Lokales

Ernährung für MS-Kranke wichtig

KARIN AIT ATMANE

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DEIZISAU Rund 60 Betroffene kamen und hatten Gelegenheit, viele Fragen an Ernährungswissenschaftlerin Jutta Feußner von der AOK zu stellen. Das Thema Ernährung stand bei einer Mitglieder-Umfrage der AMSEL weit oben auf der Wunschliste. Trotzdem waren die Veranstalter über den guten Besuch des Vortrags überrascht, zumal viele Leute dabei waren, die bisher noch nie mit der Kontaktgruppe zu tun hatten. Eine Diät, die Multiple Sklerose heilt, gibt es nicht, stellte Ökotrophologin Jutta Feußner gleich zu Anfang klar aber Ernährung sei eine große Hilfe im Leben mit der Krankheit.

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Krankheit, und deshalb spielt Arachidonsäure eine Rolle. Diese ungesättigte Fettsäure wird im Körper zu Eikosanoiden umgebaut, also zu Stoffen, die "Entzündungen am Laufen halten", erklärte Feußner. Arachidonsäure ist praktisch nur in tierischen Lebensmitteln enthalten. Sehr hohe Anteile haben Schweineschmalz, Schweineleber und andere Innereien, Eigelb, Tunfisch und auch Milchprodukte, besonders, wenn sie einen hohen Fettgehalt haben. Dass Arachidonsäure entzündungsfördernd wirkt, ist auch durch Studien belegt. Diese beziehen sich zwar nicht auf MS, sondern auf Rheuma, die Zusammenhänge sind aber ähnlich. Es sei belegt, dass ungefähr 50 Prozent der Rheumatiker positiv auf eine vegetarische Ernährung reagieren, sagte Feußner. Von Multipler Sklerose weiß man, dass sie in Ländern mit hohem Butterverzehr häufiger auftritt als dort, wo pflanzliche Öle bevorzugt werden.

Was heißt das nun praktisch? Wie viel Gramm Arachidonsäure am Tag dürfen sein? Statt ständig zu rechnen, empfiehlt Feußner Faustregeln: fünf Portionen Obst und Gemüse täglich, für MS-Kranke höchstens zwei Mal Fleisch oder Wurst die Woche, nur zwei Eigelb inklusive der "versteckten", viel Vollwert-Nahrung und Trinken, wobei fettarme Milchprodukte zu bevorzugen sind. Wer das tut, hat auch eine gute Portion Anti-Oxidantien, die entzündliche Prozesse bremsen. Zu ihnen gehören Vitamin C und Vitamin E.

Radikaldiäten zu machen oder Ernährung zur Religion zu erheben, hält die Fachfrau für nicht sinnvoll alltagstauglich und für die ganze Familie akzeptabel soll es sein. Die vielen detaillierten Fragen machten deutlich, wie stark das Thema Ernährung die MS-Betroffenen beschäftigt: Welches Öl ist am besten? Stimmt es, dass grüner Salat nicht hochwertig ist und dass fast kein Selen mehr im Brot steckt? Was bedeutet texturiertes Soja, wirkt grüner Tee antioxidativ? Jutta Feußner antwortete differenziert und pragmatisch. Wer partout keinen Naturreis mag, nehme als Kompromiss Parboiled-Reis. Und wer, wie ein Frager aus dem Publikum, jeden Tag die empfohlene Wochenration Fleisch verspeist, könnte ja mal mit einem fleischfreien Tag pro Woche beginnen.