Lokales

Es begann mit Wasserschäden am Dachgebälk

Für rund 700 000 Euro will die Gemeinde Bissingen die denkmalgeschützte Kelter in der Ortsmitte 2009 sanieren und umbauen lassen. In ihr sollen auch die ausgelagerten Bauhofstandorte unterkommen. Einhellig befürworteten die Bürgervertreter die Planung von Architekt Jochen Stüber.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Die Bissinger Kelter beherbergt schon lange keine Weinpresse und keinen Kelterbaum mehr. 1960 gab der letzte Wengerter seine Reben auf. In dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäude steht seit etwa 26 Jahren der Bauhof-Unimog, haben die Mitarbeiter des Bauhofs der Seegemeinde ihre Werkstatt und einen Teil ihres Lagers. Andere Baumaterialien und Geräte warten in der Farrenstallscheune und auf dem Lagerplatz am Recyclinghof auf ihren Einsatz.

Das soll sich ändern. Nach dem mit dem Bauhof abgesprochenen Konzept, das Architekt Jochen Stüber dem Gemeinderat vorstellte, werden die Gemeindearbeiter in der sanierten Kelter alle Fahrzeuge, Geräte und Materialien unterbringen können. Notwendig wurde die Maßnahme durch Schäden an der tragenden Konstruktion des alten Dachgebälks. Der Gemeinderat hatte sich aber, als er von der Malaise erfuhr, entschieden, das historische Gebäude zu sanieren und den Bauhof darin zu belassen. Ein Bauhofneubau hätte nach den Worten von Bürgermeister Wolfgang Kümmerle mit etwa anderthalb Millionen Euro zu Buche geschlagen. Ursprünglich ging die Gemeinde von Sanierungs- und Umbaukosten in Höhe von knapp 398 000 Euro aus. Doch Feuerschutz und Denkmalpflege forderten ihren Tribut und verteuerten die Angelegenheit um über 200 000 Euro. Durch weitere, sinnvolle Lösungen, die der Architekt auf Wunsch der Bauhofleitung in die Konzeption einarbeitete, stiegen die Kosten um etwa 100 000 Euro auf nun insgesamt rund 700 000 Euro an. Davon hat die Gemeinde im Moment 400 000 Euro auf der hohen Kante. Das restliche Geld hofft der Bürgermeister durch den Griff in verschiedene Fördertöpfe beschaffen zu können. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Behörden grünes Licht für die Sanierung und den Umbau der Kelter geben. Erst dann kann die Kommune entsprechende Mittel der Denkmalpflege, des Landessanierungsprogramms und des Ausgleichsstocks beantragen.

Die umgebaute Kelter wird ein aus Brandschutzgründen eingehaustes Sicherheitstreppenhaus und Feuerschutztüren erhalten, ebenso eine Durchfahrgarage und eine beheizbare Garage für Winterdienstfahrzeuge. Zur Konzeption gehören unter anderem auch eine Schlosser- und Schreinerwerkstatt, ein Büroleiterzimmer, ein Reinigungs- und Sanitätsraum, ein Aufenthalts- und Besprechungszimmer mit Teeküche, eine Lagergalerie für verschiedene Materialien, ein Wasch- und ein Umkleideraum sowie ein Trockenraum.

Der Gemeinderat befürwortete die Planung. "Ich habe trotz der hohen Kosten ein relativ gutes Gefühl, das Richtige zu tun," meinte Siegfried Nägele.