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"Erst die Hausaufgaben, dann die Sportschau"

Die Prioritäten der Weilheimer Stadtverwaltung sind klar: Erst der Bau einer großen Ballspielhalle beim Stadion, dann die Erneuerung der Schulturnhalle an der Limburg-Grundschule. Das sehen einige Stadträte anders. Ihre Devise lautet: "Erst die Pflicht und dann die Kür."

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM 50 000 Euro hat die Verwaltung in ihren Haushaltsplanentwurf 2008 für die große, bereits mehrfach aus finanziellen Gründen auf die lange Bank geschobene Ballspielhalle eingestellt. Baubeginn soll gemäß den Planungen der Stadt im kommenden Jahr sein. Erst in einem zweiten Schritt ist der Neubau der in die Jahre gekommenen Schulturnhalle vorgesehen. Eine Reihenfolge, die einigen Stadträten nicht behagt. Während der Haushaltsdebatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung plädierte die Unabhängige Wählervereinigung (UWV) deshalb für ein Vorziehen der Turnhalle bei der Limburg-Grundschule. Zwar hält die Gruppierung eine weitere Halle beim Stadion ebenfalls für "sinnvoll und wünschenswert", Pflichtaufgabe der Stadt sei es aber, als Schulträger die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass den Schülern der vorgeschriebene Unterricht erteilt werden könne, argumentierte Stadtrat Albrecht Narr. In den Genuss des im Lehrplan vorgeschriebenen Sportunterrichts von drei Stunden pro Woche kämen in der Limburg-Grundschule aber nur die Erstklässler. Auch die Förderschüler müssten beim Sportunterricht Abstriche machen. Narr bezog sich dabei auf Aussagen der Rektoren der beiden Schulen. "Der Neubau einer größeren Schulsporthalle ist deshalb nötig", sagte der Stadtrat. Eine Ballspielhalle beim Stadion bringe für die Förder- und Grundschulen überhaupt nichts und für die Haupt- und Realschule allenfalls in den Klassenstufen acht bis zehn am Nachmittag etwas. Derzeit reiche das Angebot für Haupt- und Realschule allerdings aus.

Demgegenüber stellte Narr in Frage, dass die Turnhalle der Limburg-Grundschule den Schülern noch zugemutet werden könne. Das Gebäude sei nicht barrierefrei, die Elektrotechnik entspräche nicht mehr den sicherheitstechnischen Anforderungen, Bauteile wie Dach, Außenwände und Fenster genügten nicht den Vorschriften der Wärmeschutzverordnung, die Fassade aus Glasbausteinen habe keine Prallwandfunktion und harte Betonkanten sowie Flächen seien teilweise nicht verkleidet. "Und wer garantiert uns, dass wir in fünf bis sieben Jahren noch so hohe Einnahmen haben werden, dass wir die Turnhalle Limburg-Grundschule finanzieren können?", gab Narr zu bedenken. Er beantragte, die für die Planung der Ballspielhalle am Stadion eingestellten Mittel für die Planung eines Neubaus der Turnhalle Limburg-Grundschule zu verwenden. Mit dem Vorhaben sei schnellstmöglich zu beginnen. Der UWV schwebt ein zügiger Bau von Ostern bis Sommer 2009 mit einer genormten Halle vor.

Ins gleiche Horn stieß SPD-Mann Peter Werner: Er warnte vor dem Einstieg in "neue Freiwilligkeitsleistungen". Angesichts der wirtschaftlichen Lage bestehe Anlass zu verhaltenem Optimismus, nicht aber zu Euphorie. Notwendige Investitionen in die Erhaltung seien zum Teil jahrelang aufgeschoben worden, so beispielsweise auch das Projekt Schulsporthalle Limburg-Grundschule. "Die Prioritäten sind für mich eindeutig: Erhalt des Bestehenden vor Neubau, Schulturnhalle vor Vereinssporthalle." Werner beantragte schließlich, die Kosten von rund drei Millionen Euro für die Ballspielhalle nach 2011 einzuordnen und dafür die rund zwei Millionen Euro teure Schulsporthalle auf die Jahre 2010 beziehungsweise 2011 vorzuziehen. Seine Meinung brachte der Lehrer bildlich auf den Punkt: "Erst werden die Hausaufgaben gemacht, dann kann man die Sportschau gucken."

Hinter die Verwaltung stellte sich indes die Freie Wählervereinigung (FWV): "Der aus unserer Sicht schon lange überfällige Neubau einer großen wettkampftauglichen Sporthalle für Jung und Alt sollte nicht mehr länger hinausgezogen werden", erklärte Joachim Naasz. Im Übrigen teile die FWV die Bedenken nicht, dass die Schulsporthalle der neuen Halle zum Opfer fallen würde. Naasz geht vielmehr davon aus, dass die Ballspielhalle Garant sein könnte, um den Sportunterricht während der Sanierung beziehungsweise während des Neubaus der kleinen Sporthalle aufrechtzuerhalten.

Darauf setzt auch Gerda Schrägle von der Sozialen Bürgervereinigung (SBV). Sie warf darüber hinaus in die Waagschale, dass sich in der Stadt die Hallenkapazität durch den Neubau um drei weitere Übungseinheiten für den Schul- und Vereinssport erhöhe. Unterstützen will die SBV mit einem guten Sportstättenangebot auch die Entwicklung weg vom Leistungssportgedanken hin zur Gesundheitsprävention für Jung und Alt. "Mit einem besseren Raumangebot für den Vereinssport würden wir zudem die Leistungen der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter anerkennen, die sich seit Jahren für den Breitensport engagieren", sagte Gerda Schrägle. "Wenn nicht jetzt, wann dann können wir ein solches Projekt schultern?" In der Haushaltsdebatte vor einem Jahr hatte die SBV beantragt, die Sanierung beziehungsweise Erweiterung der Turnhalle an der Limburg-Grundschule in den mittelfristigen Finanzplan aufzunehmen. Nach dem Untersuchungsergebnis des Architekten könne die Halle, wenn auch eingeschränkt, aber noch eine gewisse Zeit genutzt werden, so Gerda Schrägle.