Lokales

Erste hundert Tage von "Sprungbrett"

Die Stadt Ostfildern bietet mit dem Projekt "Sprungbrett" schwer vermittelbaren Arbeitslosen eine neue Chance. Ein bisher in Deutschland einzigartiges Netzwerk aus Beratern, Firmenkontakten und Arbeitsvermittlern begleitet Jugendliche unter 25 Jahren bis zu einem Job.

KARIN BROCKMEIER

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Das Projekt wurde von der Bundestagsabgeordneten Karin Roth (SPD) initiiert und von der Kinder- und Jugendarbeit Ostfildern zusammen mit dem Kreisjugendring Esslingen (KJR) in die Tat umgesetzt. Es richtet sich an Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die bisher ohne Erfolg auf Arbeitssuche waren und durch das Raster der Arbeitswelt gefallen sind.

Jugendliche haben durch Hartz IV ein Recht auf Ausbildung und Arbeitsvermittlung. Das neue Gesetz hat dieses Projekt überhaupt erst möglich gemacht, betonte Karin Roth bei einer ersten Bilanz nach 100 Tagen "Sprungbrett". Früher wäre diese Idee nicht finanzierbar gewesen. Außerdem kann jetzt die Arbeitsvermittlung direkt mit der Jugendarbeit zusammenarbeiten. Die jungen Arbeitslosen müssen durch die Arbeitsgemeinschaft Esslingen (ARGE) an Gerhard Bauer vom KJR vermittelt werden. 18 Plätze stehen zur Verfügung.

Danach beginnt ein langwieriger Prozess, bei dem zunächst nach der Ursache der Arbeitslosigkeit gesucht wird. 80 Prozent der Teilnehmer sind Spätaussiedler. Sie kämpfen mit Sprachproblemen und benötigen eine gezielte Förderung. Bei einem Teilnehmer musste nur der Führerschein in Deutschland umgeschrieben werden, damit der Mann wieder als Fernfahrer arbeiten konnte. Manche brauchen einfach die richtige Motivation und eine Beratungsstelle ohne umständliche Bürokratie, damit sie wieder auf die Beine kommen. So war es auch bei Nina Grassl, die mit 20 eine abgebrochene Ausbildung und diverse Nebenjobs hinter sich hatte und nicht mehr weiter wusste: "Alleine wäre ich nie darauf gekommen, dass es unkonventionelle Lösungen für meine Probleme gibt." Sie steht kurz davor, trotz schlechter Schulleistungen ihrem Berufsziel Raumausstatterin etwas näher zu kommen. Das Ruiter Paracelsuskrankenhaus beschäftigt die junge Frau als Malerin. Jetzt darf Nina Grassl dort auf eine Lehrstelle hoffen.

Die Räume der Kinder- und Jugendarbeit Ostfildern am Herzog-Philipp-Platz 12 stehen jedem offen, Sozialpädagoge Gerhard Bauer ist sogar am Wochenende für seine Schützlinge da. "Wir verstehen uns als Kette, in der jedes Glied den Jugendlichen ein Stück weiter in Richtung Arbeitsplatz bringt," so Bauer. Schließen müsse der Jugendliche die Kette dann allerdings selber.

Die einzelnen Glieder der Kette bestehen unter anderem aus Beratungsangeboten, sozialpädagogischer Betreuung, Sprachförderung, Bewerbungstraining, dem Erwerb von sozialen Kompetenzen und schließlich der Vermittlung von Kurzpraktika und Arbeitsgelegenheiten mit Aussicht auf eine feste Stelle. Dies geht nicht ohne einen großen Einsatz der beteiligten Unternehmen. Sie sind bereit, einem Kandidaten, dem schon mehrfach gekündigt worden ist, eine zweite Chance zu geben. Für jeden Bewerber wird eine genau passende Stelle gesucht, um Enttäuschungen auf beiden Seiten zu vermeiden. Bisher beteiligen sich am "Sprungbrett" das Krankenhaus in Ruit, der TSV Scharnhausen, die evangelische Kirche und die Kinderaktivwerkstatt. Karin Roth möchte das Projekt als nächstes in der Stadt Esslingen anbieten und es auch auf Bundesebene bekanntmachen.