Lokales

"Es gibt viele Fallen, in die man stolpern kann"

Wer sein Leben unter der Last wachsender Schulden nicht mehr aus eigener Kraft in den Griff bekommt, ist beim Eckpunkt richtig: Heike Blankenhorn-Frick und Silke Jähner sind Anprechparterinnen bei finanziellen Sorgen in der Schuldnerberatung der Diakonischen Bezirksstelle. Unter anderem für diese Einrichtung spenden heuer Teckboten-Leser im Rahmen der Weihnachtsaktion.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM "Wir wollen Existenzsicherung bieten", bringen es

O:STERN.TI_die beiden Schuldnerberaterinnen auf den Punkt. Ihr vordringliches Ziel: Menschen, die vor Schulden nicht mehr ein noch aus wissen, sollen wieder von ihrem Einkommen leben können und auf eigenen Füßen stehen.

Arbeitslose finden ebenso den Weg zur Schuldnerberatung der Diakonischen Bezirksstelle wie derzeit vermehrt auch Menschen, die früher gut verdienten, sich jetzt aber mit deutlich schlechter bezahlten Jobs über Wasser halten. Diverse Kreditverpflichtungen können nicht mehr erfüllt werden, oft stehen die Betroffenen auch privat bei Bekannten gehörig in der Kreide, die Situation scheint verfahren.

Doch Heike Blankenhorn-Frick und Silke Jähner vermitteln Optimismus. Meist lässt sich mehr machen als auf den ersten Blick erkennbar ist. Das erste Gespräch dient oft dazu, sich einmal alle Sorgen von der Seele zu reden. Offenheit und Ehrlichkeit sind nämlich Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Unterstützung durch die beiden Beraterinnen. Im nächsten Schritt wird eine Einnahmen-Ausgaben-Analyse erstellt. Blankenhorn-Frick berichtet, dass mitunter gar nicht alle Einnahmequellen, vom Erziehungsgeld bis zum Wohngeld, erschlossen sind. Dann nehmen sich die Fachfrauen die Ausgabenseite vor. "Wir schauen sehr genau, wo das Geld hingeht", sagt Silke Jähner. Nicht selten müssen Klienten in der Folgezeit ein Haushaltsbuch führen.

Wer seine Schulden effektiv bekämpfen will, darf natürlich keine neuen eingehen, auch nicht bei Freunden. Außerdem sagen die Fachfrauen den so genannten "Angstraten" den Kampf an. Das sind monatliche Mini-Summen, die an Gläubiger gezahlt werden. Meist bleibt der Schuldner dann vor weiteren Mahnbriefen verschont. Das jedoch ist der einzige Vorteil. Da nämlich die Summen nicht mal die Zinsen decken, wächst der Schuldenberg anstatt zu schmelzen. "Wichtig ist, solche Angstraten zu stoppen und die Klienten zu neuem Selbstvertrauen zu führen", sagen die Beraterinnen.

Manche ihrer Klienten sind so verschüchtert, dass sie ihre Post schon gar nicht mehr öffnen. Zum einen schwant ihnen nichts Gutes, wenn wieder ein offizieller Brief im Kasten liegt, zum anderen können sie oft nichts anfangen mit dem Amtsdeutsch. Blankenhorn-Frick und Jähner helfen dabei, Probleme offensiv anzugehen. Nicht unbedingt die schlechteste Lösung ist nach ihren Erfahrungen eine eidesstattliche Versicherung, dass wirklich kein Einkommen und kein Vermögen vorhanden ist. Dadurch erhalten die Betroffenen ein wenig Zeit, mit dem Geld umgehen zu lernen und ihren Haushalt zu stabilisieren.

Nur ganz selten helfen die Beraterinnen mit Geld aus. "Das ist höchstens dann der Fall, wenn beispielsweise die Stromrechnung nicht mehr gezahlt werden kann und akuter Handlungsbedarf besteht", erzählt Blankenhorn-Frick. In derart brenzligen Situationen kann auf den Notsorge-Topf zur Überbrückung zurückgegriffen werden. Größtes Vertrauen gegenüber der in Not geratenen Person ist dabei unabdingbar.

"Es gibt viele Fallen, in die man stolpern kann", wissen die beiden Sozialpädagoginnen aus leidvoller Erfahrung und erzählen von Versandhausraten und vielen mehr, worunter Verschuldete leiden. Manche ihrer Klienten haben 20 oder mehr Gläubiger. "Es wäre einfach schön, wenn die Leute früher zu uns kämen", meint Silke Jähner angesichts der Fülle von Problemen, die viele mit sich herumtragen. Die Beraterinnen wissen, dass viele sich vor dem Schritt zur Schuldnerberatung scheuen. "Menschen schämen sich für ihre Schulden" sagt Heike Blankenhorn-Frick und betont, dass "Schulden haben" und "schuld-sein" zwei Paar Stiefel seien.

Etwas leichter bei dem Schritt, Hilfe zu suchen, tun sich Frauen. Sie knüpfen meist den ersten Kontakt. Das mag aber auch daran liegen, dass sie meist für Einkäufe und die Ausstattung der Familie zuständig sind und so die Ebbe in der Haushaltskasse in stärkerem Maße spüren. "Das Leben ist in der jüngsten Vergangenheit deutlich teurer geworden", weisen die Fachkräfte darauf hin, dass sich viele beispielsweise im Krankheitsfall vielleicht noch die Praxisgebühr leisten, dann aber vor der Einlösung des Rezepts aus finanziellen Gründen zurückschrecken. In vielen Familien herrscht zudem ein regelrechtes Versteckspiel: Die Kinder will man die finanziellen Engpässe nicht spüren lassen, um die nicht auszugrenzen. Im Bekannten- oder Verwandtenkreis verheimlicht man die Bredouille sowieso.

Oft gibt es keinen besseren Weg als Ehrlichkeit. Jähner und Blankenhorn-Frick arbeiten darauf hin, dass zunächst der psychische Druck wegfällt. Dann kann man vieles gelassen angehen. In Geldsachen sind die beiden Sozialpädagoginnen bewandert. Blankenhorn-Frick hat vor dem Studium eine Banklehre gemacht, Jähner ist gelernte Industriekauffrau.

Wer die Hilfe der Schuldnerberatung braucht, sollte sich möglichst montags zwischen 8.30 und 11.30 Uhr telefonisch unter der Nummer 0 70 21/92 09 20 um einen ersten Termin bemühen.

Wer helfen und die Arbeit der Schuldnerberatung sichern will, ist in den Reihen der Spender für die Teckboten-Weihnachtsaktion willkommen. Folgende Konten wurden dafür eingerichtet:

Kreissparkasse 48 333 344 (BLZ 611 500 20) Volksbank 30 4777 005 (BLZ 612 901 20) Deutsche Bank 0700 500 00 (BLZ 611 700 76) BW-Bank 8 642 202 (BLZ 600 501 01) Commerzbank 9 100 009 00 (BLZ 611 400 71)