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"Es ist der Wahnsinn, was die jungen Leute für uns leisten"

Ein starkes Team, das vom entsprechenden Können des anderen profitiert so verstehen sich das Junior Kompetenz Team und der Trägerverein "Die Arche" in Notzingen.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN "Wir spielen uns gegenseitig die Bälle zu" Wolfgang Kalmbach, Vorsitzender des Trägervereins Die Arche, Verein für therapeutische Wohngemeinschaften, kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er von "seinem" Junior Kompetenz Team erzählt. "Es ist der Wahnsinn, was die jungen Leute für uns leisten. Sie bringen uns Alten so viel", lobt er das Engagement der Jungen, das diese wie selbstverständlich in der Arche selbst mit den psychisch kranken Menschen einbringen, als auch im Trägerverein.

Das derzeit aus sieben Mitgliedern bestehende Junior Kompetenz Team besteht aus "alt"-bekannten Gesichtern: Thomas Nees, Florian Merkle und Ingo Geckeler sind ehemalige Zivildienstleistende, Nadine Kurz, Stefanie Hegele, Bahar Erikli

O:3006F401.EP_und Cornelia Cwik absolvierten das Freiwillige Soziale Jahr in der Arche. Die jungen Leute wissen also aus erster Hand, wie und was die Arche ist. Dieses Know-how wollte Wolfgang Kalmbach nicht einfach so brach liegen lassen. "Sie identifizieren sich mit der Arche und erarbeiten sich während ihrer Zeit hier ein enormes Wissen. Nach ihrem Weggang brechen diese Ressourcen ungenutzt weg", sagt der Vorsitzende. Andererseits hat der Trägerverein Schwierigkeiten, junge Leute an das Ehrenamt heranzuführen. Die Überlegung war, die Kompetenz der jungen Leute für den Verein zu erhalten, gleichzeitig sollten aber auch die Studenten von ihrem Engagement für die Arche profitieren.

Dies scheint gelungen zu sein, denn beide Seiten sind mit den getroffenen Vereinbarungen äußerst zufrieden. "Wir profitieren von dieser Situation", erklären Cornelia Cwik, Florian Merkle und Thomas Nees unisono. Unabhängig voneinander machte sich jeder und jede von ihnen Gedanken, was nach ihrer Zeit in der Arche geschehen sollte. Sich ganz von der Einrichtung verabschieden wollte sich eigentlich niemand. "Dieser wichtige Lebensabschnitt sollte nicht abrupt zu Ende gehen. Die Zeit hier war das bislang schönste Jahr in meinem Leben", sagt Thomas Nees ohne Pathos. Zum ersten Mal sah er einen Sinn darin, morgens aufzustehen. "Ich hab' mich auf jeden Tag gefreut; das war völlig anders als Schule oder Ferienjob. Ich konnte plötzlich anderen Menschen mit meinen Fähigkeiten helfen, ihnen bei für mich so einfachen Tätigkeiten wie Einkaufen oder Arztbesuchen die Angst nehmen", beschreibt er.

"So ein Jahr geht nicht spurlos an einem vorbei", bekräftigt Cornelia Cwik. Für sie war es eine hochinteressante Erfahrung, die Veränderungen beobachten zu können, die innerhalb eines Jahres stattfanden sowohl bei den Patienten, als auch bei sich selbst. "Diese Erlebnisse formen", sagt sie und ist froh, im Trägerverein weiter arbeiten zu können.

"Die Arbeit mit den psychisch kranken Menschen prägt einen", bestätigt Florian Merkle. Er hat jedoch auch eine ganz praktische Sichtweise für die Zeit seines Zivildienstes. "Man lernt hier fürs Leben, beispielsweise wie man Betten macht oder die Wohnung in Schuss hält, vor allem aber lernt man Geduld man wird ruhiger", erzählt der Jurastudent.

"Diese Kompetenz der jungen Leute will ich weiterhin für den Verein erhalten", beschreibt Wolfgang Kalmbach den Grundgedanken, weshalb das Junior Kompetenz Team ins Leben gerufen wurde. Die "Alten" beeindruckt das mediale Wissen der Jungen. Cornelia Cwik hat beispielsweise immer ihre Digitalkamera dabei und hält wichtige Ereignisse im Bild fest. Die Jungs und ihre Freunde stellten den neuen Internet-Auftritt zusammen. "Die Jungen bieten uns ihr Wissen, wir Älteren ihnen im Gegenzug unseres", beschreibt der Vorsitzende das Geben und nehmen der Generationen. Die sieben Team-Mitglieder erhielten beispielsweise eine kostenlose Mitgliedschaft. Zudem werden sie bevorzugt behandelt, was die Präsenzdienste in der Nacht oder an den Wochenenden betrifft. Dies ist vor allem für die Studenten nicht uninteressant.

Zudem übernimmt das Junior Kompetenz Team die unterschiedlichsten Projekte: Die Arche braucht einen neuen Flyer der erste Vorentwurf dafür wurde schon erarbeitet. Als es galt, die Jubiläumsveranstaltung für die Arche zu planen und zu unterstützen, waren die Jungen selbstverständlich mit im Boot. "Sie sind eine große Stütze, wir können uns auf die Gruppe verlassen", so Wolfgang Kalmbach. Mittlerweile sei der Name ein fester Begriff bei den Vereinsmitgliedern geworden. "Wir trauen den Jungen verdammt viel zu und setzen auf sie", lobt er weiter

"Uns ist wichtig, auch einen Einblick in die Vereinsarbeit zu bekommen", nennt Florian Merkle eine weitere Motivation. Diesbezüglich planen die Jungen langfristig. Sie wollen nicht nur die nächsten paar Jahre mit der Arche verbunden sein, sondern auch später einmal Verantwortung übernehmen.

"Wir haben schon damit ernst gemacht, dass die Generationen von einander lernen. Die Alten bringen Erfahrung und Routine mit, die Jungen neue Ideen und Wissen in anderen Bereichen", fasst Wolfgang Kalmbach zusammen.

INFOWer sich näher über die Arche in Notzingen informieren will, hat dazu im Internet die Möglichkeit. Die Adresse lautet www.arche-wohnverbund.de.