Lokales

Ertragskraft und Prognosen

Firmenchefs brauchen keine Angst vor den Folgen von "Basel II" haben, darauf wurde bei einer Veranstaltung der Kreissparkasse aufmerksam gemacht.

KREIS ESSLINGEN Die Befürchtung mancher mittelständischer Betriebe, wegen der neuen Bewertungskriterien und verschärften Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute in Zukunft keine oder teurere Kredite zu bekommen, ist unbegründet. Dies wurde bei der Veranstaltung deutlich.

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Rund 600 Zuhörern waren beim "Mittelstands-Forum" der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen zu Gast, um sich über das künftig geforderte Rating-Verfahren und die Umsetzung zu informieren. Kinder bekommen Schulzeugnisse je schlechter die Noten, desto größer die Gefahr, irgendwann einmal sitzen zu bleiben. Für Unternehmen gibt es Vergleichbares, meinte die Referentin des Abends, Dr. Birgit Felden, Vorstandssprecherin der Unternehmensberatung TMS aus Köln.

Der englische Begriff "Rating" bezeichnet die Zahlungsfähigkeit eines Kreditnehmers, die in standardisierten Verfahren ermittelt wird. Dabei bewerten Banken und Sparkassen das Ausfallrisiko von Unternehmen mithilfe verschiedener Kennzahlen. Je besser das Ergebnis, desto weniger Eigenkapital muss die Bank für einen Kredit hinterlegen. Deshalb profitieren Unternehmen mit geringem Risiko von günstigen Darlehenskonditionen.

Laut Birgit Felden führt für Unternehmen am Rating kein Weg vorbei. Um einen Betrieb optimal darauf vorzubereiten, benötige man allerdings Zeit deshalb sollte auch frühzeitig damit begonnen werden. Beim Rating würden quantitative Faktoren wie die Ertragskraft oder Branchenprognosen bewertet. Doch kämen qualitative Gesichtspunkte hinzu, die auf Basis der Unternehmenspräsentation bewertet würden. Genau hierin sieht Felden eine Chance für die Betriebe.

Wie die Unternehmensberaterin sagte, lohnt es sich, die Managementphilosophie, die Altersstruktur oder besondere Qualifikation seiner Mitarbeiter den Bankern zu erläutern. Punkten könne auch, wer zeigt, dass eine Unternehmensnachfolge langfristig vorausgeplant sei oder der Betrieb Notfallpläne habe "anders als dort, wo nur der Chef persönlich einen Schlüssel hat und die Passwörter kennt."

Auch etablierte Unternehmen, erläuterte Dr. Birgit Felden, würden in Zukunft einen Geschäftsplan brauchen: "Die Firmenchefs sollen sagen, wo sie hin wollen, zeigen, dass sie strategische Risiken bewusst steuern und Liquiditätsrisiken vermeiden," ergänzte die Referentin. Oft scheitere der gute Ruf einer Firma nicht an der Information selbst, sondern an deren Erläuterungen. Deshalb gelte es, im Ratingprozess Glaubwürdigkeit zu vermitteln und die Partnerschaft mit den Kreditgebern aktiv zu gestalten. Basis sollte das gemeinsame Interesse an der Risikosteuerung sein.

Birgit Felden riet den Firmenchefs, dies nicht für die Bank zu tun, sondern die Erkenntnisse auch für sich zu nutzen und im eigenen Unternehmen umzusetzen.

Wie bedeutsam der Dialog zwischen Kreditinstitut und Unternehmen ist, erläuterte Vorstandsmitglied Bernd Georges, der bei der Kreissparkasse das Unternehmenskundengeschäft leitet. "Die fünf wichtigen Faktoren sind für uns die Vermögenslage, die Ertragslage, die Kontoführung, das Informationsverhalten und die Unternehmensplanung. Hierüber wollen wir den Rating-Dialog führen." Bernd Georges warnte die Zuhörer vor der Versuchung, nur an einzelnen Stellschrauben zu drehen, um dadurch zu einer besseren Bewertung zu kommen.

Dies verdeutlichte das stellvertretende Vorstandsmitglied Willy Roßbach: "Wichtig ist nicht die Anpassung an einzelne Ratingdetails, sondern die professionelle, ganzheitliche Unternehmensführung. Was für den Betrieb gut ist, ist auch gut für das Rating."

pm