Lokales

Erneut sehr gute Noten für die Suchtvorbeugung

Suchtprävention wird im Landkreis Esslingen seit Jahren großgeschrieben. 2006 wurde der Kreis nun zum dritten Mal im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs "Vorbildliche Strategien kommunaler Suchtvorbeugung" für seine Arbeit prämiert.

ANKE KIRSAMMER

Anzeige

KREIS ESSLINGEN Der bundesweit höchste Preis für die Suchtvorbeugung durch das Bundesgesundheitsamt, die Bundesdrogenbeauftragte und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestätigt den umfassenden und wirkungsvollen Ansatz im Landkreis Esslingen. Besonders herausgestellt wurde bei der Prämierung die landkreisweite Aktion "Jugendschutz und Alkopops/Alkoholprävention", die der Kreis gemeinsam mit der Polizeidirektion Esslingen organisiert hatte. Im Rahmen der kommunalen Kriminalprävention wurden kreisweit die Städte und Gemeinden, Vereine, Veranstalter, Einzelhandel und Verkaufstellen für das Thema sensibilisiert. Viel Lob gab es auch für die Angebote im Bereich "Kinder suchtbelasteter Eltern" mit Familienwochenenden, Familientreffen und Kindergruppen. Landesweit einmalig ist das gemeinsam mit dem Landkreis Göppingen modellhaft erprobte Peer-Projekt an Fahrschulen.

Landrat Heinz Eininger geizte in der gestrigen Sitzung des Sozialausschusses nicht mit Lob: "Was hier unter Federführung von Elke Klös erreicht wurde, ist beispielhaft." Die Auszeichnung sei auch Ergebnis einer sehr guten Organisation. Bundesweit ist der Landkreis Esslingen die einzige Körperschaft, die in diesem Wettbewerb zum dritten Mal prämiert wurde. Lorbeeren erntete auch das eng mit der Prävention verwobene Suchthilfenetzwerk im Landkreis Esslingen. "Unser Angebot wurde vom Sozialministerium als vorbildlich bezeichnet", so Sozialdezernent Dieter Krug. Zur Komplettierung des Angebots fehle zwar eine Tagesklinik, hier arbeite der Landkreis aber unter anderem gut mit Stuttgart zusammen.

Die Suchtprävention im Landkreis wurde bereits 2002 auf Bundesebene ausgezeichnet: Damals stachen das umfassende Grundkonzept, die Vernetzung mit über 150 Einrichtungen und das differenzierte Angebot vom Kindergarten bis zum Altenbereich. Vor zwei Jahren imponierten das Preisgericht die systematischen Maßnahmen bei der Prävention des Rauchens besonders an Schulen und in Betrieben sowie in der Jugendarbeit.

Die neuerliche Auszeichnung bekräftigt die Landkreisverwaltung darin, dass sie mit der Arbeit in der Suchtprävention mit dem Aktionskreis und der Beauftragten für Suchtprophylaxe auf dem richtigen Weg ist. Neben dem Landkreis finanzieren das Sozialministerium und die Krankenkassen die Koordinierungsstelle mit. Viele Projekte auf hohem fachlichen Niveau und nach dem neuesten wissenschaftlichen Stand sind nur möglich durch die enge Zusammenarbeit mit der Jugend- und Drogenberatung, den psychosozialen Beratungsstellen und dem schulischen Suchtbeauftragten des Regierungspräsidiums. Finanziert werden sie häufig über Sozialsponsoring in Höhe von rund 40 000 Euro von Betrieben, Banken und Vereinen sowie über Landesmittel.

Derzeit beschäftigt sich der Aktionskreis Suchtprophylaxe, der sich aus Kuratorium, Geschäftsführung, Fach- und Volunteers-Gruppen zusammensetzt, mit dem Themenschwerpunkt Familienorientierte Suchtvorbeugung. "Wir wollen Eltern mehr einbinden und sie mehr in die Verantwortung nehmen", sagte die Beauftragte für Suchtprophylaxe, Elke Klös. Für die Suchtvorbeugung im frühen Kindesalter beispielsweise bieten Volunteers Elternabende in Kindertageseinrichtungen an; gemeinsam mit den psychologischen Beratungsstellen wurde unter anderem eine "Elternschule" zusammengestellt. Schwerpunkt des Rundbriefs für alle Kindertageseinrichtungen waren 2006 die Themen "Prävention von Ess-Störungen" sowie "Umgang mit Kindern aus suchtbelasteten Familien".

Hauptaugenmerk der Suchtprävention liegt im schulischen Bereich. So werden in der Fachgruppe "Suchtvorbeugung in der Schule" Entwicklungen besprochen und Angebote erarbeitet. Unterstützt werden Schulen mit Projekten wie "Future for all", dem Schülermultiplikatorenseminar und der bundesweiten Kampagne "Be smart don't start". Neben Lehrern und Schülern ist beabsichtigt, wiederum die Eltern zu sensibilisieren. "Dahinter steckt die Idee, dass Erwachsene den Jugendschutz erfüllen", betonte Elke Klös.

Als wirkungsvoller Baustein hat sich offenbar das Peer-Projekt an Fahrschulen bewährt. Dazu werden ehrenamtliche, junge Leute ausgebildet, die sich mit Fahrschülern über den Umgang mit Drogen und Alkohol im Straßenverkehr auseinandersetzen. Inzwischen beteiligen sich 14 Fahrschulen im Landkreis an dem Projekt.

Die erneute Auszeichnung der Arbeit in der Suchtprävention wurde im Rund mit anerkennenden Worten gewürdigt: Robert Bolsinger (CDU) lobte die Vernetzung der Institutionen und die damit verbundene Effizienz. SPD-Sprecherin Solveig Hummel war beeindruckt von der Fülle an neuen Zielgruppen. "Für mich ist das der einzig gangbare Weg, mit dem Problem Sucht umzugehen", sagte Heike Habermann von den Grünen. Die von Johanna Fallscheer (Freie Wähler) geforderten "Erfolgszahlen" konnte Elke Klös zwar nicht liefern. Als Erfolg wertete sie aber beispielsweise, dass sich im Landkreis 30 Prozent der Suchtkranken erreichen ließen, während es bundesweit durchschnittlich nur zehn Prozent seien. "Uns bedrückt allerdings, dass wir die Vereine beim Thema Prävention kaum erreichen". Als eines der wenigen positiven Beispiele griff sie die Gemeinde Holzmaden heraus.

Kopfzerbrechen bereitet Elke Klös das "Kampftrinken" Jugendlicher. "Dagegen müssen wir noch eine Strategie entwickeln."