Lokales

Erstes Midnight-Shopping im Ländle

An findigen Köpfen mangelt es nicht im baustellengebeutelten Kirchheim: Ein "Midnight-Shopping" das allererste im Ländle wird im September bis zu mitternächtlicher Stunde zum Verweilen und Bummeln in der Innenstadt einladen. Gäste, Bürger und Kunden sollen allen Widrigkeiten zum Trotz Charme und Ideenreichtum der Stadt zu schätzen wissen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Hinter dem Feuerwerk an Events, das in diesem Sommer abgebrannt, wird, steckt die Erkenntnis, offensiv um Besucher in der Kirchheimer City werben zu müssen. Die nämlich machen sich rar, seit die Innenstadt von einer Großbaustelle beeinträchtigt wird. Klar ist dabei für die betroffenen Geschäftsleute: Jeder will die neue Tiefgarage samt Geschäftskomplex am Schweinemarkt, doch momentan leidet ganz Kirchheim unter der Baustelle. Diese Crux brachten Gewerbetreibende aus dem Karree am Schweinemarkt jetzt öffentlich zur Sprache: Pünktlich zur angekündigten Bürgerfragestunde ging bei der Sitzung des Kirchheimer Gemeinderates die Tür auf. Herein strömten gut zwei Dutzend Menschen, alles Vertreter der Interessengemeinschaft "Karree am Schweinemarkt". Wohl keiner hofft so inständig wie sie auf die neuen Impulse, die ab 2006 vom Schweinemarkt ausgehen sollen. Doch jetzt schon geht das Warten an die Substanz für einige, hinter deren Geschäften der Bauzaun Kauflustigen den Weg abschneidet.

"Viele von uns stehen mit dem Rücken zur Wand", betonte stellvertretend Ulrich Kreyscher und sprach von der noch langen Durststrecke bis zum Frühjahr 2006, dem angepeilten Eröffnungstermin der neuen Tiefgarage. "Die Besucher meiden das Mittelzentrum Kirchheim", bedauerte er unter Verweis auf mangelnde Parkplätze und die schlechte Verkehrssituation. Die Folge: drastische Umsatzeinbußen.

"Wir haben massive Probleme", machte Kreyscher klar. Einzelne dächten bereits über Entlassungen und Kurzarbeit nach. "Trotzdem sind wir bereit, uns zusammenzuraufen", kam der Sprecher auf die positive Einstellung der Geschäftsleute zu den Baumaßnahmen zu sprechen und verwies unter anderem auf den "Schlachtplan", ein Faltblatt, in dem kleine und große Highlights aus dem Karree am Schweinemarkt verzeichnet sind. Ein Blick beweist: Auch am heutigen Samstag lohnt sich der Weg dorthin für alle, die den Einkaufsbummel durch Besonderheiten beleben wollen. Doch derlei Aktivitäten kosten Zeit und Geld. "Kann man uns in irgendeiner Form finanziell unter die Arme greifen?" fragte Kreyscher.

"Wir stehen, wo wir können, hinter den Händlern", bekundete Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker Verständnis für die Situation. Sie bezifferte das bisherige finanzielle Engagement der Stadt für das Karree mit etwa 50 000 Euro. Darin enthalten sind Ausgaben für die Ersatzparkierung ebenso wie für Stadtmarketing-Maßnahmen oder Bauhofleistungen. "Das sind Zahlungen, die sich sehen lassen können", bilanzierte Matt-Heidecker. Solle mehr investiert werden, müsse der Gemeinderat dafür Gelder frei machen. Auch ideell wirke die Stadt mit, wo sie könne. So begleite beispielsweise Bürgermeister Riemer die regelmäßigen Baustellenführungen.

Städtisches Geld fließt auch in ein Highlight, das in ganz Baden-Württemberg bislang beispiellos ist: ein "Midnight-Shopping". "Damit bringen wir mal wieder etwas ganz Neues nach Kirchheim", freut sich Gabriele Huttenlocher, Leiterin des Bereichs Kultur im Amt für Bildung, Kultur und Sport. Wohl fühlen und gute Stimmung bis weit in die Nacht sollen am Freitag, 2. September, garantiert sein. Die Resonanz der Geschäftsleute sei "gigantisch", ein Aktionskreis ist bereits mit der Planung befasst. "Es gibt schon ein Ideenpaket", verrät die Marketingfachfrau, weigert sich aber standhaft, dieses Paket aufzuschnüren: "Das ist noch eine Überraschung!"

Fest steht schon, dass das Midnight-Shopping an das Kirchheimer Sommernachts-Kino gekoppelt ist. Ein Anlass ist nämlich erforderlich, um überhaupt die Erlaubnis für eine derartige Aktion zu bekommen. Zudem ergänzen sich die Veranstaltungen, der Zustrom von Nachtschwärmern ist auf jeden Fall garantiert. Synergieeffekte hinsichtlich des Filmtitels, der an diesem Abend über die Großleinwand am Martinskirchplatz flimmern soll, lassen sich allerdings kaum erzielen. Ironie des Schicksals: Auf dem Programm steht "Die fetten Jahre sind vorbei."