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Erste Ausbildungsverträge sind in der Tasche

Für die Schüler der 10 d neigt sich die Zeit an der Kirchheimer Freihof-Realschule dem Ende zu. Nicht für alle steht fest, wie es weitergehen soll, wenn die mittlere Reife erst einmal geschafft ist. Einige der Jugendlichen allerdings wissen schon ganz genau was sie wollen, und manche haben sogar schon Ausbildungsverträge in der Tasche.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM Elisa weiß genau was sie will: "Ich möchte OP-Schwester werden", sagt die 16-Jährige. In den vergangenen Monaten schickte die Schülerin der 10 d zahlreiche Bewerbungen an verschiedene Kliniken. "Die meisten haben geschrieben, dass ich noch zu jung bin und daher ein Freiwilliges Soziales Jahr machen soll", berichtet sie. Diesen Rat beherzigte die Zehntklässlerin mit Erfolg: " Ich habe einen FSJ-Platz im Kirchheimer Krankenhaus bekommen", freut sie sich.

Vor der Zusage wurde die 16-Jährige jedoch erst einmal genau unter die Lupe genommen: "Ich habe zwei Tage lang hospitiert", erzählt Elisa. Anschließend fand ein Bewerbungsgespräch statt. Bei dem Einführungspraktikum stellte die Schülerin dann fest, dass die Arbeit im Krankenhaus genau das Richtige für sie ist: "Zum Beispiel musste ich den Patienten Essen geben und sie pflegen." Jetzt hofft die Schülerin, dass aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) noch mehr wird, und sie ein Jahr später eine Ausbildung als OP-Schwester beginnen kann.

Freiwilliges Soziales JahrAuch Annika hat sich dafür entschieden, zunächst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr zu leisten. Zwar hat sie noch keine Stelle, aber ihre Bewerbung bei einem Jugendmissionswerk läuft bereits. Im Anschluss daran kann sich die 16-Jährige vorstellen, eine Ausbildung zur Medizinisch Technischen Laborassistentin (MTLA) zu absolvieren. Nicht die schlechteste Wahl, glaubt Annika "auch wenn ich noch nicht hundertprozentig sicher bin, ob MTLA wirklich das Optimale für mich ist".

Einen Rückschlag auf dem Weg zu ihrem Traumberuf hat Tania erlebt: "Nachdem ich mein Praktikum bei der Volksbank absolviert habe, war ich mir sicher, dass ich Bankkauffrau werden will", berichetet sie. In den Sommerferien legte sich die 17-Jährige kräftig ins Zeug und schickte eine ganze Reihe von Bewerbungen los. Kurz darauf wurde die Zehntklässlerin zusammen mit 30 Mitbewerbern zu einem Einstellungstest eingeladen: "Leider habe ich nicht genügend Punkte bekommen", bedauert sie. Auch bei den anderen Tests konnte sich die 17-Jährige nicht durchsetzen. "Es ist ja klar, dass jemand, der Abitur hat, eher genommen wird als jemand mit Realschulabschluss", glaubt die Schülerin. Darauf reagiert hat sie ganz pragmatisch: "Ich habe angefangen, mich nach etwas anderem umzuschauen." Tanias neuer Plan lautet: kaufmännisches Berufskolleg. Dort möchte sie sich zwei Jahre lang weiterbilden und dann die Fachhochschulreife ablegen.

Simons Traum ist es, Journalist zu werden. Darum steht für ihn fest: "Ich werde das Abitur machen." Ab September wird der 16-Jährige deshalb das Wirtschaftsgymnasium in Kirchheim besuchen. Probleme damit, noch einmal für ein paar Jahre die Schulbank zu drücken, hat Simon nicht: "Weiterlernen ist für mich okay", sagt er. Was genau nach dem Abitur kommt, weiß Simon noch nicht. Er kann sich aber durchaus vorstellen, zu studieren.

