Lokales

Es klingt wie "Elefantenhorden im Stadion"

Die "La Ola"-Welle der Fußballbegeisterung hat inzwischen beinahe alle erfasst. Auch mit Fahnen haben sich die meisten eingedeckt, obwohl die Nachfrage weiterhin das Angebot übersteigt. Was dagegen noch kaum jemand besitzt, das ist die Fan-Fanfare "Zuluu". Von Kirchheim aus soll sie in Bälde den Weltmarkt erobern.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Die Idee kam dem Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann, als er

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O:902F603.EP_ zu Wahlkampfzeiten spät abends noch den Fernsehapparat einschaltete. Auf "Arte oder 3sat" sah er einen Kulturbericht aus Südafrika: "Da haben welche mit Antilopenhörnern im Stadion ein Brimborium veranstaltet. Das hat geklungen, wie wenn Elefantenhorden im Stadion wären." Außerdem habe der Reporter noch gesagt: "Wenn so etwas in den Stadien der Welt Einzug hält, wird es nach der La-Ola-Welle eine Fanfarenwelle geben."

Auf diese Ankündigung hin hat Karl Zimmermann seine Fühler ausgestreckt und sich ein Exemplar dieser Tröte von einer Hinterhofwerkstatt aus Südafrika schicken lassen. Für hiesige Stadien wäre das Instrument allerdings kaum geeignet gewesen: "Das war aus Metall und hätte als Schlagwerkzeug genauso gut eingesetzt werden können wie ein Baseballschläger." Bei der neuen "Zuluu"-Fan-Fanfare "made in Germany" sind deshalb alle sicherheitsrelevanten Details berücksichtigt: Sie besteht aus zwei Teilen, deren Verbindung eine Sollbruchstelle darstellt. Das Material Polyethylen sorgt zusätzlich dafür, dass keine große Verletzungsgefahr besteht.

Der Sicherheitsbeauftragte der FIFA habe deshalb keine Bedenken gegen die Fanfare. Am Freitag habe er angerufen und die "Zuluu"-Tröte formell abgesegnet, teilte Karl Zimmermann gestern während der offiziellen Vorstellung des Fanartikels vor versammelter Presse mit. Was die Lautstärke betrifft, steht "Zuluu" anderen handelsüblichen Geräuscherzeugern in nichts nach. Trotzdem sei die Gefahr von Hörschäden nicht größer als bei Trillerpfeifen, betont der Kirchheimer Abgeordnete. Verpackung und Mundstück der Tröte ziert im Übrigen eine leicht verständliche Grafik, die veranschaulicht, dass der verantwortungsbewusst lärmende Fan seinen Mitmenschen niemals direkt in die Ohren bläst.

Besonders stolz ist Karl Zimmermann darauf, dass es gelungen ist, die Idee mit der Fan-Fanfare in Baden-Württemberg zu verwirklichen: "Da brauchen wir kein China und kein Taiwan." Mit Dieter Sigel, dem Geschäftsführer der Jesinger Firma Sigel Formen- und Werkzeugbau, hat Zimmermann einen aufgeschlossenen und innovativen Unternehmer gefunden, der sich um die technische Umsetzung für die Serienproduktion gekümmert hat und zudem bereit war, im Vorfeld rund 50 000 Euro in Werkzeug, Entwicklung, Layout und Verpackung zu investieren. Darauf, dass sich diese Investition auszahlt, darf Dieter Siegel berechtigte Hoffnungen hegen.

Am Tag des WM-Spiels Niederlande Elfenbeinküste hat er sich zu Marktforschungszwecken auf dem Stuttgarter Schlossplatz umgesehen. Einer der fliegenden Händler dort habe spontan zugesagt, ihm tausend Fanfaren abzukaufen. Allerdings gab es dabei ein kleines technisches Prob-lem, das jeder nachvollziehen kann, der die Bilder vom vergangenen Freitag noch im Kopf hat: "Ich brauche sie in Orange", hatte der Händler auf die Grundbedingung für reißenden Absatz bei niederländischen Fans aufmerksam gemacht.

Nun gibt es zwar viele verschiedene Farben im Angebot für die "Zuluu"-Trompete. Die Farben lassen sich auch beliebig kombinieren, aber orange gehört bislang eben nicht dazu. Dabei hätten die Holländer bei der richtigen Farbwahl noch am ehesten Tröten ohne eine Flagge als Zusatzaccessoire gekauft. Für die Angehörigen aller anderen Fangruppen ist die Fahne nämlich der besondere Clou: Erstens passt sie gut zur Vorstellung einer Fanfare, wie man sie aus Ritterfilmen kennt, und zweitens ist die Flagge spätestens seit dieser WM in Deutschland das Identifikationssymbol schlechthin.

Allerdings mangelt es derzeit gerade an den Fahnen. Nachschub ist nur ganz schwer zu bekommen. Noch hat Dieter Sigel Flaggen vorrätig, hauptsächlich für deutsche und italienische Fußballfreunde. So lange Vorrat reicht, gibt es Fanfaren samt wehendem Nationalsymbol im Internet unter www.zuluu.de oder bei Sport-Räpple in Kirchheim.

Auch über die WM hinaus hat Dieter Sigel Verkaufsideen für sein Produkt: Von der Bundesliga bis zur Kreisklasse lassen sich damit die entsprechenden Vereine in ihren jeweiligen Farben unterstützen. Und auch andere Sportarten scheinen nur auf "Zuluu" zu warten. So steht Ende Juli das Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring an. Dabei könnten die Zuschauer elefantengleich gegen den Krach auf der Rennstrecke antröten.

Die Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz könnte für die zum Patent angemeldeten Fanfaren einen weiteren Schub bringen, da Alphörner und Kuhglocken im Stadion tabu sind. Und die nächste WM in vier Jahren führt in das Ursprungsland der Tröte, nach Südafrika. Mit dem Volk der Zulu dürfte es dann nicht einmal namensrechtliche Probleme geben, weil sich die Hersteller deshalb extra das zweite "u" zugelegt haben: "Zuluu".

Die wichtigste "Weltpremiere" kündigt Karl Zimmermann schon einmal für den 8. Juli an: In Stuttgart spielen die Unterlegenen der Halbfinals um den dritten Platz. Auf der Tribüne tröten dann Zimmermanns Wunschvorstellungen zufolge möglichst alle prominenten Gäste mit: vom Ministerpräsidenten Günther Oettinger über FIFA-Chef Sepp Blatter bis hin zu Franz Beckenbauer, dem Hansdampf auf allen Rängen. Bei der VIP-Party im neuen Mercedes-Museum will Zimmermann sie alle vor dem Anpfiff mit der Weltneuheit aus Kirchheim ausstatten.