Lokales

Erneuerbare Energien im Blick

Zu Brunch und Bundespolitik hatte der Esslinger Kreisverband der Grünen gestern in die Seegrasspinnerei geladen. Mit den beiden Bundestagsabgeordneten Dr. Antje Vogel-Sperl und Dr. Uschi Eid sowie dem Landtagsabgeordneten Winfried Kretschmann waren alle hochrangigen Vertreter des Kreisverbandes gekommen, um Zukunftsausblicke zu präsentieren und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.

BARBARA GOSSON

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NÜRTINGEN Der Kreisvorsitzende, Matthias Weigert, begrüßte die Gäste in der Seegrasspinnerei. In einem Rückblick auf das 25-jährige Bestehen des Kreisverbandes erinnerte Matthias Weigert an die Jubiläumsveranstaltungen, aber auch an die tagesaktuellen Kampagnen zu Ökostrom und gesunder Ernährung an Kindergärten. Unter Federführung der Grünen sei die Firma "Sonnenstrom Neckar, Fils, Fildern" gegründet worden, die kreisweit nachhaltig erzeugten Strom anbietet.

Die Fildermesse sei leider ein Misserfolg. Man dürfe aber den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern müsse darauf achten, dass nicht im Windschatten der Messe noch mehr Fläche zersiedelt wird. Überschattet werde aber alles durch die Flutkatastrophe in Südostasien. Hier sei Uschi Eid als Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit daran beteiligt, die Hilfen der Bundesregierung zu koordinieren. Die Ereignisse zeigten auch, dass der entwicklungshilfepolitische Ansatz der Grünen aktueller denn je sei.

Marianne Erdrich-Sommer und Ingrid Grischtschenko gingen in ihren Grußworten auf die regionale Situation ein. "Die Kreisumlage wird zur Bewährungsprobe werden", ist Marianne Erdrich-Sommer überzeugt. Winfried Kretschmann hatte bereits die Landtagswahl 2006 im Blick. Er werde als designierter Spitzenkandidat für seine Partei in den Wahlkampf gehen. Auf dem Landesparteitag im Herbst werde er sich dem Votum der Partei stellen. In einer Zeit, in der sich Menschen im Schnitt nur fünf bis zehn Minuten täglich mit Politik auseinandersetzen, müsse man die Betonung auf die Ziele legen. "Wir waren immer stark in der politischen Disziplin, reinen Wein einzuschenken", sagte Kretschmann zur aktuellen Haushaltslage. Vieles müsse der Markt selbst machen, doch vor allem bei der Bildung müsse der Staat handlungsfähig bleiben. Die Grünen hätten deshalb ein Programm zum lebenslangen Lernen aufgelegt.

Zum Thema Energie sagte Kretschmann, man arbeite an einem strategischen Bündnis mit Kommunnen und Stadtwerken, damit die Städte möglichst viel Strom selbst produzieren könnten. Er rief dazu auf, nicht in Pessimismus zu verfallen. "Unser Lebensstandard wird sinken, aber wir haben auch 1980 nicht in Höhlen gelebt." Dr. Antje Vogel-Sperl zog eine positive Bilanz der bisherigen Arbeit von Rot-Grün. "Weder bei der Maut, noch bei Hartz IV. hat es ein Chaos gegeben". Sie berichtete von der Klausurtagung in Wörlitz, die sich mit dem Weg ins postfossile Zeitalter nach dem Öl befasste. "Ein hoher Ölpreis ist eine Wachstumsbremse", stellte Vogel-Sperl fest. Es müsse eine Lösung für den Energiebedarf der Schwellenländer gefunden werden und man müsse bedenken, dass das Öl in politisch instabilen Regionen gefördert werde. Insofern sei der Weg weg vom Öl hin zu erneuerbaren Energien eine ökologische, ökonomische, friedens- und entwicklungspolitische Notwendigkeit. Das Ziel bis 2020 nennt sich nach der Wörlitzer Erklärung, an der Vogel-Sperl maßgeblich beteiligt war, "4 x 25". Das bedeutet, dass bis 2020 25 Prozent der stofflich genutzten, der Stromversorgung, der Wärmenutzung und der Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien gewonnen werden sollen. Die erneuerbaren Energien seien ein Innovationsthema und schaffen Arbeitsplätze. "Da gehen Ökologie und Ökonomie Hand in Hand", machte die Abgeordnete deutlich.

Dr. Uschi Eid kam direkt von einer Konferenz der Gemeinschaft der kleinen Inselstaaten (SIDS) auf Mauritius. Die kleinen Inselstaaten sind von einem Anstieg des Meeresspiegels am stärksten betroffen. "Die Bilder der Flutkatastrophe lassen uns nicht los, aber in anderen Regionen der Welt findet jeden Tag ein Tsunami statt", mahnte Uschi Eid, andere Krisenregionen nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Auf der SIDS-Konferenz habe man die vom Ölexport abhängigen Staaten ermutigt, erneuerbare Energien, die sie selbst produzieren könnten, einzusetzen, was in einigen Karibik-Staaten bereits mit Erfolg praktiziert werde.