Lokales

Erlebnisreicher Tag für alle Sinne

Baden-Baden und die Ausstellung "Chagall in neuem Licht" im Museum Frieder Burda waren das Ziel des jüngsten Ausflugs des Kreislandfrauenvereins.

KIRCHHEIM Unverzichtbar für das Kennenlernen einer Stadt sind souveräne Stadtführerinnen und so erkundeten 49 Landfrauen auf eindrucksvolle Art und Weise die 2000-jährige Geschichte Baden-Badens. Die Römer waren es einst, die die Bädertradition begründeten, die Heilkraft der warmen Quellen erkannten und prunkvolle Thermen schufen. Daraus hat sich das heutige Weltbad Baden-Baden entwickelt und Gäste aus aller Welt sind dort daheim. Kaiser, Könige, Politiker, Wissenschaftler und Künstler fanden und finden sich im eleganten Gesellschaftsbad, der "Sommerhauptstadt Europas", ein.

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Die Stadt an der Oos wurde von Zerstörungen im 2. Weltkrieg verschont, und es ist meisterhaft gelungen, die richtige Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung zu halten. Große und renommierte Hotels, das Festspielhaus, ein beeindruckender Gang durch das Casino, die Lichtentaler Allee als berühmte Flaniermeile sie alle lassen noch das Fluidum großbürgerlicher Eleganz spüren.

Das zweite Ziel für die Landfrauen war das erst zwei Jahre alte Museum Frieder Burda, erbaut nach Plänen des New Yorker Architekten Richard Meier, in der Lichtentaler Allee, verbunden durch eine gläserne Brücke mit der staatlichen Kunsthalle. Privatmann Frieder Burda präsentiert in seinem Museum zeitgenössische Kunst. Derzeit gilt der Besucheransturm der Ausstellung "Chagall in neuem Licht". Marc Chagall brach mit seinen werken Sehgewohnheiten auf, und als Künstlerpersönlichkeit ersann er eigenständige Bilderwelten, die noch kurze Zeit in Baden-Baden öffentlich präsentiert werden und in ihrer Zusammenstellung bestechen.

Mit einer fundierten Einführung zum Leben und Arbeiten Chagalls zeigte Ursula Straatmann den Besucherinnen auf, wie substanziell des Malers Beitrag zur Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert war und wie einmalig seine mythische Bildsprache geworden ist. Mit der ihr eigenen verständlichen Ästhetik wählte die Kunsthistorikerin aus den gezeigten 100 Hauptwerken die heraus, die aufgrund ihrer hohen Qualität und ihrem homogenen Erscheinungsbild besonders ermöglichten, sich mit dem Künstler und seinen eigenständigen Bilderwelten auseinanderzusetzen. Politische und gesellschaftliche Situationen bedeuteten für die Kunst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts immer wieder neue Herausforderungen und die emotionale Eigenschaft Chagalls "Farben" rückt in den Vordergrund. Seine russische Heimat, das häusliche Milieu in dem er aufwuchs, der innige Bezug zur Farbe nach den anfänglich deutlich dunkel gemalten Bildern und eine grundlegende Veränderung seines Bildraumes sorgen für Chagalls Einmaligkeit in der Kunst seiner Zeit.

rr