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Es liegen jetzt bereits 700 Anmeldungen vor

Mit viel Lob und hohen Erwartungen wurde das Vitalcenter am Paracelsus-Krankenhaus Ruit bedacht, das gestern offizell eingeweiht wurde. Es ist beispielhaft, wie das Krankenhaus sich Prävention und Rehabilitation zu eigen macht und den Sport einbezieht, sagte Sozialminister Andreas Renner bevor er selbst ein paar Schritte auf dem Laufband rannte.

ROLAND KURZ

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Vier Millionen Euro hat der Anbau an das Paracelsus-Krankenhaus gekostet. Auf 1800 Quadratmetern stehen vier Gymnastikräume und 56 chipgesteuerte Kraft-, Lauf- und Radgeräte bereit. Hier soll vorbeugend gegen die Volkskrankheiten Diabetes, koronare Herzerkrankungen und Rückenschmerzen gewirkt werden.

Prävention beginnt bereits bei Kindern und Jugendlichen, denen hier gesunde Ess- und Lebensgewohnheiten nahe gebracht werden. Zweites Standbein ist die ambulante Rehabilitation, die sich direkt an den Krankenhaus-Aufenthalt anschließt. Bei geplanten Operationen kann die Rehabilitation schon vor dem Eingriff beginnen. Leistungssportler, die nach einer Verletzung gezieltes Aufbautraining benötigen, sind eine weitere Zielgruppe.

Das Krankenhaus hat außerdem die vorhandene Physiotherapie sowie den Eltern-Kindbereich in das Vitalcenter einbezogen. Dafür stehen ein Bewegungsbad, Gymnastikräume und Behandlungskabinen bereit. Und weil zur Gesundheit auch Entspannung gehört, bietet das Vitalcenter noch eine Sauna und ein Dampfbad an. Zwei Fachärzte leiten das Vitalcenter medizinisch. Sie werden von Sport- und Physiotherapeuten unterstützt. Schon 700 Anmeldungen für Kurse und Training sind eingegangen.

Sie gehen den wirtschaftlich richtigen Weg, bestärkte Minister Renner die Klinikleitung. Er ermutige alle Krankenhäuser und alle Kostenträger zu innovativen Strukturen. Es gebe noch einige Baustellen im Krankenhausbereich, sowohl bei den Strukturen als beim Abbau von Betten, sagte der Minister. Er nahm sich noch Zeit für die Einweihung, bevor er zum Rapport beim Ministerpräsidenten und beim Bischof antreten musste.

Aktive Gesundheitsvorsorge und bestmögliche Versorgung bei optimierten Kosten, so fasste Landrat Heinz Eininger das Ziel des Vitalcenters zusammen. Das Kreiskrankenhaus öffne sich mit seinem neuen Konzept allen, die es ernst meinen mit ihrer Gesundheit. Die Räume vermitteln ein Wohlgefühl, kommentierte Eininger die Mischung aus Terracotta-Kübeln und schwäbischer Landschaftsmalerei.

Der Landrat sprach von der Vision, das Paracelsus-Krankenhaus zum Vitalitäts- und Gesundheitszentrum zu entwickeln. Wichtig sei dabei die gute Kooperation mit den Kostenträgern, den niedergelassenen Ärzten und den Vereinen.

Der TV Nellingen strampelt im Vitalcenter mit. Er bildet zusammen mit dem Landkreis die Betreibergesellschaft und bringt die Mitglieder aus seinem bisherigen Fitnesscenter ein. Der Landesverband des Behinderten- und Rehasports richtet in Ruit ein Referenzzentrum für Diabetes, Schlaganfall und Herzinfarktpatienten ein. Reha vor Rente, sagt sich Hubert Seiter, Landesdirektor der Deutschen Rentenversicherung, angesichts immer längerer Bezugszeiten. Dafür nimmt er in Kauf, dass auf einem schwierigen Markt ein weiterer Anbieter für Rehabilitation auftritt. Schon in der Planungsphase war die AOK Esslingen ein wichtiger Partner der Ruiter Klinik. Er verstehe sich als Mutmacher für Krankenhausdirektor Bernt Rommel, sagte AOK-Chef Dieter Kress, der seinen Mitgliedern vergünstigte Kurse anbietet.

Architekt Gerd Sommer dankte Personal und Patienten für ihre Leidensfähigkeit während der Bauphase. Er haderte mit dem öffentlichen Vergaberecht, war aber mit dem Resultat doch glücklich: Auch Paracelsus wäre sehr zufrieden und würde jedes Gerät ausprobieren. Das Vitalcenter lädt zu Tagen der offenen Tür am Wochenende 4. und 5. Februar, jeweils von 10 bis 18 Uhr ein.