Lokales

"Es bestand keine akute Gesundheitsgefährdung"

Innerhalb von kurzer Zeit musste die Rotlehenquelle in Gutenberg vom Netz genommen werden, da ein Grenzwert überschritten war. Im Moment deutet alles auf ein technisches Problem in der neuen Anlage hin. In einer weiteren Probe wurden keine Erreger mehr gefunden.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Clostridium perfringens heißt der kleine Parasit, der für große Aufregung in Lenningen sorgt. "Bei den Clostridien handelt es sich um einen normalen Bodenkeim, der ein Indikator dafür ist, dass mit dem Wasser irgendetwas nicht in Ordnung ist", sagt Dr. Jürgen Kalthoff, stellvertretender Amtsarzt beim Gesundheitsamt in Esslingen. Eine akute Gesundheitsgefährdung habe jedoch zu keinem Zeitpunkt bestanden, beruhigt er. Auch wenn nur eine geringe Anzahl der Keime nachweisbar war, wurde aus Vorsorgegründen das Abkochgebot ausgesprochen. Es sei jedoch recht unwahrscheinlich, dass "etwas passieren" hätte können. Gestern Nachmittag lag das Ergebnis einer nachfolgenden Probe vor. "Darin wurde nichts gefunden", konnte Lenningens Bürgermeister Schlecht mitteilen.

Indessen suchen Fachleute fieberhaft nach dem Schwachpunkt in der neuen Anlage. Die beiden Störfälle traten jedesmal dann auf, wenn viel Wasser in der Aufbereitungsanlage ankam vor rund zwei Wochen waren es starke Regenfälle, dieses Mal ebenfalls starke Niederschläge samt Schneeschmelze. "Wir hatten einen Filterdurchbruch", sagt Herbert Nägele, Ingenieur bei der WAVE und für die Planung der Anlage verantwortlich. Viel Wasser bringt auch viel Dreck mit sich und damit war die Anlage, die erst einige Wochen in Betrieb ist, überlastet. "Eigentlich hätte die Pumpe automatisch abschalten sollen", erklärt der Ingenieur. Warum dies nicht der Fall war, müssen nun die Fachleute herausfinden. So gelangte das verunreinigte Wasser über den nicht mehr optimal arbeitenden Filter in den Hochbehälter.

"Bevor nicht ein klares Ergebnis vorliegt, geht die Quelle nicht ans Netz", stellte Michael Schlecht bei der Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend klar. "Wir bekommen katastrophales Rohwasser, ohne Aufbereitung kann es nicht als Trinkwasser verwendet werden, weshalb wir viel Geld in die Anlage gesteckt haben", so der Schultes weiter. Sollten die Ingenieure zu keiner Antwort kommen, müsste sich auch das Gremium über die Zukunft der Rotlehenquelle, die für etwa 200 000 Euro modernisiert wurde, Gedanken machen.

Alle Beteiligten hoffen jedoch, dass es zu diesem Fall der Fälle nicht kommt. "Die Anlage funktioniert sonst hervorragend", sagt Herbert Nägele. Im Probebetrieb sei es zu keinem einzigen Störfall gekommen, alle Funktionen der computergesteuerten Anlage seien getestet und für in Ordnung befunden worden. Auch das Gesundheitsamt gab die Zustimmung für die Inbetriebnahme.

"Das sind Anfangs-Tücken einer Anlage. Sie muss erst noch richtig eingefahren werden. So etwas kann passieren", sieht Dr. Jürgen Kalthoff die Situation recht gelassen. Dass an einer neuen Anlage einiges nachgebessert werden muss, sei völlig normal. "Unglücklicherweise ist es in der Anfangsphase in Gutenberg wegen der hohen Wassermenge kurz nacheinander zu Störfällen gekommen", so der Amtsarzt. Seit dem Jahr 2003 sind die neuen EU-Trinkwasserrichtlinien in Kraft. Die Richtwerte wurden zwar verschärft, in diesem Fall hätte aber schon nach der alten Trinkwasserverordnung das Abkochgebot gegriffen. "Auch früher galten diese Keime als Indikatoren für Krankheitserreger", erklärt Jürgen Kalthoff.

"Die Aufbereitungsanlage hat uns viel Geld gekostet. Ich gehe davon aus, dass sie funktioniert, wenn die Sache mit dem Filter im Griff ist", gibt sich Bürgermeister Schlecht trotz allem Frust optimistisch. Er hofft darauf, dass die Fachleute die Fehlerquelle lokalisieren können und daraufhin eine Lösung finden. "Die WAVE muss uns sagen, an was es gelegen hat. Es kann nicht sein, dass immer wieder die Elektronik versagt und in regelmäßigen Abständen ein Störfall auftritt", sieht er die Ingenieure in der Verantwortung. Für den Schultes verdichtet sich alles auf die Frage, warum die Pumpe nicht ausgeschaltet hat, nachdem die Messanlagen entsprechende Daten geliefert haben.

Aufgetreten war der Störfall am Freitagabend. Er wurde an ein Notfall-Handy weitergeleitet, woraufhin der Bauhofleiter die Pumpe ausschaltete. Am Samstag stellte der Wassermeister auf die Landeswasserversorgung um und am Montag wurden dann die Proben gezogen. Deren Ergebnis lag am Dienstagnachmittag vor und die Bevölkerung wurde umgehend von der Feuerwehr benachrichtigt, da die Bauhofmitarbeiter mit dem Winterdienst beschäftigt waren. Weil das Abschalten der Pumpe nicht automatisch funktionierte, konnten die Keime in der Zeit, als der Bauhofleiter auf dem Weg zur Anlage war, ins Trinkwasser gelangen.