Lokales

Erster Schritt zurück ins Berufsleben

Zweieinhalb Jahre lang war Britta Kaesche arbeitslos und ihre beruflichen Perspektiven waren alles andere als vielversprechend. Doch seit März hat sich für die 38-Jährige vieles zum Positiven verändert: Im Filderstädter Altenzentrum Sankt Vinzenz fand sie einen so genannten Ein-Euro-Job, im Herbst wird sie dort eine Ausbildung in der Altenpflege beginnen. Möglich macht dies das Caritas-Projekt "Aqua".

ALEXANDER MAIER

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ESSLINGEN Knapp 80 Arbeitsgelegenheiten, wie die Ein-Euro-Jobs offiziell heißen, bietet die Caritas Fils-Neckar-Alb für Langzeitarbeitslose in den Kreisen Esslingen und Göppingen an, 37 sind derzeit besetzt. "Trotz mancher Kritik, die wir auch kennen, wollten wir die regionale Arbeitsmarktpolitik unterstützen," erklärt die Esslinger Caritas-Zentrumsleiterin Lisa Kappes-Sassano. Deshalb wurde zum Jahresanfang das Projekt "Aqua" auf den Weg gebracht, das für Arbeit und Qualifizierung für Langzeitarbeitslose und junge Menschen steht.

Vermittelt werden die Klienten auf Vorschlag der Jobcenter in Stellen bei der Caritas sowie Einrichtungen der katholischen Kirche vom Altenpflegeheim über Gemeindezentren bis zu Kindergärten und Carisatt-Läden.

"Dass bisher nur knapp die Hälfte der Stellen besetzt sei, liege vor allem daran, dass wir passgenau vermitteln," erklärt Projektleiterin Jutta Birkhold. "Wir wollen niemanden zu einer Arbeit zwingen, mit der er sich nicht identifizieren kann, sondern Fähigkeiten und Neigungen berücksichtigen." Außerdem habe das Esslinger Jobcenter noch nicht genügend Bewerber zu "Aqua" geschickt, obwohl die Behörde sehr gut und schnell arbeite.

Wer vom Jobcenter in das Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt der Caritas Fils-Neckar-Alb vermittelt wird, wird zunächst zu einem Einführungsgespräch gebeten, währenddem die persönlichen Voraussetzungen und Neigungen sowie mögliche Handicaps geklärt werden. Wenn die Bewerber in ihre Arbeitsgelegenheiten vor Ort vermittelt sind, werden sie weiterhin von "Aqua" betreut: Egal, ob sozialpädagogische Hilfestellung oder Unterstützung etwa bei Bewerbungen nötig sind, oder ob die vielfältigen kirchlichen Beratungsstellen in Anspruch genommen werden, die Projektmitarbeiter ebnen die Wege.

Wer einen der so genannten Ein-Euro-Jobs erhält, darf ein halbes Jahr lang bis zu 100 Stunden monatlich arbeiten und erhält dafür 1,50 Euro pro Stunde. Die Tätigkeitsfelder reichen von Hausmeisteraufgaben über Fahrdienste und hauswirtschaftliche Tätigkeiten bis hin zu Verwaltung und Gartenpflege. Voraussetzung ist, wie bei allen Arbeitsgelegenheiten, dass die Arbeit zusätzlich und gemeinnützig sein muss, also keine regulären Arbeitsplätze ersetzen darf. "Wir achten sehr genau darauf, dass dies eingehalten wird", versichert Lisa Kappes-Sassano, wobei ihr klar ist, dass es in diesem Bereich auch Grauzonen geben kann: "Wenn wir jedoch Missbrauch bemerken sollten, müssten wir die Zusammenarbeit beenden."

Im Idealfall werden die Ein-Euro-Jobber hinterher in dauerhafte Beschäftigungen vermittelt oder wie Britta Kaesche in eine Ausbildung. Doch auch wenn der Übergang nicht nahtlos sein sollte, lohnt sich ein solcher Zusatzjob nach Einschätzung von Harald Stohrer allemal: Der 47-jährige Esslinger arbeitet seit März bei der Caritas, und obwohl sich dort bislang keine dauerhafte Beschäftigung abzeichnet, hat er sich sofort wohl gefühlt: "Ich wurde auf Anhieb sehr gut aufgenommen und war sofort im Team integriert. Wenn man zwei Jahre lang arbeitslos war, tut es gut, wieder eine Aufgabe zu haben." Und die Leiterin Lisa Kappes-Sassano macht ihm Mut: "Herr Stohrer hat sich so gut bewährt, wir könnten ihn bedenkenlos jedem Arbeitgeber empfehlen."