Lokales

"Erster Stein" in Form einer Kupferschatulle

Angesichts der gewaltigen Baugrube von 13 000 Kubikmetern nahm sich das kupferne Kästchen beinahe winzig aus. Umso gewichtiger könnte der Inhalt für die Nachwelt sein. Die mit Zeugen der Gegenwart gefüllte Schatulle dient als Grundstein für den Erweiterungsbau des Weilheimer Rathauses.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Baupläne auch in digitaler Form für den Erweiterungsbau des Rathauses, Protokolle vom Gemeinderatsbeschluss und der Grundsatzentscheidung am 20. Juli 2004, eine Liste der Gemeinderäte, eine Haushaltssatzung 2005, die mittelfristige Finanzplanung der Stadt, aktuelle Ausgaben von Mitteilungsblatt, Gewerbeblatt und Teckboten, ein Stadtprospekt sowie ein Satz Euromünzen sollen der Nachwelt Aufschluss über die Zeit des Baus geben. "Auf lebendige Opfergaben verzichten wir", sagte Bürgermeister Hermann Bauer augenzwinkernd in Anspielung auf eine Tradition in vorchristlicher Zeit. Nachdem Gemeinderat Martim Andrade mit Lötzinn vor Ort die Fugen der Kassette geschlossen hatte und die Box mit Drähten an Stahlmatten befestigt worden war, verschwand der "Grundstein" begleitet von wuchtigen Hammerschlägen und einem nicht ganz ernst gemeinten "Ruhe sanft" zwischen Schaltafeln hinter dem bestehenden Rathaus.

Gut gelaunt konnte der Schultes vor Gemeinderäten, Architekten, Vertretern verschiedener Ingenieurbüros, Baufirmen und Anwohnern die Aufstockung des Landeszuschusses für die Sanierung Stadtmitte II auf insgesamt 2,55 Millionen Euro verkünden. Zu dem Gebiet gehört neben dem 8,5 Millionen Euro teuren Projekt Rathauserweiterung mit Tiefgarage unter anderem auch der bereits abgeschlossene Umbau des Kapuzinerhauses zur Stadtbücherei.

Die Kosten für den Erweiterungsbau des Rathauses relativierte der Verwaltungschef, indem er auf den Bau des bestehenden Rathauses von 1777 verwies. "Das Projekt kostete 7000 Gulden, was sechs Jahressteuern entsprach. Das wären bei einer heutigen Jahressteuer von sieben Millionen Euro insgesamt 42 Millionen Euro Baukosten." Auch hätten die Vorfahren Schulden in Höhe von 3000 Gulden aufgenommen. Damals wurde die Veräußerung von Wiesen untersagt. "Wir verkaufen jetzt für den Rathausbau veredelte Wiesen in Form von Bauplätzen", sagte Hermann Bauer. Aktienerlöse und die Zuschüsse sollen ebenfalls zur Finanzierung ohne Kredite beitragen.

Hinter dem derzeitigen Rathaus entsteht eine zweigeschossige Tiefgarage mit insgesamt 107 Plätzen. Der durch ein Glaselement mit dem bestehenden Bau verbundene längliche Erweiterungstrakt erstreckt sich über drei Geschosse. Damit sich der Neubau in die Dächerlandschaft im Städtle einfügt, hat der Gemeinderat für ein Satteldach mit Ziegeldeckung votiert. Die Fassade soll mit Materialien wie Beton, Holz, Glas und Metall eher modern daherkommen.

Das Rathausprojekt bewegt sich Hermann Bauer zufolge im Kostenrahmen des Jahres 2001 und liegt im Zeitplan. Nach dem Spatenstich am 29. Oktober vergangenen Jahres, dem Abbruch der Gebäude, dem Aushub, der Bohrung von 19 jeweils 80 Meter tiefen Löchern für die Nutzung von Geothermie und dem Betonieren der Bodenplatte war der Zeitpunkt für das symbolische Einbringen des "ersten Steins" gekommen. Den bisherigen unfallfreien Verlauf der Arbeiten wertete Hermann Bauer als gutes Omen für den weiteren Bau und zitierte im Schillerjahr aus der "Glocke": "Holder Friede, süße Eintracht, weilet, weilet freundlich über dieser Stadt." Für das neue Rathaus möge der von Gottfried Keller stammende Satz gelten: "Lasset uns am Alten, so es gut ist, halten; doch auf altem Grund neues Wirken jede Stund."

Die Fertigstellung des Erweiterungsbaus ist für den Spätherbst 2006 vorgesehen. Dann wird mit dem Umbau des Erdgeschosses des bestehenden Rathauses begonnen.