Lokales

Ernste Absichten und Option zum Nachbessern

Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle stellte in jüngster Sitzung den Haushalt 2005 sowie den Wirtschaftsplan der Wasserversorgung vor. Das Haushaltsvolumen beträgt 5,9 Millionen Euro.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Der blaue Einband des Bissinger Haushaltsplans 2005 hat nichts mit dem Wasserschaden im neuen Rathaus zu tun. Er symbolisiert auch nicht die mysthische Suche nach der blauen Blume. Es ist nach den Worten Wolfgang Kümmerles vielmehr ein "frisches Blau", das signalisiert: "Die Ärmel hochkrempeln und nicht länger lamentieren".

Etwas war anders: Trug die Verwaltung bei früheren Haushaltsplänen die Zahlen bis zur Einbringung zusammen, so waren diese bereits zuvor in etlichen Ratssitzungen von den Bürgervertretern unter die Lupe genommen und überarbeitet worden. In diesem Zusammenhang erinnerte der Bürgermeister an die Hiobsbotschaft vom vergangenen November. Damals musste er ein Haushaltsloch von 400 000 Euro bekanntgeben. "Mit vereinten Kräften haben wir in drei Beratungen rund 150 000 Euro an Ausgaben vermindern und die Einnahmen um 100 000 Euro erhöhen können", erinnerte Wolfgang Kümmerle das Ratsgremium. Dazu trugen auch die höheren Grund- und Gewerbesteuern bei.

Der Verwaltungs- und Vermögenshaushalt ist mit rund 5,9 Millionen Euro lediglich um 31 000 Euro höher als das Vorjahresetatvolumen. Bei den Personalausgaben setzten die Bissinger den Rotstift an. Die Verhandlungen um eine neue Wochenarbeitszeit sind allerdings noch nicht in trockenen Tüchern.

Um den Haushalt 2005 genehmigt zu bekommen, wird die Gemeinde im Gewerbegebiet Bodenäcker ein Grundstück um 330 000 Euro verkaufen. Außerdem ist eine Kreditaufnahme von 152 000 Euro notwendig. Der Verwaltungschef ist sich sicher, damit den Etat ausgleichen zu können.

Lange Gesichter verursachten die Haushaltslagen bei Bund und Land auch in der Seegemeinde und es tröstet dort niemand, dass es in den Kassen der Regierungen in Berlin und Stuttgart nicht anders aussieht als am "Sai". Der Ausblick auf die nächsten Jahre lässt weder Verwaltung noch Gemeinderat aufatmen, da die Talfahrt der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung von Bürgermeister Kümmerle anhält und eine Verbesserung der kommunalen Einnahmen nicht in Sicht ist.

Für 2005 nahmen sich die Bissinger vor, für Rathaus, Schule, Feuerwehr und Bauhof die noch erforderlichen Geräte anzuschaffen. Zu den wesentlichen Aufgaben gehört auch die Erschließung der Kleintierzucht- sowie der Kleingartenanlage im Gewann "Täle/Kobel" und eine bauliche Verbesserung am Schafstall Ochsenwang. Privates Engagement im Rahmen der Ortskernsanierung II will die Gemeinde weiter konsequent fördern.

Der Wirtschaftsplan der Wasserversorgung 2005 ähnelt dem des Vorjahres. Schwerpunkt der Investitionen bildet die Erneuerung der Wasserleitung zu den Heidhöfen in Ochsenwang. Es sei aber möglich, dass der Bau einer neuen Wasserleitung zur Ziegelhütte und zum Randeck vorgezogen werden müsse, so der Bürgermeister. Grund dafür sind Synergieeffekte für die Gemeinde beim Bau der Abwasserdruckleitung.

Gemeinderat Siegfried Nägele stellte fest, dass das Zahlenwerk bereits vor der Einbringung mehrmals diskutiert und ausführlich beraten wurde. Nach seiner Meinung dokumentiere der Haushaltsplan einerseits ernste Absichten, andererseits signalisiere das Zahlenwerk: "Wenn sich die Lage verschlechtert, müssen wir reagieren".

Der Haushaltsplan soll nach einer öffentlichen Auslegung in der Ratssitzung am 12. April verabschiedet werden.