Lokales

Erzählende Bilder im Zeichen der Kelten und Drachen

GRABENSTETTEN "Die Drachen sind weitergezogen", freut sich Lene Rose Gruner aus Grabenstetten. Im vergangenen Jahr waren Bilder dieser mythologischen Wesen im Schlössle

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IRIS HÄFNER

zu sehen, gemalt von Schülern der Lenninger Realschule im Zuge einer deutsch-chinesischen Kulturbegegnung. Später hatte das Forum Künstlerinnen das Schlössle genutzt, um dort ebenfalls Drachenbilder auszustellen. Nun hat Lene Rose Gruner die Lindwürmer mit nach Wales genommen. Auch dort kennt man das Fabelwesen bestens, ziert dort sogar ein rotes Exemplar das Landeswappen. Somit war ein gemeinsames Symbol schnell gefunden, und es sollte nicht das einzige bleiben, denn die Schwaben verbindet weit mehr mit den Walisern.

Auslöser für die Ausstellung "Dragons" ist die seit 50 Jahren bestehende Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Cardiff, der Hauptstadt von Wales. Das Forum Künstlerinnen, in dessen Vorstand Lene Rose Gruner aktiv ist, eröffnete mit seiner Ausstellung den Veranstaltungsreigen im Jubiläumsjahr. Die Zeichnungen, Drucke und Gemälde von einigen der besten Künstlerinnen aus der Region Stuttgart waren zunächst in Cardiff zu sehen. Bei der feierlichen Eröffnung mit dabei war auch die Oberbürgermeisterin von Cardiff, Lady Mayoress Jacqui Gasson. "Ein walisischer Männerchor hat dort gesungen und zwar eine recht bunte Mischung: deutsch, walisisch, traurig und lustig, Trinklieder und Choräle", ist Lene Rose Gruner auch heute noch von dem Repertoire beeindruckt. Begeistert ist die Lehrerin der Lenninger Realschule auch von den Ausstellungsräumen. Auf zwei Ebenen wurden die Werke der deutschen Künstlerinnen präsentiert.

Die Bilder für eine themenbezogene Ausstellung können nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt werden. Eine gute Vorarbeit und entsprechende Ideen sind notwendig. Das zentrale Thema fanden die Künstlerinnen jedoch schnell: die Wappentiere der beiden Städte roter Drache und schwarzes Rössle. Beide Tiere zieren das überaus gelungene Plakat der Ausstellung.

Geradezu prädestiniert für die Drachen-Ausstellung ist Lene Rose Gruner. Neben den Fabelwesen verbinden die Kelten sie mit Wales. Auf Grabenstetter Markung lag ein Teil des keltischen Oppidums, das zu den größten in ganz Europa zählt und die Sprache der Waliser ist keltischen Ursprungs. Bevor die Künstlerin, die auch im Arbeitskreis Geschichte und Kultur in Graben-stetten und im frühgeschichtlichen Museum engagiert ist, zu Pinsel und Farbe griff, befasste sie sich intensiv mit Kultur und Mythen der Kelten.

Deshalb ist ein Kunstwerk entstanden, das nicht nur schön anzusehen ist, sondern das nur so strotzt vor Symbolik, Fantasie, Farbenpracht und Mathtematik. "Meine Kunst ist narrativ, es sind erzählende Bilder", beschreibt Lene Rose Gruner ihr Werk. Recht schnell ist sie bei ihren Recherchen auf die vier Zweige des Mabinogion gestoßen, dem ältesten walisischen Mythos, erstmals im Jahr 1225 schriftlich festgehalten. "Mönche haben diese Gechichten aufgeschrieben und damit einen Faden geschlagen zu den Kelten", sagt Lene Rose Gruner. Diese Geschichten hat sie in ihre Bilder eingearbeitet. "Die Kelten hatten einen starken Zugang zu Pferden. Diese Tiere waren für sie sehr wichtig", erklärt sie. Damit gab es ein weiteres Verbindungsglied zwischen Stuttgart und Cardiff. Wer genau hin-schaut, erkennt das Pferd auch in der Mitte des Bildes.

Da die edlen Tiere bei den Kelten einen hohen Stellwert hatten, lassen sich noch heute viele Zeichen finden, die die Pferde umgeben und genau diese Zeichen hat Lene Rose Gruner in ihre Bilder eingearbeitet. "In der Zeichenwelt der Kelten werden viele Geschichten von Pferden erzählt", erläutert die Künstlerin. Vor allem auf Münzen gibt es zahlreiche Motive mit Pferden. Die Grabenstetter Künstlerin hat sich eingelesen in die geheimnisvolle Welt dieses alten Volkes, sprudelt geradezu über vor Begeisterung. So gibt es beispielsweise das Pferd der Unterwelt und Math, den Vater der Magie. "Math, das klingt doch schon wie Mathematik", erzählt sie mit strahlenden Augen. Ihre Bilder nennt Lene Rose Gruner Mapo Mathematik und Poesie. Somit wird eine weitere Leidenschaft der Künstlerin deutlich: Mathematik. Die Schönheit der Zahlen und die damit verbundenen logischen Gesetzmäßigkeiten werden anhand mathematischer Formeln in ihre Bilder integriert. Meist besteht ein Kunstwerk von Lene Rose Gruner aus mehreren Einzelbildern, das "Keltische Pferd mit Math, Vater der Magie", das in Cardiff zu sehen war, aus vier. Dabei kann jedes Bild für sich betrachtet werden und durch Drehen sogar von allen vier Seiten. Dazu kommt, dass man die vier Bilder auch als ein Ganzes sehen kann. "Meine Bilder enthalten mehrdeutige Formen, die beim Drehen im oder gegen den Uhrzeigersinn von jeder Seite des Bildes neu kombiniert werden können zu neuen Formen mit figurativen Assoziationen", beschreibt die Künstlerin ihre Werke. Bei vier Mapo-Bildern existieren 18 432 Anordnungsmöglichkeiten. "Der Betrachter hat 51 Jahre und 264 Tage jeden Tag eine andere Wahrnehmungsmöglichkeit, kann die vorhandenen mehrdeutigen Formen neu kombinieren", erklärt sie ihr System.

Die Ausstellungsbesucher sehen mitunter jedoch etwas völlig anderes in den Bildern als die Künstlerin beabsichtigt hat. "Aus einer Hand wird beispielsweise ein Flügel das alles passiert im Kopf des jeweiligen Betrachters. Auch wer sich in der keltischen Mythologie nicht auskennt, bei dem lösen meine Bilder etwas aus", konnte sie beobachten. Es sind spannende Bilder, die Lene Rose Gruner malt. Was beispielsweise aussieht wie der Panzer einer Schildkröte ist das keltische Symbol des gestirnten Himmelsgewölbes, das sich über dem Pferd ausbreitet und dessen Mähne berührt eben so, wie es auf dem Bild zu sehen ist.

INFOWer mehr über die Arbeit von Lene Rose Gruner wissen will, kann sie auf der Homepage unter www.Lene-art.de besuchen. Dort findet sich auch die komplizierte mathematische Formel zu den Betrachtungsmöglichkeiten