Lokales

„Es muss noch viel Vermittlungsarbeit geleistet werden“

Christina Bermann-Harms von der katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“ referierte über ihre gefährliche Arbeit im Nahen Osten

„Handeln anstatt tatenlos zuschauen“ lautet das Motto der katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“. Eine Mitarbeiterin berichtete am Freitagabend im katholischen Gemeindehaus Sankt Ulrich in Kirchheim von ihren Vermittlungsversuchen zwischen den verfeindeten Staaten Israel und Palästina.

Alexander Kappen

Kirchheim. Ausgangssperren, das Abriegeln ganzer Dörfer und Städte durch Mauerbau und Sicherheitszaun, Hausdurchsuchungen und die Zerstörung von Häusern – Alltag in Palästina. Der gewalttätige Konflikt mit dem Nachbarstaat Israel existiert seit Jahrzehnten. Wer die Bilder der Zerstörung und Selbstmordanschläge im Fernsehen sieht, neigt dazu, wegzuschauen und zu resignieren. Nicht so die internationale katholische Friedensbewegung „Pax Christi“. Deren Bistumsstelle Rottenburg-Stuttgart betreibt seit Anfang dieses Jahres gemeinsam mit lokalen Partnern ein Projekt zur Förderung des interreligiösen Dialogs in Israel und Palästina.

Projektmitarbeiterin Christina Bermann-Harms berichtete am Freitagabend in einem einstündigen Vortrag im katholischen Gemeindehaus Sankt Ulrich über ihre Arbeit vor Ort.Das Referat inklusive anschließender Diskussion wurde neben der „Pax Christi“-Gruppe Kirchheim auch von der Deutschen Friedensgesellschaft Neckar-Fils, der Friedensinitiative Kirchheim, dem Arbeitskreis Asyl Kirchheim, Bündnis 90/Die Grünen Kirchheim, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Esslingen-Nürtingen und der Interessengemeinschaft Metall Kirchheim veranstaltet.

„Shalom“, begrüßte Christina Bermann-Harms die rund 50 Gäste auf hebräisch. Die meisten der Besucher sind selbst in der Friedensbewegung aktiv und haben Israel und Palästina bereits bereist. „Um den Weltfrieden mache ich mir permanent Sorgen. Informationen aus erster Hand über die Lage in Nahost halte ich für sehr wichtig“, sagte Besucherin Ute Lang aus Weilheim.

Christina Bermann-Harms zeigte Dias von ihrer Arbeit und ihrem Wohnsitz in Bethlehem im Westjordanland. „An unserem Bürogebäude fehlen Namensschilder und die Fenster sind durch dicke Gitter gesichert“, macht die Friedensarbeiterin die Gefährlichkeit ihres Jobs in Nahost deutlich. „Viele beäugen uns kritisch. Sie sagen, jetzt kommen die aus dem weiten Deutschland hierher und müssen auch noch kritische Fragen stellen“, berichtete die Referentin von entgegengebrachtem Misstrauen.

Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen des zivilen Friedensdienstes. Mit Hilfe mehrerer Friedensgruppen vor Ort organisiert „Pax Christi“ wöchentliche Arbeitstreffen mit Vertretern aller Organisationen. In einer christlichen, jüdischen und muslimischen Arbeitsgruppe werden gemeinsam Methoden für einen Dialog zwischen den verfeindeten Parteien in Israel und Palästina ausgearbeitet.

Als Hindernisse gelte es Sprachprobleme, Vorurteile und Ängste zu überwinden. „Bei jeder Veranstaltung kracht es. Es kommt zu einem verbalen Schlagabtausch, was uns zeigt, dass noch viel Vermittlungsarbeit geleistet werden muss“, sagte Christina Bermann-Harms.

Viele Besucher des Vortragsabends nutzten die Möglichkeit, im Anschluss an den Vortrag von Christina Bermann-Harms noch Fragen zu stellen. „Was sind ihre weiteren Ziele?“, fragte ein Teilnehmer die Referentin. „Wir wollen eine mobile Feuerwehr ins Leben rufen, die bei Konflikten anstatt der Polizei gerufen werden kann“, antwortete die „Pax Christi“-Mitarbeiterin.

„Worin besteht das Eigeninteresse der Projektpartner?“, fragte eine weitere interessierte Besucherin. „Offiziell möchte man den religiösen Dialog fördern, inoffiziell gibt es andere Absichten wie Imageverbesserung einer Minderheit“, gab Christina Bermann-Harms Auskunft, die nach ihrer aktuellen Vortragsreise durch Baden-Württemberg wieder in den Nahen Osten reisen wird.

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