Lokales

Erweiterung des Gebäudes

„Hilfe für Guasmo“ stellt sich auch im dritten Jahrzehnt seiner übernommenen Verantwortung

Kirchheim. Der Verein „Hilfe für Guasmo“ konnte 2007 auf 20 Jahre erfolgreiche Jugendarbeit in Ecuador zurückblicken. Inzwischen ist der Blick in die Vergangenheit selbst schon wieder Vergangenheit; die Zukunft der von Kirchheim aus unterstützten Kinder und Jugendlichen fordert die Fortsetzung der Hilfe und die Treue zu der einmal übernommenen Verantwortung.

Einmal mehr packte Ursula Hauser, die Vorsitzende von „Hilfe für Guasmo“, ihre Koffer und flog nach Ecuador, um in „ihren“ Projekten nach dem Rechten zu sehen. Sie reiste auf eigene Kosten, denn dass kein Geld aus der Vereinskasse für Reisen, Verwaltung und Tätigkeit der ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter in Deutschland ausgegeben wird, versteht sich im Verein von selbst. Seit über 20 Jahren kommt jeder Cent, der in Deutschland gespendet wird, ohne Abzug Kindern und Jugendlichen aus allerärmsten Verhältnissen in Ecuador zugute.

Nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt Quito und einigen kurzen Gesprächen und Begegnungen begab sich Ursula Hauser zuerst in ihr Projektdorf Puerto Napo im Urwald des Amazonas-Quellgebietes. Das Dorf hat so gut wie keine Infrastruktur und extrem arme Einwohner. Hier hat „Hilfe für Guasmo“ eine Ausbildungsstätte, in der derzeit 40 Mädchen, die die sechsjährige Pflicht-Basis-Schule absolviert haben, in drei bis sechs aufeinanderfolgenden Kursen in allgemeinbildenden Fächern und vor allem im Schneiderinnen-Handwerk unterrichtet werden. Der Abschluss dort bietet ihnen berufliche Chancen mit der ersehnten Aussicht, ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten zu können.

Von den 40 Mädchen wohnt ein Teil im Internat in Puerto Napo, nicht alle können zu Hause bei ihren Familien wohnen. Entweder ist der tägliche Schulweg nicht zu bewältigen, oder die familiären Verhältnisse sind unerträglich. Der Platz im Internat wird von „Hilfe für Guasmo“ mit 30 bis 50 Dollar im Monat mitfinanziert. „Internat“ bedeutet: ein Bett und ein Spind für jede, ein karg möblierter Gemeinschaftsraum für alle und einfache Mahlzeiten.

Ursula Hauser besucht immer während ihrer Aufenthalte einzelne Stipendiatinnen zu Hause. Diesmal machte sie sich mit der Sozialarbeiterin Sandra Largo auf den Weg zu Mayra, einer der Schülerinnen von Puerto Napo. Deren Familie wohnt tief im Urwald in einer Hütte auf Stelzen.

Zunächst ging es drei Stunden mit einem Kleinbus über miserabel ausgebaute Urwaldwege, daran schloss sich eine Stunde im Boot auf dem Fluss an. Nach dem Aufenthalt bei der gastfreundlichen Familie, die eigens ein Huhn geschlachtet hatte, ging es zurück. Wegen der starken Strömung während der Regenzeit war aber das Boot jetzt nicht mehr zu benutzen und die beiden Frauen machten sich mit dem Busfahrer und mit Mayras Schwester als Führerin zu Fuß auf den Weg durch den Urwald. Nach einer Stunde waren sie froh, den Bus wieder zu sehen.

Nach dem Aufenthalt in Puerto Napo musste sich Ursula Hauser um die Projekte von „Hilfe für Guasmo“ in der Hafenstadt Guayaquil kümmern. In den dortigen Ausbildungseinrichtungen arbeitet eine Reihe von höchst engagierten Lehrern. Sie leisten hervorragende Arbeit in der Schule, im berufsbildenden „Centro ISE“, im Colegio a Distancia mitten im Elendsviertel Guasmo von Guayaquil, und das, obwohl ein ausgebildeter Lehrer in Ecuador etwa so viel verdient wie ein ungelernter Fab­rikarbeiter – zwischen 200 und 250 Dollar im Monat.

Ein drängendes Problem ist derzeit die notwendige räumliche Erweiterung des Gebäudes in Guasmo, die möglichst bald in Angriff genommen werden soll. Das wird Geld kosten, denn neben der Baumaßnahme stehen auch höhere Personal- und Sachkosten an. Augenmaß ist notwendig, denn Spenden, auf denen die ganze Arbeit von „Hilfe für Guasmo“ basiert, sind eine schwer kalkulierbare Größe.

Sowohl in Guayaquil als auch in Puerto Napo leben die jungen Menschen in oft menschenunwürdigen Verhältnissen. Sie benötigen neben dem Ausbildungsangebot auch dringend fachliche Beratung und Betreuung durch Sozialarbeiter, da sie oft schon früh Verantwortung in ihren Familien übernehmen müssen.

Ein weiteres Problem ist die gesundheitliche Misere in vielen Familien. Die Menschen können sich keine vernünftige Ernährung leisten, sie essen zu süß, sind übergewichtig; viele haben Diabetes, aber eine Behandlung und Medikamente können sie nicht bezahlen.

Den meisten der von „Hilfe für Guasmo“ geförderten Kindern und Jugendlichen hat das Leben schon so viele Belastungen aufgebürdet, dass die Schule für sie nicht nur ein Ort der Ausbildung ist.

Informationen über „Hilfe für Guasmo“ gibt es bei Ursula Hauser, Laubersberg 48 in Kirchheim, Telefon 0 70 21 / 4 43 09, und bei Arnold E. Piesiur, Telefon 0 70 21/ 7 17 97 sowie im Internet unter www.hilfe-fuer-guasmo.de. Ein Spendenkonto ist eingerichtet bei der Landesbank Baden-Württemberg in Kirchheim, Kontonummer 864 864 6, Bankleitzahl 600 501 01. is

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