Stelle im Kindergarten"Mittlerweile weiß ich, was ich machen will", freut sich Franziska. Ein Praktikum als Hotelfachfrau in den Sommerfreien führte der 15-Jährigen vor Augen, dass dies nicht der geeignete Beruf für sie ist. Stattdessen freundete sie sich mit dem Gedanken an, Erzieherin zu werden, absolvierte ein Praktikum in einem Kindergarten und bewarb sich schließlich für eine Ausbildung. "Die Stadt Kirchheim hat mir bereits einen Ausbildungsplatz in einem Kindergarten zugesichert", freut sich die Zehntklässlerin. "Das Bewerbungstraining in der Schule hat schon was gebracht", glaubt die 15-Jährige.

"Jetzt brauche ich noch einen Platz in einer Berufsschule", weiß Franziska. Dafür bewerben kann sie sich jedoch erst im Februar mit ihrem Halbjahreszeugnis. "Ich hoffe, dass ich in der Schule in Nürtingen genommen werde." Vier Jahre dauert die Ausbildungszeit zur Kindergärtnerin. "Währenddessen kann ich auch gleich noch die Fachhochschulreife machen und danach zum Beispiel Sozialpädagogik studieren."

Traumjob Elektroniker"Ich habe schon einen festen Ausbildungsplatz als Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik", erzählt Markus. Damit ist für den 16-Jährigen ein Traum in Erfüllung gegangen. "Freunde von mir lernen das und sind total begeistert", erzählt der Zehntklässler, wie er auf die Idee kam, Elektroniker zu werden. Bevor er den Zuschlag der Kirchheimer Firma erhielt, wurde der Realschüler zu einem Einstellungstest und einem Vorstellungsgespräch eingeladen. "Das Gespräch war sehr kurz und locker", berichtet Markus. "Für die drei Tests habe ich dann aber jeweils eine Stunde gebraucht", erzählt er. Geprüft wurde darin sein mathematisches und elektronisches Denken.

Markus ist ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, sich rechtzeitig auf dem Arbeitsmarkt umzuschauen und zu bewerben. Bereits in der neunten Klasse hatte er sich beworben, die Zusage flatterte ihm dann im September vergangenen Jahres ins Haus und das, obwohl die betriebliche Ausbildung noch nicht im Herbst dieses Jahres, sondern erst 2008 beginnt: "Weil auf der Realschule wenig Elektronik unterrichtet wird, muss ich vorher noch ein Jahr lang auf die Elektronikerschule gehen", sagt Markus.

Jetzt schon eine Ausbildung zu beginnen kommt für Erma dagegen nicht in Frage. Sie ist sich noch unsicher, was sie später einmal werden möchte: "Ich habe ein viel angenehmeres Gefühl, wenn ich an eine weiterführende Schule denke", sagt sie: "Nach meinem Abi werde ich reifer sein und meine Berufswahl sicherer treffen können." Eine Entscheidung steht für die 16-Jährige dennoch an: Sie muss nun wählen, ob sie aufs WG geht oder ein Sozialpädagogisches oder gar Biotechnisches Gymnasium besuchen möchte: "Mir liegt Bio, aber ich kann auch Sprachen und Mathe", sagt Erma. Auch nach dem Abi soll für sie noch nicht Schluss sein mit lernen, "ich habe ein Studium im Visier", verrät die 16-Jährige.

Weiterführende Schule"Ich weiß, dass es in Richtung Sprachen und Wirtschaft gehen soll", gibt Sinah Einblick in ihre Zukunftspläne. "Aber es steht fest, dass ich mindestens die Fachhochschulreife benötige, um meine Ziele in Zukunft zu erreichen." Der große Traum der Zehntklässlerin ist es, Dolmetscherin zu werden er liegt aber noch in weiter Ferne: "Zurzeit scheint es so, als ob ich diesen Beruf nie erreichen werde, weil ich dafür ,normales' Abitur benötige und als Grundlage Latein brauche", ist sich Sinah bewusst.

Doch nicht alle Schüler der 10 d sind sich schon im Klaren darüber, was sie nach der mittleren Reife machen wollen. "Es ist erstaunlich, wie wenige etwas haben", sagt Klassenlehrer Walter Reininger. Zwar gebe es noch die Möglichkeit, sich für weiterführende Schulen und handwerkliche Berufe zu bewerben, bei den großen Firmen sei der Bewerbungsschluss für die betriebliche Ausbildung jedoch schon vorbei. "Da werden manche Schüler noch eine Warteschleife über das Berufskolleg drehen müssen", prophezeit er.