Franziska, Tamara, Jennifer und Nina sind nicht im Fußballstadion unterwegs, sondern in der "Arena of Football", einer neuen Attraktion im Europa-Park Rust. Im Rahmen eines Presseworkshops von SWR1 und dem Teckboten recherchieren die vier Schülerinnen der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, die Redakteurinnen bei der mehrfach ausgezeichneten Schülerzeitung "Carpe Diem" sind, einen Tag lang für einen Beitrag im SWR 1 "Holiday Radio". Thema: Die Fußball-WM.

"Was für Beiträge zur Fußball-WM gibt es im Europa-Park?" fragt Jenny den Leiter der Attraktionen, Philippe Spohn, der an diesem Vormittag eigens für ein Interview mit den Kirchheimerinnen zur Arena gekommen ist. "In der Arena of Football befindet sich ein Autoscooter, dessen Boxautos aussehen wie große Fußballschuhe", erzählt Spohn. Anders als bei Fahrgeschäften auf dem Rummelplatz sind auch noch zwei Tore und ein großer Gummiball im Spiel, den die Schuh-Autos kicken können.

Wie das funktioniert, probieren Jenny und Tamara aus. Mit von der Partie ist das Aufnahmegerät, auf dem die beiden ihre Erlebnisse während der Fahrt festhalten. "Reportieren", heißt diese Methode bei Radioleuten, wie SWR 1-Redakteurin Jana Genth den vier Nachwuchs-Journalistinnen in einer Einführung erläutert. "Die Kunst des Radios besteht darin, viele kleine Aspekte einzusammeln, sodass bei den Hörern nachher eine Art ,Kino im Kopf' entsteht", verrät Jana Genth. "Ihr zieht los und sammelt Eindrücke, fragt Menschen, erzählt selbst, fangt Töne und Geräusche ein", gibt sie den Schülerinnen das nötige Rüstzeug an die Hand. Wie Franziska, Tamara, Jenny und Nina außerdem erfahren, ist es wichtig, nie unvorbereitet in ein Interview zu gehen. Bevor sich die vier in die Arbeit stürzen, erstellen sie daher zunächst einen Fragenkatalog: "Wer war dabei, als die Arena eröffnet wurde?" steht da zum Beispiel drauf und: "Was passiert mit der Leinwand in der Sports Bar, wenn die WM vorbei ist?"

"Nach der WM werden auf der Leinwand andere Sportveranstaltungen übertragen, wie etwa Formel eins", sagt Philippe Spohn. Christine Wenz, Leiterin der Unternehmenskommunikation im Park, erinnert sich an die Einweihung der Arena zurück: "Jürgen Klinsmann und Berti Vogts waren da", nennt sie zwei der prominenten Besucher.

Für eine weitere WM-spezifische Attraktion im Park ist Stephan Hercher federführend zuständig: "Wir haben im Park den größten WM-Ball der Welt", verrät er den Schülerinnen. Dazu wurde die Euro-Sat-Kugel, in der sich eine Achterbahn im Dunkeln befindet, mit 27 Planen ausstaffiert, bis sie aussah wie ein riesiger Fußball. Der Durchmesser: 45 Meter.

Als die Schülerinnen von ihrer Recherche zurückkehren, nimmt sich Jana Genth das 35-minütige Sammelsurium aus O-Tönen, eigenen Erfahrungen und Hintergrundgeräuschen vor. "Die Mädels haben das sehr gut gemacht", lobt sie. Doch auch wenn das Material noch viel mehr hergeben würde das zeitliche Korsett steht: Zwei Minuten darf die Sendung dauern, länger nicht.

Um 15.15 Uhr schließlich ist der große Moment da: Der Beitrag der vier Kirchheimerinnen läuft im Radio. "Es hat Spaß gemacht zu sehen, wie Radio funktioniert", freut sich Nina. Franziska kann sich sogar vorstellen, später einmal beim Radio zu arbeiten. "Es ist viel direkter als die Schülerzeitung", beurteilt Jenny das Medium. Neben allem Spaß hat Tamara aber auch eine Schwierigkeit der Recherche beobachtet: "Viele Leute kriegen die Krise, wenn sie das Mikro sehen", sagt sie.

Nach all der Arbeit winkt dann aber auch noch jede Menge Vergnügen in Form von Achterbahn-Fahrten oder 4D-Kino. Und das Beste daran: Als Junior-Journalistinnen gelten die Vier an diesem Tag als V.I.P.-Gäste und müssen nirgendwo anstehen.